Posse um das Kruzifix im Sitzungssaal

Das Kreuz mit dem Kreuz

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Nach Protesten aus dem Stadtrat und der Bevölkerung hängt das Kruzifix seit Dienstag wieder im Sitzungssaal.

Füssen – Warum und wohin ist das Kruzifix im Trauungssaal des Rathauses verschwunden? Diese Fragen stellte sich nicht nur Stadtrat Gabriel Guggemos (Füssen Land) jüngst Haupt- und Finanzausschuss.

Der Füssener Kasimir Schmutz verfasste deshalb einen geharnischten Brief an Bürgermeister Paul Iacob (SPD) und auch am Montagabend in der Bürgerversammlung sorgte das Thema für Diskussionen. Iacob kann die Aufregung zwar nicht verstehen, dennoch hängt das Symbol seit Dienstag wieder im Sitzungssaal.

Als der Saal des Rathauses vor etwa eineinhalb Jahren saniert werden musste, wurde er leer geräumt, modernisiert, technisch aufgerüstet und wieder eingerichtet. Das Kruzifix wurde jedoch nicht mehr wieder aufgehängt. Dass das Kreuz mit der leidenden Jesus-Figur nicht mehr an der Wand hängt, ist in den vergangenen eineinhalb Jahren auch niemandem aufgefallen – zumindest bis jetzt.

Böser Brief an Iacob

Stadtrat Guggemos und Kasimir Schmutz kritisierten nun allerdings das Fehlen des Glaubenssymbols. Schmutz griff in einem Schreiben an Iacob gar zu einem drastischen Vergleich: Das letzte Mal, dass aus allen öffentlichen Gebäuden die Kruzifixe verschwanden, sei bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten gewesen. „Sind wir heute wieder soweit, dass das Kruzifix als Symbol in unserem von der christlich-abendländischen Kultur geprägtem Land für Dich als Bürgermeister und die Mitglieder des Stadtrates keine Bedeutung mehr hat?“, schreibt Schmutz.

Dieser Vergleich sei eine „Unverschämtheit“ findet Iacob. Es sei keine Absicht der Stadtverwaltung gewesen, das Kruzifix nicht mehr aufzuhängen, erklärte er vergangene Woche auf Anfrage des Kreisboten. Es sei schlicht vergessen worden, so der Rathauschef. Aber: „Ich sehe keine Veranlassung das wieder aufzuhängen.“ Denn der Trauungssaal gehöre zu einem öffentlichen Gebäude, zu einem säkularisierten Bereich. Und in einer Demokratie herrsche nun einmal Religionsfreiheit. „Das ist keine Minderwürdigung einer Religion. Als Bürgermeister habe ich alle Gläubigen gleich gerecht zu behandeln“, so Iacob.

Kruzifix hängt wieder

Daneben werde in einer gesonderten Abteilung des Museums an die Geschichte des Benediktinerklosters erinnert. Am Montagabend in der Bürgerversammlung ruderte Iacob dann jedoch zurück. Unter dem Applaus der Anwesenden forderte unter anderem Evelyn Vesenmayer, dass Kreuz wieder aufzuhängen. Dieses sei ein wichtiges Symbol für das Christentum in Bayern. „Ich hoffe, dass es hier nicht so weit kommt wie in Baden-Württemberg, wo die Schüler noch nicht mal mehr `Grüß Gott` sagen dürfen“, sagte sie. Iacob wies zwar erneut darauf hin, dass „wir in einer pluralistischen Gesellschaft“ leben. Dennoch kündigte er an, dass Kruzifix noch am Dienstag wieder aufhängen zu lassen. „Das Kreuz hängt morgen wieder da!“

kk/mm

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