Polizei stellt bei Durchsuchung hunderte Kunstwerke sicher

Kunstskandal am Festspielhaus?

+
Bei einer Durchsuchung des Festspielhauses Füssen im Winter 2016 hat die Polizei hunderte Kunstwerke sichergestellt. Das und die Herausgabe Anfang Mai sorgt jetzt für Ärger bei Künstlern und Treuhänder Hartmut Oldenburg, der nach eigenen Angaben das Depot seit 2012 gemietet hat.

Füssen – Das Festspielhaus beschäftigt weiter die Justiz.

Im Zuge der Ermittlungen wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung gegen einen ehemaligen Geschäftsführer des Festspielhauses durchsuchte die Polizei kurz vor Weihnachten 2016 das Veranstaltungshaus. Dabei entdeckten sie unter dem Energiehaus einen rund 20 Quadratmeter großen Raum voller Kunstwerke – das Kunstdepot des Treuhänders Hartmut Oldenburg. Seitdem sind die Kunstwerke sichergestellt. 

Auf Schreiben der Künstler und des Treuhänders reagiere die Staatsanwaltschaft Augsburg nicht, erhebt er schwere Vorwürfe. „Das ist für mich ein Skandal. Wir wollen eigentlich nur unser Eigentum zurück“, sagt der Treuhänder. 

Kurz vor Weihnachten war es soweit: Die Polizei rückte an und durchsuchte die Räume des Veranstaltungshauses am Forggensee. Dabei entdeckte sie in einem Lager unter dem Energiehaus hinter einer massiven Sicherheitstür ein Kunstdepot. Darin 500 bis 600 Kunstwerke, darunter Originalgemälde des Künstler Jürgen Vogdt, Prof. Schwichtenberg, der „artisgroup L&L“, Verena Lüthje und Silke Lohse, sowie anderer Künstler, sagt Oldenburg. Diese Kunstwerke wurden daraufhin sichergestellt. 

Oldenburg selbst erfuhr erst rund drei Wochen später von den Vorfall, wie er gegenüber dem Kreisbote erklärt. „Sie hätten das versiegeln und mich anrufen müssen. Das haben sie nicht getan“, so der Treuhänder. Um zu seinem Depot zu gelangen, mussten die Beamten erst mehrere Türen öffnen. „Die hätten eigentlich gar nicht in die Räumlichkeiten gedurft.“

 Er selbst wandte sich daraufhin an die Kripo Kempten. Dort habe man ihm erklärt, dass er die Kunstwerke bis Mitte Februar zurückbekomme. Doch noch immer wartet er auf die Rückgabe. Mit der Insolvenz des Hauses hätten er und seine Künstler „überhaupt nichts zu tun“, wundert er sich. 

Nur das „nackte Haus“ sei von der Insolvenz betroffen. „Alle beweglichen Sachen, jeder Schraubenzieher, gehört nicht zur Insolvenzmasse.“ Zudem habe er das Depot vom ehemaligen Geschäftsführer seit 2012 gemietet. Der Sinn dahinter: Oldenburg wollte gleich mit Ausstellungen beginnen können, falls seine Klienten den Zuschlag beim Verkauf des Festspielhauses bekommen sollten (der Kreisbote berichtete mehrfach). 

Das Ganze war ein „Gentlemen´s Agreement“, so Oldenburg. Sprich: Die Sache wurde per Handschlag besiegelt. Ein Mietvertrag liegt deshalb nicht vor. Mit diesem wären auf den Treuhänder hohe Versicherungssummen zugekommen, wie er selbst erklärt. Stattdessen habe er „das Kunstdepot als Sicherheits- und Geheimdepot geführt“. 

Fehlende Nachweise?

Doch das ist jetzt offenbar ein Problem. In einem Schreiben der Staatsanwaltschaft Augsburg an Oldenburg, das unserer Zeitung vorliegt, spricht diese von „fehlendem Eigentumsnachweis.“ Deshalb sollen die „aufgefundenen Gemälde gemäß der Richtlinien für das Strafverfahren und des Bußgeldverfahren an den letzten Gewahrsamsinhaber herausgegeben werden.“ Und das sei laut Schreiben der neue Eigentümer des Festspielhauses, die Ludwigs Grundbesitz GmbH&Co. KG. 

Auf Nachfrage des Kreisbote erklärte ein Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg, dass die Bilder Anfang Mai an den „letzten Gewahrsamsinhaber“ zurückgegeben wurden. Dessen Name könne er aber nicht nennen. „Wir haben es dem zurückgegeben, bei dem wir es sichergestellt haben.“ 

Nur Zufallsfunde?

