Hubert Aiwanger plädiert bei der Hegeschau in Schwangau für einen "vernünftigen Umgang"

Balsam für die Jägerseele

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Kritik an den „Fitness-Süchtigen“ übt der Vorsitzende der Kreisgruppe Füssen im Landesjagdverband Bayern, Hermann Koch (links).

Schwangau – Den größten Beifall bei der Eröffnung der 54. Hegeschau im Schlossbrauhaus erhielt ein Gast aus Niederbayern. Kein Wunder, lieferte Hubert Aiwanger doch mit seiner Rede „Balsam für die geplagte Jägerseele“, wie der Vorsitzende der Füssener Kreisgruppe, Hermann Koch, hinterher erklärte.

Wie Koch stimmten dem Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler im bayerischen Landtag wohl auch die meisten der rund 150 Zuhörer im Saal zu, als dieser betonte: „Wir Jäger sind die wahren Naturschützer.“ 

Während Aiwanger ein richtiggehendes Plädoyer für sich und seine von ihm als „Wildtiermanager“ bezeichneten Jägerkollegen hielt, unterstrich er auch, dass sich die Jägerschaft in der jüngsten Vergangenheit „immer mehr hinterfragen lassen“ müsse. Als Gegner einer „übertriebenen Romantik“, die sich derzeit in Bayern allerorten breitmache, juble er nicht gerade darüber, dass sich Raubwildarten wie Wolf, Luchs, Fischotter und Biber wieder verstärkt im Freistaat ansiedeln. Schließlich würden die Jäger „auch danach bemessen, wie wir mit diesen wilden Tieren umgehen.“ 

Und deshalb sei er „für einen wildbiologisch vernünftigen Umgang“, in dessen Rahmen es nicht nötig sei, „in stockdunkler Nacht“ zu jagen, so Aiwanger. Womit er sich dafür aussprach, Nachtzielgeräte „nur in begründeten Einzelfällen“ einzusetzen. Ebenso appellierte Aiwanger für eine „vernünftige Zusammenarbeit mit den Landwirten“, weswegen er ein „Befürworter des an Grundbesitz gebundenen Jagdrechts“ sei, das er gleichzeitig als „gut“ bezeichnete. 

Kritik an der Waldpolitik 

„Wie viel Natur wollen wir uns leisten?“, fragte anschließend die Wildbiologin Dr. Christine Miller, die in ihrem Referat ausführlich die Lage des Gamswildes in Bayern schilderte und dabei vor allem den Forstbehörden ein schlechtes Zeugnis ausstellte. Demzufolge prangerte sie die seit einigen Jahren von der Politik angewandte Losung „Wald vor Wild“ an, die dazu führen werde, dass der Gamsbestand „in den nächsten Jahren zusammenbrechen“ werde, wenn man so fortfahre wie bisher. 

In diesem Zusammenhang sprach sich Miller zudem gegen die zurzeit praktizierte Schutzwaldsanierung aus, die „Millionen Steuergelder“ koste, ohne „den vorgegebenen Erfolg erbringen zu können“. Schließlich sagte sie: „Wir brauchen ein modernes, integratives Gamswildmonitoring in Bayern und eine ökologisch orientierte Jagd.“ 

Schützen und nützen 

Demgegenüber wandte sich Forstdirektor Gerhard Limmer an die anwesende Jägerschaft mit den Worten, „im Interesse des Waldes“ nach dem Motto zu handeln: „Schützen und nützen.“ Kritik an der Zivilgesellschaft übte dagegen der Füssener Kreisgruppenchef Koch, indem er dieser vorwarf, die „Freiheit unserer Wildtiere immer häufiger“ einzuschränken. Im Zuge dessen ermahnte er alle „Fitness-Süchtigen und Frischluft-Freaks“, wie etwa Tourenskigängern, Schneeschuhwanderern und Tiefschneefahrern, zu „maßvoller Selbstkontrolle“. 

Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke war sich schließlich mit Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) darin einig, dass die Jagd einen wichtigen Bestandteil des aktiven Naturschutzes darstelle und die Jäger Naturschützer seien. Das dürften diese gerne gehört haben, bevor sich ein Großteil der Besucher die 908 ausgestellten Trophäen anschauten.

lex

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