Stadt muss bei Kulturveranstaltungen häufig unter die Arme greifen

"Ein Zuschussbetrieb"

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Selbst die Ausstellung „Gut gebrüllt“ kostete die Stadt Füssen viel Geld.

Füssen – Kultur ist ein Draufzahlgeschäft: Das wurde erneut beim Rückblick auf das vergangenen Kulturjahr deutlich. Das Kulturamt hat 2016 zwar weniger ausgegeben und mehr eingenommen als ursprünglich veranschlagt. Trotzdem liegen die Ausgaben deutlich über den Einnahmen.

„Das Budget wird auf jeden Fall eingehalten, aber mit einer Verbesserung im Vergleich zum Ansatz“, erklärte Kulturamtsleiterin Karina Hager. Der sah bei den Einnahmen 23.000 Euro vor, tatsächlich lagen sie aber bei 26.100 Euro. Ähnlich schaut es auch bei den Ausgaben aus: Hier stehen sich 117.200 Euro im Ansatz tatsächlich ausgegebenen 114.400 Euro gegenüber. 

Aber: Da werde noch etwas hinzukommen, erklärte Hager. Die großen Kulturprojekte seien heuer aber schon abgeschlossen, so die Kulturamtsleiterin. Dazu gehöre das Theaterprojekt mit dem Landestheater Schwaben. 

Für Schüler weiterführender Schulen wurde dabei im März Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der Alten Dame“ gezeigt. Zudem bekamen Kindergartenkinder, Grund- und Förderschüler ein Kindermärchen zu sehen. „Ich denke, das ist eine ganz wichtige Einrichtung“, meinte die Kulturamtsleiterin.

Da es in Füssen an Theatervorstellungen mangle, ginge es den Lehrern mittlerweile schon darum ihren Schülern die Kulturtechnik des Theaters näher zu bringen. „Die weiterführenden Schulen sind sehr dankbar“ für das Angebot, so Hager. 

Dafür hat die Stadt rund 10.700 Euro ausgegeben und rund 6400 Euro eingenommen, informierte die Kulturamtsleiterin. Macht ein Minus von 4282 Euro. Ein „großer Erfolg“ waren laut Hager auch die Kaisersaalkonzerte. Diese seien durchwegs gut besucht gewesen. 

Die hohe Qualität der Konzerte hätten große Anerkennung bei Publikum und der Presse geerntet. Regionale und überregionale Medien hätten auch ausführlich über das Kammermusikfestival „vielsaitig“ berichtet, das heuer unter dem Motto „Zwischenräume“ stand, sagte Hager. 

Ein besonderer Gast war dabei der Cellist Alban Gerhardt. Die Finanzierung eines solche Festivals „funktioniert nur mit Partnern“, erklärte Hager. Und obwohl beim Festival mehr eingenommen wurde (43.800 Euro statt 41.500 Euro) und weniger ausgegeben wurde (63.700 Euro statt 65.000 Euro) muss die Stadt zuschießen. Sie muss ein Minus von 19.370 Euro anstatt der anvisierten 23.500 Euro ausgleichen. 

Lob von Dr. Böhm 

Und auch bei der Wanderausstellung „Gut gebrüllt“ muss die Stadt zuschießen. Die Einnahmen der zahlenden Besucher reichten noch nicht einmal für die Bezahlung der zusätzlichen Aufsicht aus, die die Stadt für die Ausstellung einstellen musste, erklärte Museumsleiter Dr. Anton Englert.

 Daneben musste das Museum nach Vorgaben der Bayerischen Schlösserverwaltung die Ausstellung noch „tüchtig bewerben“ und die Beleuchtung verbessern, was aber sowieso anstand, so der Museumsleiter. „Das ist ein Zuschussbetrieb so eine tolle große Ausstellung zu erhalten“, sagte Englert. 

Die genaue Statistik soll in der Frühjahrssitzung des Kulturausschusses nachgereicht werden, sagte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Ein Lob richtete anschließend Stadtrat Dr. Christoph Böhm (CSU) an den Rathauschef. Nur durch seinen „diplomatischen Brief“ hatte die Stadtverwaltung die Ausstellung kostenlos nach Füssen holen können. 

Sein Fazit: Selbst wenn die Lechstadt etwas für umsonst erhalte, müsse sie draufzahlen. Gleichzeitig appellierte er aber auch mehr Rücksicht auf die Baukultur in der Altstadt zu nehmen. „Ich tue, was ich kann“, meinte daraufhin der Rathauschef.

kk

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