Für das Festspielhaus gab es einen Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschluss im Tatvorwurf der Insolvenzverschleppung. Und dieser könne auch gegen Dritte erhoben werden. Bei der Durchsuchung seien die Bilder als „Zufallsfunde“ entdeckt worden, so der Sprecher weiter. Das Depot sei nicht wegen der Bilder aufgebrochen worden. 

Außerdem habe der Verdacht bestanden, dass die Kunstwerke im Zusammenhang mit der Insolvenz stehen könnten. „Ob Wertgegenstände mit einer Insolvenz zu tun haben, haben wir natürlich zu prüfen“, so der Sprecher. Aber: „Dieser Verdacht hat sich unterm Strich nicht bestätigt.“ 

Die Rückgabe an die Ludwigs Grundbesitz GmbH&Co. KG könne er nicht verstehen, schimpft dagegen Oldenburg. „Der Gewahrsamsinhaber bin nur ich. Ich war berechtigter Nutzer, Mieter und Gewahrsamsinhaber. Alles, was da drin war, ist mein bzw. das Eigentum meiner Künstler. Es kann nicht sein, dass Wertgegenstände an Leute zurückgegeben werden, die nicht Eigentümer sind!“. 

"Sind von den Socken"

Jetzt will er sich wehren: „Ich lass mir das für meine Künstler nicht gefallen. Was die Staatsanwaltschaft mit dem Eigentum Dritter macht, geht gar nicht. Meine Künstler sind von den Socken.“ Denn „da sind Nachweise da“, sagt der Treuhänder. Er und seine Künstler hätten die Kunstwerke fotografiert, nummeriert und dokumentiert. Der Kripo Kempten liegen seinen Angaben zufolge aussagefähige DVDs und CDs vor, die das beweisen würden. 

Das bestätigte Jürgen Vogdt in einem Schreiben an Oldenburg. Alle Werke von ihm im Depot seien das „gemeinsame Eigentum“ von Vogdt und Oldenburg. „Wir lagern lediglich im Rahmen Ihrer Tätigkeit als Treuhänder unser Konvolut an Gemälden, Zeichnungen, Aquarellen und Collagen im ,Energiehaus‘ des Festspielhauses Füssen.“ 

Keine Beschwerde?

Ähnlich äußerte sich auch Verena Lüthje in einer E-Mail an die Staatsanwaltschaft Augsburg. „Diese Kunstwerke sind von unserem Treuhänder Herrn Hartmut-W. Oldenburg als berechtigter Nutzer und Mieter des genannten Lagerraumes dort aufbewahrt worden.“ Nachdem der Treuhänder seine Mieteigentumsrechte wieder zurückgegeben habe, „sind wir, Verena Lüthje und Silke Lohse, sowieso Urheber, jetzt auch wieder die einzigen, alleinigen Eigentümer unserer von uns gefertigten Kunstwerke bzw. Kunstwerke dritter Künstler, die aus meinem (Lüthje) Privateigentum stammen, und niemand anderer. Diese Originalgemälde wurden bisher weder veräußert noch mit Rechten Dritter versehen. Wir fordern die sofortige Freigabe und Herausgabe unseres Eigentums.“ 

Die Staatsanwaltschaft bestätigte zwar auf Nachfrage, dass es in der Sache Schreiben an die Behörde gegeben habe. Aber keiner habe eine formelle Beschwerde gegen die Sicherstellung eingelegt, die eine „strafrechtliche Relevanz“ gehabt hätte.

Im Festspielhaus Füssen möchte man sich dagegen nicht zu der Sache äußern, wie es von Seiten einer Mitarbeiterin heißt. Dafür sei die Sache noch zu unklar. Erst müssten die Eigentumsverhältnisse der Kunstwerke geklärt werden. Derweil überlegen sich die Künstler, wie sie weiter vorgehen. So wollen sie sich zunächst ans Justizministerium in München wenden, kündigte Oldenburg an.

Katharina Knoll

Auch interessant

Meistgelesen

Video
So finden Sie das richtige Parkett für Ihr Zuhause
So finden Sie das richtige Parkett für Ihr Zuhause
"Ein unzumutbarer Zustand"
"Ein unzumutbarer Zustand"
"Lotterie für die Stadt Füssen"
"Lotterie für die Stadt Füssen"
Ab jetzt wird geblitzt
Ab jetzt wird geblitzt

Kommentare