Verschiedene Interessen müssen unter einen Hut

Landkreis Ostallgäu will Naturschutz und naturnahen Tourismus stärken

+
Freizeittourismus und Naturschutz will der Landkreis Ostallgäu mit verschiedenen Maßnahmen künftig besser vereinen.

Landkreis – Die Stärkung wertvoller Naturräume und der sich stetig weiter entwickelnde Tourismus stehen sich häufig durchaus konträr gegenüber.

Davon wissen insbesondere die Gemeinden der Alpenregion ein Lied zu singen. Um diesen Problemen zu begegnen, hat der Ausschuss für Kreisentwicklung und Umwelt in seiner jüngsten Sitzung zwei Maßnahmen zu diesen Themenkomplexen einstimmig beschlossen. Einerseits soll ein Gebietsbetreuer als Ansprechpartner für ökologisch sensible Bereiche fungieren und andererseits ein Kooperationsprojekt die Umweltbildung und naturnahen Tourismus fördern.

Der Freizeitdruck hat zwar allgemein, aber besonders im Alpenraum deutlich zugenommen. Öffentlichkeitsarbeit, Konfliktlösung und Akzeptanzförderung werden so immer wichtiger. In vielen ökologisch sensiblen Bereichen widmen sich seit Jahren Gebietsbetreuer diesen Aufgaben. Sie sind Ansprechpartner vor Ort, werben für den Naturschutz, vermitteln Umweltwissen bei Führungen und Vorträgen und tragen damit zur gesellschaftlichen Wertschätzung von ökologisch sensiblen Gebieten bei. Sie erfassen und dokumentieren zudem die Veränderungen in Natur und Landschaft sowie in Flora und Fauna.

Wie Ulrike Wörz, Sachgebietsleiterin Naturschutz, erläuterte, erfolgt die Förderung der Gebietsbetreuung durch den Bayerischen Naturschutzfonds. Für die Schaffung neuer Gebietsbetreuerstellen wurden im Nachtragshaushalt 2018 weitere Haushaltsmittel eingestellt. Durch fachliche Priorisierung der Regierung von Schwaben konnte erreicht werden, dass im Ostallgäuer Alpenraum eine entsprechende Stelle unter Trägerschaft durch den Landkreis eingerichtet werden kann. 

Die fünf beteiligten Gemeinden Halblech, Schwangau, Füssen, Pfronten und Nesselwang befürworten die Einrichtung ausdrücklich und teilen sich die anfallenden Eigenmittel. Dabei entfallen nach Abzug der Förderung in Höhe von 52.500 Euro auf den Landkreis 17.500 Euro und auf jede Gemeinde 2000 Euro jährlich bis 2021. Eine weitere Verlängerung soll angestrebt werden und wird zu gegebener Zeit beim Bayerischen Naturschutzfonds entschieden. 

Viele Angebote

Die Gebietsbetreuung soll in enger Abstimmung mit den Gemeinden und der Unteren Naturschutzbehörde, den Waldkörperschaften und der Forstverwaltung sowie Vereinen und Organisationen vor Ort agieren. Zu den Aufgaben gehören unter anderem die Besucherlenkung bezüglich sensibler Arten und die Vermittlung zwischen Freizeitnutzern und Naturschutz im Sinne eines sanften Tourismus, beispielsweise beim Klettern, Mountainbiken und Skitourengehen. Aber auch Öffentlichkeitsarbeit sowie die Planung und Organisation akzeptanzfördernder Maßnahmen bei Konflikten gehören dazu.

Im Ostallgäu gibt es zahlreiche feste Umweltbildungsangebote, wie das Walderlebniszentrum Ziegelwies (WEZ) in Füssen, Themenwege, wie die Moorwelten der Allgäuer Moorallianz und viele Aktivangebote, zum Beispiel Exkursionen, Workshops, Wildnis- und Sinneserlebnisse verschiedenster Anbieter sowie zahlreiche Natur- und Landschaftsführer. Die Palette reicht dabei von bildungsorientierten Angeboten bis hin zu erlebnisorientierteren Angeboten. 

Bislang fehlt trotz der vielfältigen Angebote eine koordinierte Allgäu weite Zusammenarbeit der Umweltbildungsakteure. Das Potenzial der Umweltbildung wird dadurch nicht ausgeschöpft und die Angebote der zahlreichen Einzelakteure könnten durch eine Vernetzung wirkungsvoll weiterentwickelt werden. Ziel eines geplanten Kooperationsprojekt in Trägerschaft der Allgäu GmbH im Rahmen von LEADER (= Förderprogramm für die Entwicklung ländlicher Regionen in Bayern) ist die „Umweltbildung und naturnaher Tourismus im Allgäu“. 

Naturnaher Tourismus will noch weitergehen und die natur- und kulturlandschaftlichen Besonderheiten einer Region aktiv und mit allen Sinnen erlebbar machen. Hierzu gehören die Entwicklung qualitativ hochwertiger Umweltbildungsangebote und eine enge Zusammenarbeit aller Akteure aus Tourismus und Naturerlebnisanbietern.

Zwei Phasen

In zwei Phasen sollen bei einer Laufzeit von drei Jahren beispielsweise von der Bestandsaufnahme und den Strukturaufbau über das „Netzwerk Umweltbildung Allgäu“ und Weiterbildungen bis hin zum Marketing die Potenziale der Umweltbildungsangebote des Landratsamtes Ostallgäu als Beitrag für einen naturnahen Tourismus – aber auch zur Bewusstseinsbildung der Bevölkerung im Allgäu erschlossen und gezielter vermarktet werden, ohne ökologisch sensible Bereiche zu belasten. 

Der Start des Projekts ist für Mitte 2018 geplant. Die Gesamtkosten von 180.000 Euro für drei Jahre reduzieren sich nach Abzug der 60-prozentigen Förderung und gemäß Umlagefinanzierung der Allgäu GmbH für den Landkreis Ostallgäu auf rund 5500 Euro jährlich. Eine Projektfortführung in adäquater Form soll auch hier angestrebt werden. 

wb

Auch interessant

Meistgelesen

Wie steht es um die Wanderwege rund um Schwangau?
Wie steht es um die Wanderwege rund um Schwangau?
Nächster "Blitz-Marathon" steht an
Nächster "Blitz-Marathon" steht an
Auto wird in Pfronten auf Bahnübergang geschoben
Auto wird in Pfronten auf Bahnübergang geschoben
Füssen mit Rekordeinnahmen und weniger Schulden
Füssen mit Rekordeinnahmen und weniger Schulden

Kommentare