Markus Ferber spricht in Nesselwang

Viel Lob für das Ehrenamt

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Markus Ferber (links) beim Eintrag ins Goldene Buch der Marktgemeinde. Bürgermeister Franz Erhart freut sich sichtlich.

Nesselwang – „Wenn‘s alte Jahr erfolgreich war, dann freue dich aufs neue. Und war es schlecht, ja dann erst recht.“ Mit diesem Zitat von Albert Einstein begrüßte Bürgermeister Franz Erhart auf dem Neujahrsempfang im Pfarrheim Sankt Andreas zahlreiche Ehrengäste.

Als Gastredner war der CSU-Europabgeordnete Markus Ferber gekommen. „Das Jahr 2016 bringt uns wieder zu kommunalpolitischen Überlegungen: Was bringt es für den Ort. Dabei wollen wir Traditionen bewahren und unsere Heimat gestalten“, so Erhart. Die Grundversorgung im Ort sei auf dem neuesten Stand der Technik und werde in diesem Jahr fertiggestellt. Nesselwang sei auch als Wohnort beliebt. Viele entschieden sich aufgrund der hervorragenden Infrastruktur hierfür. Er dankte außerdem den Ehrenamtlich der Bürgerwerkstatt Asyl für ihr Engagement für die Flüchtlinge. „Ich wünsche mir, das es so weitergeht“, so der Rathauschef zum guten und freundschaftlichen Umgangston zwischen der kirchlichen und politischen Gemeinde.

„Ohne das ehrenamtliche Engagement vieler wären wir eine ärmere Gesellschaft“, lobte Markus Ferber den Einsatz ehrenamtlicher Helfer in allen Bereichen. „Die Sicherheit in Europa ist eines unserer vorrangigen Themen“, so der Europaparlamentarier. Er sprach die beiden Terror-Anschläge von Paris sowie die Terrorwarnungen von Silvester in München und die sexuellen Übergriffe auf Frauen in Köln, Hamburg und einigen anderen deutschen Städten an.

Den Abbau von Grenzkontrollen in Europa bezeichnete er als großen Fortschritt. Das Grenzen wieder etwas Trennendes bekommen, mache ihm Sorgen. „Es hat Deutschland immer ausgezeichnet, das wir Mitten in Europa in Sicherheit leben können.“ Den derzeitigen Zustrom von Flüchtlingen sehe er nicht als Krise, sondern als Herausforderung. „Europa ist eine Solidargemeinschaft. Auch wenn es in anderen Ländern Europas vielleicht etwas anders buchstabiert wird“, so Ferber zu der Errichtung von Grenzzäunen und der ablehnenden Haltung mehrerer osteuropäischer EU-Staaten.

Nach seinem Besuch von Flüchtlingslagern in der Türkei und Libanon stelle sich ihm die Frage, wie dort vor Ort geholfen werden kann. Den Flüchtlingen müsse aber auch dahingehend geholfen werden, dass diese in ihre Heimat zurückkehren könnten. Dies sei Aufgabe der Gemeinschaft. Deutschland könne diese Aufgabe nicht allein bewältigen. „Unser Herz ist groß, aber unsere Möglichkeiten sind beschränkt“, zitierte er Bundespräsident Joachim Gauck. Die Sicherheitsarchitektur auf dem Globus stehe vor großen Veränderungen. „Syrien war vor einigen Monaten noch weit weg, Saudi-Arabien war weit weg. Und plötzlich ist es ganz nah“, so der Politiker.

Aber auch vor der eigenen Haustür gebe es Probleme zu bewältigen. So müsse angesichts des Importverbots von landwirtschaftlichen Produkten in Russland auch der regionalen Landwirtschaft geholfen werden. Oder auch dem heimischen Sparer, der nicht für den Bankrott einer Bank in Finnland geradestehen dürfe. „Nichts gesagt, ist gelobt genug, so ein Allgäuer Sprichwort. Also sag ich jetzt nichts mehr“, so Bernd Leumann, Erster Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Nesselwang-Pfronten.

Er lobte Nesselwang als lebendigen Ort, in dem viele bereit seien sich zu engagieren. Und auch der Zusammenschluss der beiden bis vergangenes Jahr eigenständigen Pfarreien habe problemlos funktioniert. Bisher sei die Zusammenarbeit konstruktiv verlaufen und sie werde auch noch länger Zeit in Anspruch nehmen.

Lob vom Weihbischof 

Bei seiner Visitation kurz vor Weihnachten habe sich Weihbischof Florian Wörner sehr positiv über das Zusammenleben in den beiden Gemeinden geäußert. Eine weitere große Aufgabe sei die Renovierung der Wallfahrtskirche Maria Trost. Die Arbeiten werden voraussichtlich 2017 beginnen, die vorbereitende Bestandsaufnahme wird in diesem Jahr vorgenommen. „Es ist auch meine Aufgabe als Pfarrer, den Blick zu lenken. Über Nesselwang, Pfronten, Wertach und Europa hinaus. Auf Gott. Ansonsten verlieren wir die wichtigste Orientierung in unserem Leben“, so Leumann.

 Sein evangelischer Amtskollege Andreas Waßmer lobte die Zusammenarbeit der Kirchengemeinden. Seine Gedanken zum neuen Jahr bewegten sich um die Werte, die uns tragen. Aber auch um die Probleme, die es zu bewältigen gilt. „Als kleiner evangelischer Landpfarrer im Allgäu bewegt es mich und ich möchte es Herrn Ferber mitgeben: Vielleicht ging es zu schnell mit der Erweiterung in Europa? Wir müssen die Diskussion darüber jetzt nachholen“, so Waßmer.

Die evangelische Kirche in Pfronten habe zwei Syrern Kirchenasyl gewährt. „Das hat Ressourcen gebunden und war ein große Aufgabe für uns, die uns gefordert hat. Personell und finanziell“, so Waßmer. Das Leitbild von Nesselwang, das von christlichen Werten geprägt ist, muss sich immer wieder vor Augen gehalten werden, mahnte er an. Die Bereitschaft zu verzichten sei auch ein christlicher Wert. Ebenso wie die Verantwortlichkeit für das eigene Tun.

Herbert Hoellisch

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