Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke: "Wichtige Zukunftstechnologie"

Wasserstoff: Landkreis Ostallgäu wird Modellregion

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Auch die Frage der Logistik soll im Rahmen des Projekts „HyLand“ des Bundesverkehrsministeriums betrachtet werden.

Landkreis/Kaufbeuren – 138 Bewerbungen sind dafür beim Bundesverkehrsministerium eingegangen; nun gehört der Landkreis Ostallgäu zu den bundesweit nur neun Modellregionen, die für Wasserstoff ausgewählt worden sind. Mit im Boot sitzen zusammen mit dem Landkreis auch die Stadt Kaufbeuren und die Gemeinde Fuchstal.

Der Allgäuer Antrag hat den Zuschlag bekommen. Dabei geht es um das Projekt „HyLand“ des Bundesverkehrsministeriums; es habe einen Ansatz, der auf die Bedürfnisse der Regionen zugeschnitten sei. Der umfasse alle Stufen von der Analyse bis hin zur konkreten Umsetzung, wie Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke (CSU) in einer Pressemitteilung erklärt. In der ersten Stufe werden Regionen durch individuelle Beratung befähigt, die Potenziale von Wasserstoff in Wertschöpfungsketten auszuloten.

Das reicht von der Wasserstofferzeugung über die Speicherung und über die Logistik bis hin zu Wasserstoffanwendungen mit dem Hauptaugenmerk auf den Verkehrsbereich. Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) setzt sich, wie es in Verkehrsdialogen mit Politikern und Experten mehrfach deutlich wurde, vor allem dafür ein, dass auf der Bahnlinie Augsburg – Füssen der Einsatz von Wasserstoffzügen erprobt werden soll, um dieselbetriebene Lokomotiven zu ersetzen. 

Zum Stichwort Wasserstoff sagt sie: „Im Fokus steht dabei nicht nur die energetische sondern auch die stoffliche Nutzung“. Damit meint sie Produktionsprozesse in Unternehmen. Potenzial sieht Zinnecker aber in der Speicherung „überschüssiger Energie“, wozu vor allem im Sommer Fotovoltaikanlagen gehören. Ein weiteres Stichwort sind Möglichkeiten der Weiternutzung von erneuerbaren Energien-Anlagen, wenn die EEG-Förderung ab 2021 ausläuft. Zudem glaubt die Ostallgäuer Landrätin, dass sich Wasserstoff sehr gut dafür eigne, um die Sektoren Strom, Wärme und Verkehr miteinander zu verbinden. 

Ohne ein Forcieren der Sektorkoppelung werde die Energiewende in Deutschland nicht gelingen, sagt Zinnecker und verweist auf die Ansicht führender Forschungsinstitute. Aktuell stammt der größte Teil des in Deutschland produzierten Wasserstoffs aus fossilen Quellen, wie beispielsweise aus der Dampfreformation von Erdgas oder der Erdölraffination. Verschiedene Universitäten und Unternehmen arbeiten daran, die Herstellung des Wasserstoffs (beispielsweise durch Elektrolyse von Wasser) wirtschaftlich konkurrenzfähig und auch nachhaltig zu machen. Aufgrund der teilweise hohen solaren Erzeugungsüberschüsse würde sich, so Landrätin Zinnecker, im Ostallgäu eine Produktion von Wasserstoff aus überschüssigem Strom anbieten. Wie genau das aussehen könnte – und vor allem, wie die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen aussieht – solle dann Gegenstand des zu erarbeitenden Konzepts sein. 

Ein Baustein für die Wirtschaftlichkeit sei aber immer die Nachfrageseite (energetisch und stofflich). Die Nachfrage werde im Projekt explizit mit betrachtet. Laut Zinnecker habe man beim Landkreis Ostallgäu während des Bewerbungsprozesses erfahren, dass sich mit der Stadt Kaufbeuren und der Gemeinde Fuchstal zwei weitere Akteure aus der Region dafür interessieren. Wegen der räumlichen Nähe erschien es daher zweckmäßig, die Initiativen zu bündeln. Zudem, so bekundet die Landrätin weiter, „ergänzen wir uns auch fachlich gut durch jeweils unterschiedliche Strukturen – sei es in der Energieerzeugung oder bei Unternehmen“. 

Beim Minister dafür geworben

„Ich habe bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer dafür geworben, dass unsere Region den Förderzuschlag erhält“, bekundet MdB Stephan Stracke (Kaufbeuren). Dass man bundesweit als eine von insgesamt nur neun Modellregionen für Wasserstoff ausgewählt wurde, „ist eine sehr gute Nachricht“, freut sich der Abgeordnete. Das Allgäu biete sich geradezu als Leitregion für emissionsfreie Mobilität im ländlichen Raum an.

 Künftige Produktion im Allgäu?

Es gehe darum, herauszufinden, ob Wasserstoff im Allgäu zu konkurrenzfähigen Preisen produziert werden könne und ob es genügend Interessenten für den Einsatz gebe, fährt Stracke fort. 

Beispielhaft seien die Logistik, der öffentliche Personennahverkehr und die private Mobilität“, betont der Abgeordnete. Als wichtigen Einsatzbereich nennt Stracke den Wasserstoffzug. Er könne bestens geeignet sein, die nicht mehr zukunftsfähigen Dieselloks abzulösen. Voraussetzung dafür sei die Verfügbarkeit von Wasserstoff in der Region. Gerhard Schmid von der Verwaltungsgemeinschaft Fuchstal bewertet die Aufnahme in die Modellregion als weiteren wichtigen Schritt für die Gemeinde auf dem langen Weg vielfältiger Aktivitäten zur Energiewende. Immerhin sei Fuchstal mit Windkraft, Solarenergie, Biogas und Fernwärme bereits Klimaschutz-Modellkommune, fügt er im Gespräch mit dem Kreisbote hinzu. Nun müsse abgeklärt werden, ob bei Themen wie Fuhrpark, Wasserstoff-Tankstelle oder bei einer Zusammenarbeit mit Betrieben etwas vorangebracht werden könne.

jj

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