Der Kreis soll bis 2036 wirtschaftliche Vorzeigeregion werden

Vorzeigeregion mit Imageproblemen

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Geht es nach dem Wirtschaftsbeirat, soll das malerische Ostallgäu zu einer wirtschaftlichen Vorzeigeregion (hier zu sehen der Gewerbepark „Allgäuer Land“ in Füssen) werden.

Landkreis – „Im Jahr 2036 ist das Allgäu eine der führenden, leistungsstarken und zukunftsorientierten ländlichen Regionen Deutschlands.

Das Ostallgäu war auf diesem Weg Vorreiter und Impulsgeber und ist 2036 die attraktivste ländliche Wirtschaftsregion“. Das ist einer der Kernsätze der gerade vorgestellten „Vision 2036“ des Ostallgäuer Wirtschaftsbeirates. Auf knapp 60 Seiten haben die Mitglieder ihre Vision für die Zukunft des Allgäus zusammengetragen. Ideen, die jedoch nicht nur auf Zustimmung im Kreisentwicklungsausschuss stieß. 

Das Ostallgäu soll eine bayern-, deutschland-, wenn nicht sogar europaweite ländlich-wirtschaftliche Vorzeigeregion werden. Das zumindest ist die Idee des 2015 von Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) ins Leben gerufenen Ostallgäuer Wirtschaftsbeirates. 

In persönlichen Interviews mit allen Beteiligten des Wirtschaftsbeirats zu deren Zielen und Zukunftsthemen, zwei Workshops sowie einer Klausurtagung sollten dabei unter anderem Fragen wie „Wofür steht der Wirtschaftsstandort Ostallgäu?“ oder „Gutes Personal/Attraktiver Arbeitsplatz“ erörtert werden, um abschließend eine Zukunftsvision für das Ostallgäu zu entwickeln. 

Fließender Prozess

Die Ergebnisse dieses Prozesses, der noch nicht abgeschlossen sei, wie Zinnecker vergangene Woche im Entwicklungsausschuss erklärte, stellten die beiden Sprecher des Beirates, Josef Ambros und Dr. Hermann Starnecker, vor. 

Es gehe um die Themen Wirtschaftswachstum, Wertschöpfung und Zuzug, umriss Starnecker die Grundlagen der vorgelegten Arbeit. Mittelpunkt ist eine „Visions-Pyramide“, in der die Eckpunkte wie die Ausnutzung gesellschaftlicher Trends und Entwicklungen und die Schaffung neuer Angebote als Basis dienen. 

Ziel sei es, bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu erhalten, neue Firmen anzusiedeln und die Attraktivität für die vorhandenen zu erhöhen. Daraus sollen schließlich ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum und eine entsprechende Wertschöpfung bis 2036 entstehen. 

Der Weg dahin ist geprägt von Handlungsempfehlungen, führte Starnecker weiter aus. Es müsse an mindestens fünf Stellschrauben gedreht werden, um diese Vision real werden zu lassen. Diese seien zum einen ein Imagewandel und ein klares Bekenntnis zur Wirtschaft. Weiterhin seien ein kluger Umgang mit der Fläche und eine abgestimmte Raumplanung und interkommunale Baukonzepte nötig. 

Dazu komme die Schaffung eines der modernsten Verkehrsinfrastrukturnetze im ländlichen Raum, um attraktive Arbeitsplätze der Zukunft zu erhalten. Nicht zuletzt gehe es um die Wirtschaftsförderung 2036. Zu jedem der fünf Bereiche hatte der Wirtschaftsbeirat ein „visionäres Ziel“ aufgestellt und den grundsätzlichen Weg dahin skizziert. 

Außerdem wurden Kriterien erarbeitet, die erkennen lassen, wann das gesteckte Ziel erreicht sei, etwa wenn die Bevölkerung stolz ist, auf die gute wirtschaftliche Entwicklung und ihre erfolgreichen Unternehmen und Betriebe – von der Einpersonen-Firma bis zum Weltmarktführer, quer durch alle Branchen.

Dann sei ein Imagewandel erreicht, so Ambros. 

Kommen LOHCS?

Dass Handlungsbedarf auf allen Feldern bestehe, erkennt laut Imagebroschüre „Gemeinsam die Zukunft“ auch der Ostallgäuer Wirtschaftsbeirat an, der ebenfalls Kriterien erarbeitet hat, was von Seiten der heimischen Politik, der Behörden aber auch Allgäuer Bevölkerung dafür zu tun sei. Unter anderem werde es einen Architektenwettbewerb geben für den Idealtyp eines Gewerbegebietes. 

Darüber hinaus hat sich der Landkreis Ostallgäu für das Pilotprojekt „Hybrider ÖPNV“ beworben, um die nächste Generation von Nahverkehrszügen (so genannte LOHCS, die auf Wasserstoffbasis angetrieben werden) ins Allgäu zu holen bzw. die beliebte Strecke München-Füssen damit zu besetzen. Durchaus gut gemeinte Ideen, die Zinnecker, Starnecker und Ambros skizzierten, die aber nicht unbedingt auf Wohlwollen der Ausschussmitglieder trafen. 

Kreisräte mit Zweifeln

 Ob ein Imagewechsel vollzogen werden solle, wollte eine Rätin wissen. Bislang stehe das Ostallgäu für Kultur und Natur, nun gehe es um den Wirtschaftsstandort und die Förderung der Industrie. Der Landkreis, so ihre Sorge, dürfe nicht zum Wunscherfüller der Industrie verkommen. Eine ähnlich Kritik äußerte ein weiteres Ausschussmitglied: Das Ostallgäu sei vor allem die Region der Handwerker, Mächler und Erfinder. 

Außerdem dürften die Bauern nicht zu Flächenlieferanten für die Industrie degradiert werden. Man habe die Vision tatsächlich aus Sicht der Wirtschaft erstellt, sehr wohl aber Bedingungen wie den klugen Umgang mit der Fläche hineingeschrieben, argumentierten Zinnecker und Starnecker. Die Landrätin machte erneut deutlich, dass es sich um einen laufenden Prozess handle und die Broschüre ein Fortschrittsbericht sei. Das sei der – neudeutsch – Working Progress. 

Deshalb auch gebe es nur eine begrenzte Stückzahl der Broschüre, da konstant an dem Thema gearbeitet werde und weitere Entwicklungen aufgegriffen und eingearbeitet würden. Man werde nun versuchen, die Agenda des Ostallgäuer Wirtschaftsbeirats in die Köpfe zu bringen und Mitstreiter zu gewinnen. 

Dazu soll es Präsentationen geben bei der IHK-Regionalversammlung im Juli 2017, bei den beiden Kreishandwerkerschaften sowie in den Bürgermeistergremien und schließlich im Kreistag. Man wolle weiterhin ein Arbeitsprogramm mit ersten Maßnahmen und Konzepten erarbeiten, dies aber immer in stetiger Abstimmung mit dem Wirtschaftsbeirat.

 kb

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