Kostenexplosion schreckt Räte

Die Grundschule Füssen platz aus allen Nähten, wie Rektorin Sylvia Kiesel am Dienstagabend im Stadtrat deutlich machte. Im kommenden Schuljahr werden es zu wenig Räume für den Bedarf sein, gab sie an. Die Lösung soll ein Modulbau sein, den die Stadt vom Landkreis kauft. Eine Firma aus Hopferau soll das Holzgebäude aus Buchloe nach Füssen bringen und neben der Grundschule neu aufbauen. Damit wäre das Platzproblem gelöst. Einige Stadträte stimmten dennoch dagegen – denn die Kosten sind weit höher als ursprünglich angesetzt.

Die Realschule Buchloe wird derzeit saniert und die Klassen teilweise in einen Holzbau ausgelagert. Der sei kein billiges Provisorium, sondern ein stabiler Bau aus Holz mit breiten Gängen und gut zugeschnittenen Klassenzimmern, schwärmte Kiesel. Den kann die Stadt dem Landkreis abkaufen und in Füssen aufbauen. Auch an das Heizungssystem würde er angeschlossen und durch seine dreifach verglasten Fenster wäre er auch keine Klimasünde für die frisch sanierte Schule. Sechs neue Klassenräume könnten dann zur Verfügung stehen. Rund 400.000 Euro hätte es kosten sollen, den Holzbau zu kaufen, nach Füssen zu bringen, an das Gebäude anzuschließen und auszustatten, der Kaufpreis allein betrage dabei nur 118.000 Euro. Der Staat würde die Maßnahme sogar mit 73 Prozent fördern. Wie Stadtbaumeister Theo Fröchtenicht jetzt aber erklärte wird der Bau nach neuen Berechnungen nun doch teurer als geplant – und zwar deutlich. Rund 690000 Euro schätzt Fröchtenicht, werde es kosten. Ob der Staat trotz der immensen Kostensteigerung fördern wird? Selbstverständlich sei das nicht, wie Markus Gmeiner von der Stadtverwaltung erklärte, da müsse man nochmal mit der Regierung von Schwaben reden. Damit hatte manch ein Stadtrat nicht gerechnet und trotz allem Nutzen ein Problem mit der Entscheidung. "Schlecht aufbereitet" „Ich komme mir ein bisschen verarscht vor“, meinte gar Stadtrat Dr. Martin Metzger (BFF). Er könne dem Vorhaben angesichts der unsicheren Kosten nicht zustimmen. Stadtrat Jürgen Doser (FW) gab Metzger dabei recht, ihm tue es jedoch Leid, denn das Gebäude sei eine „super Sache“, die Planung allerdings schlecht aufbereitet. Auch die CSU-Räte Martin Lochbihler und Nikolaus Schulte äußerten die selben Bedenken. Erst in der Sitzung hatte Fröchtenicht die Räte über die Kostensteigerung informiert, in den Sitzungsvorlagen des Stadtparlaments war stand noch die alte Summe. „Ich gebe zu es war ein Fehler“, erklärte Bürgermeister Paul Iacob. Er plädierte dennoch dafür, im kommenden Haushalt das Geld für den Modulbau einzustellen, „ich bitte Sie, diese Zahlen zu akzeptieren“. Auch mit fast 700.000 Euro sei das Gebäude spottbillig, entgegnete Stadtrat Franz Nagel (CSU), von Beruf Architekt, den Kritikern. Ganz und gar für den Modulbau plädierten die drei erschienenen Rätinnen der SPD, Hannelore Semmlin-Leix, Ilona Deckwerth und Anja Selzer. Mit insgesamt fünf Gegenstimmen gaben die Räte ihr Okay dazu, dass in den kommenden Haushalt Geld für das Projekt eingestellt wird.

Auch interessant

Meistgelesen

Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Sex-Attacke auf 15-Jährige
Sex-Attacke auf 15-Jährige
Die Freiheit eines Christen
Die Freiheit eines Christen

Kommentare