Vertragen sich Kiesabbau und 5-Sterne-Hotel?

Kiesabbau vorm Füssener Festspielhaus?

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Vor allem bei trockenem Wetter sorgt der Kiesabbau im Forggensee für jede Menge Staub. In einigen Jahren soll das Sediment vor dem Festspielhaus abgebaut werden.

Füssen – Bereits seit 1954 wird während der Abstauphase des Gewässers im Forggensee Kies ausgehoben. Weil das Lockersediment vom Grund des Stausees, das zum Herstellen von Beton benötigt wird, seit Jahren die Bauwirtschaft im Ostallgäu am Laufen hält , ist der Rohstoff in der Branche heiß begehrt.

Doch in der Nähe des so wichtigen und von den Bauunternehmen umkämpften Abbaugebieten soll künftig das geplante Fünf-Sterne-Hotel am Festspielhaus entstehen. Wie passt das zusammen? 

Diese Frage warf vergangene Woche in der Podiums-Diskussion im Soldatenheim (der Kreisbote berichtete) der Füssener Bauunternehmer Thomas Scheibel, Geschäftsführer der Josef Scheibel GmbH & Co. KG, auf. Die Scheibel ­GmbH gehört zu einer ARGE, bestehend aus der Wilhelm Geiger GmbH, der Goldhofer GmbH sowie der Heinz Herr GmbH, die seit Jahrzehnten den Kies im See abbauen darf. 

Im vergangenen Jahr hat sie mit der Hubert Schmid Bauunternehmen GmbH, der Xaver Schmid GmbH, der Brutscher GmbH und der Mazzolini GmbH Konkurrenz bekommen, die ebenfalls eine ARGE bilden. 

Landratsamt Ostallgäu und Wasserwirtschaftsamt Kempten beabsichtigen, beiden ARGEN künftig Abbaurechte einzuräumen. Wegen Verzögerungen des Genehmigungs-Verfahrens kam heuer keine der beiden Zusammenschlüsse zum Zug. Doch schon im Winter soll das Sediment wieder im Forggensee abgebaut werden.

 „Der Kies ist der Motor für die komplette Bauwirtschaft“, sagte Scheibel im „Haus der Gebirgsjäger“ und der See die Hauptentnahmequelle für die heimischen Betriebe. Er befürchte, dass mittelfristig der Abbau des Rohstoffs durch das Hotel unterbunden werden könnte – mit enormen Auswirkungen auf die heimische Bauwirtschaft und den Wohnungsbau. „Wie verträgt sich ein Fünf-Sterne-Hotel mit dem Kiesabbau im See?“, fragte er deshalb. 

Genug Abstand

Festspielhaus-Eigentümer Manfred Rietzler befürchtet durch den Abbau jedoch keine Probleme für sein geplantes Luxus-Ressort, wie er Scheibel entgegnete. „Wir sehen durch den Kiesabbau keine Belastung für das Hotel“, sagte er. „Der Abstand ist groß genug.“ 

Das stimmt zwar tatsächlich, ist dennoch aber nur die halbe Wahrheit. Momentan wird der Kies etwa 1,5 Kilometer weiter nordöstlich des FSH im sogenannten Vorranggebiet KS 109 aus dem Boden geholt – allerdings nicht mehr lange. Laut Regionalplan soll das Sediment künftig in einem derzeit „Vorbehaltsgebiet KS 2013“ genannten Areal abgebaut werden – und das liegt vor dem Festspielhauses. „Dieser Bereich liegt südlich des jetzigen Abbaugebietes auf Höhe der aufgeschütteten Fläche des Festspielhauses“, erklärte Thomas Brandl, Sprecher des Landratsamtes auf Nachfrage des Kreisbote. 

Deutlicher wurde Thomas Scheibel: das künftige Kiesabbaugebiet „berührt den etwaigen Hotel-Neubau schon fast“, sagte er vergangene Woche im Soldatenheim. Allerdings soll im jetzigen Abbaugebiet noch in den kommenden zehn Jahren Kies aus dem Boden geholt werden, so Landratsamt-Sprecher Brandl weiter. „Bis ein Kiesabbau im Vorbehaltsgebiet KS 213 aktuell wird, dauert es also noch.“ 

Dennoch: Bleibt es bei der derzeitigen Ausweisung des Vorbehaltsgebiets, werden mögliche künftige Hotel-Gäste, die eine Suite mit Blick auf Schloss Neuschwanstein gebucht haben, in einigen Jahren unter Umständen während des Abbaus auf eine riesige Baustelle blicken. Und das wird wohl die Mehrheit der Gäste betreffen. Denn laut Architekt Tom Krause sollen etwa 62 Prozent der künftigen Hotel-Gäste in den Genuss des Schlossblicks kommen.

Matthias Matz

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