"Kuhale" muss ohne Abschiedsfest aus den Kunsthallen am Lech ausziehen

Abschlussball wird verhindert

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Peter Jente hat zum 30. September sein Atelier verloren, der Füssener Kulturverein Kuhale seinen Sitz.

Füssen – Sang- und klanglos ist der Mieter der „Kunsthallen am Lech” jetzt ausgezogen. Der Künstler Peter Jente wollte den vorzeitigen Abschied des Vereins „Kuhale” von den „Kunsthallen am Lech mit einem „Abschlussball“ feiern. Doch dies wurde ihm bei Androhung einer Geldstrafe untersagt. 

2014 wurde der Kulturverein gegründet, an dessen Spitze Michael Schweiger steht. Mittlerweile ist er auf über 220 Mitglieder angewachsen. Der Verein konnte als neuer Mieter der „Kunsthallen am Lech" angesichts der Fixkosten und Auflagen nur wenige Monate durchhalten. Damit sind die Kunsthallen am Lech seit Ende September Geschichte.Mit dem Verein geht es allerdings kreativ weiter. „Wir sind heimatlos geworden und machen uns Gedanken, wohin wir künftig zu unseren Vernissagen, Konzerten, Kleinkunstabenden und Lesungen einladen können“, beschreibt Vorstandsmitglied Maria-Theresia Marweg. Zunächst muss der Verein aber einen dicken Schlussstrich hinter das mit Enttäuschung verbundene Ende der Künstler-Residenz im Magnuspark ziehen. Im Einvernehmen mit dem Vermieter hatte der Verein vereinbart nicht erst Ende 2015 sondern bereits drei Monate vorher auszuziehen. Das sollte jetzt mit einem „Abschlussball” gefeiert werden. Diese Kulturveranstaltung war unter dem Leitsatz „Der Letzte macht das Licht aus“ öffentlich angekündigt worden. 

Peter Jente rechnete mit Besuchern, die sich seine Gemälde noch einmal dort anschauen wollten, wohin er 2006 gezogen war. Zuvor hatte er sein Atelier in der Reichenstraße. Aus dieser Begegnung mit der Kunst ist aber nichts geworden. Unter Androhung einer 5000-Euro-Geldbuße wurde die Veranstaltung bei Zuwiderhandlung untersagt. Das amtliche Schreiben vom 22. September an Jentes Anschrift in Tirol – unterzeichnet von Markus Gmeiner von der zuständigen Stelle der Stadt – habe er erst am Tag der geplanten Veranstaltung zu Gesicht bekommen, als ihn der Füssener Polizeichef Edmund Martin am frühen Abend in den Kunsthallen aufsuchte, erklärt Jente. Dieses längere Gespräch lief aber sachlich ab, wie Martin und Jente später bestätigten. 

Keine Genehmigung 

Die Tür zum Magnuspark war da schon mit einer Kette verschlossen, ebenfalls die Zufahrt für Pkw. Die Wachposten öffneten auf Bitten. Am Tag danach unterstrich Martin auf Nachfrage des Kreisboten, „dass es an diesem Abend zu keinen Zwischenfällen gekommen ist“. Etwa 20 Mitglieder, so Martin weiter, hielten in den Kunsthallen eine Vereinssitzung aus aktuellem Anlass ab. Der private Vermieter und das Ordnungsamt wiesen darauf hin, dass es für diesen Abschlussball mit DJ – ihrer Ansicht nach also eine Veranstaltung mit Partycharakter – im Gegensatz zu anderen Kulturvereinsveranstaltungen keine Genehmigung geben konnte. Was Jente so kommentierte: „Ein Plakat hing sogar im Schaukasten am Eingang zum Klosterhof an der Lechhalde, wo das Kulturamt über seine Programmangebote informiert. Eingeladen in den Kunsthallen wurde zu einem Kunstevent mit Musik.“ 

„Unerkanntes Kulturgut“ 

Er wies außerdem auf die Verleihung des Denkmalpreises des Landkreises Ostallgäu 2008 hin, als den Künstlern anerkennend bescheinigt wurde: „Die Hanfwerke sind ein Industriedenkmal ersten Ranges, wie der Landkreis kein zweites in seinen Reihen hat”, so die Laudatio. „Die Künstler um Herrn Peter Jente haben mit Phantasie, Kreativität und Sensibilität Leben in die leere Produktionsstätte des Lechbaus gebracht und ohne viel Geld ein leider noch unerkanntes Kulturgut einer verträglichen Nutzung zugeführt.“ Der „erfrischend kreative Beitrag“, wie es in der Laudatio weiter heißt, und der neue Magnuspark sind trotz des Rettungsversuchs durch den jungen Kulturverein auf Konfron-tationskurs geblieben. Der Vermieter war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. cf

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