Rückt der Verkehrsverbund näher?

Ein Ticket fürs ganze Allgäu?

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Den ÖPNV attraktiver gestalten – das forderten Kommunalpolitiker jeder Couleur schon lange. Jetzt ist womöglich ein erster Schritt gemacht. Das Ostallgäu schließt sich einer Zweckvereinbarung von Oberallgäu, Kempten und Kaufbeuren zur Gründung eines Verkehrsverbunds an.

Landkreis – Er war das Thema des Kommunalwahlkampfs: der ÖPNV. Umso erfreuter nahmen es die Mitglieder des Kreisausschusses zur Kenntnis, dass sie sich in ihrer ersten Sitzung zu Beginn der neuen Amtsperiode mit dem öffentlichen Personennahverkehr beschäftigen sollten.

Auf der Tagesordnung stand die Entscheidung, ob sich der Landkreis an der Gründung eines Verkehrsverbunds der Landkreise Ostallgäu, Oberallgäu und der kreisfreien Städte Kempten und Kaufbeuren beteiligen soll. Einstimmig begrüßten die Kreisräte die Entscheidung. Der erste Schritt für ein künftiges „Allgäu-Gesamt-Ticket“ ist damit gemacht. Peter Däubler, Leiter Kreis­entwicklung im Marktoberdorfer Landratsamt, sprach allerdings von einer langen Reise, die zunächst mit einer schnöden Zweckvereinbarung zwischen den vier Partnern beginnt. 

Diese Vereinbarung sieht die gemeinsame Vergabe einer Grundlagenstudie durch die vier Partner vor, die prüfen wird, ob ein Verkehrsverbund der vier Gebietskörperschaften aus wirtschaftlicher und verkehrlicher Sicht überhaupt sinnvoll ist. Gleichzeitig schließt sich damit der Zweckverbund auch einem Förderprogramm des Freistaats an, das gerade die überregionale Verflechtung des ÖPNV unterstützen will. 

Die Fördersätze sind hoch und damit für den Landkreis attraktiv, denn der Freistaat Bayern übernimmt mindestens 85 Prozent der Kosten dieser Grundlagenstudie, wenn sich mehrere Kreise und kreisfreie Städte zusammenschließen. Das sei auch gut so, sagte Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU), denn die Projektkosten der Grundlagenstudie belaufen sich auf rund 2,45 Millionen Euro. 

„Auch uns haben die Kosten sehr erstaunt“, fügte sie an. Die Höhe sei aber vor allem der Dauer der Studie geschuldet. Drei Jahre sind dafür vorgesehen. So verteilen sich die Kosten nicht nur auf verschiedene Haushaltsjahre, sondern auch auf viele Schultern im Allgäu. Für das Ostallgäu ergibt sich unterm Strich so ein Eigenanteil in Höhe von rund 124.000 Euro. 

Absolut sinnvoll

Die Studie umfasst sowohl den Bus- als auch den Bahnverkehr im Allgäu. Ein wichtiges Kriterium, wie es einige der Kreisräte hervorhoben. „Die Bahn ist verpflichtet, bei dieser Verbundstudie mitzuarbeiten“, betonte auch die Land­rätin. Dies sei absolut sinnvoll. Die Studie sieht außerdem die Prüfung von Verkehrsdaten, Erkenntnisse aus laufenden Projekten wie zum Beispiel dem neuen Nahverkehrsplan, der „mona“-Tarifharmonisierung und der Verbundstudie aus dem Jahr 2012 vor. Sie werde Verkehrserhebungen erstellen und die Überlappung zu Nachbarverbünden wie dem Münchner Verkehrsverbund (MVV) prüfen, so Projektleiter Peter Däubler. 

Kritik von Seiten der Kreisräte gab es vor allem an der Zeitschiene. Dr. Wolfgang Hell (CSU) bemängelte, dass erst nach drei Jahren an eine eventuelle Umsetzung zu denken sei. „Da schreitet ja der Klimawandel schneller voran,“ so Hell. Auch die beiden Kreisräte Brigitte Schröder (FW) und Dr. Günter Räder (Grüne) störten sich an der zeitlichen Dauer und drängten auf eine schnellere Lösung.

Josef Schweinberger (CSU) hielt die Studie sogar für „rausgeschmissenes Geld“ und wollte gleich an die Umsetzung gehen. Däubler verteidigt Studie Projektkoordinator Peter Däubler jedoch mahnte die Kreisräte zur Geduld. Erst 2023 seien tragfähige Konzepte zu erwarten, betonte er. Er gehe allerdings davon aus, dass noch in dieser Amtsperiode Nägel mit Köpfen gemacht werden könnten. 

Und auch die Ostallgäuer Landtagsabgeordnete Angelika Schorer (CSU) betonte die Wichtigkeit der Studie. Nur bei bestätigter Sinnhaftigkeit eines Verkehrsverbunds für die beiden Allgäuer Landkreise und kreisfreien Städte würde der Freistaat auch für die Umsetzung eines Allgäu-Tickets Fördergelder bereit stellen, erläuterte die Abgeordnete.

ah

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