Kunst ohne Ende erleben

„Traditionell – grenzwertig“ hieß das Leitmotiv der 2. Kulturexpedition Ostallgäu 2009. Den Schlusspunkt dieser vom 18. bis 20. September dauernden Expedition bildete die Verleihung des Jugendkulturpreises.

In die Kunsthallen am Lech hatten die Verantwortlichen der Kulturexpedition Ostallgäu 2009 geladen und viele kamen. Allen voran natürlich die Preisträger und ihre Begleitung, aber auch einige Kunstschaffende und Kunstinteressierte sowie die hochkarätige Jury. Landrat Johann Fleschhut betonte in seiner Laudatio wie wichtig es ist „sich der Jugend anzunehmen. Sie aber auch machen zu lassen“. Mit der Ausschreibung eines Jugendkulturpreises will man den Jugendlichen eine Plattform bieten, zu zeigen was „im Verborgenen“ blüht. Man will die Eigeninitiative der jungen Menschen wecken, die dabei feststellen können „ich kann was“. Dass sie es schon recht gut kann, bewies die 15-jährige Sophia-Maria Allgaier aus Füssen mit ihren beiden ausgezeichneten Arbeiten, dem Bild „Auch arabische Frauen haben bunte Unterwäsche...“ sowie eine Collage im Geigenkoffer „Traditionelle Werte – an den Grenzen von Eingemachtem“. Da sie zur Zeit im Ausland weilt, konnte ihre Mutter die mit 700 Euro dotierte Auszeichnung entgegennehmen. In der Videobotschaft der jungen Preisträgerin antwortete sie auf die Frage:Wie lange hast du für deine Arbeiten gebraucht? ganz spontan: „Eine Woche. Wenn ich erst mal angefangen habe, läuft es von alleine“. Des Weiteren wurden aus den 70 eingereichten Arbeiten noch fünf Sonderpreise (je 200 Euro) vergeben an: Julia Semmelbauer aus Marktoberdorf für „Menschliche Delikatessen“ (Fotografie), an Julia Martin aus Stötten für „Kulturgut Musik – Jedem das Seine I + II“ (Misch- technik), an Sebastian Mayrhofer aus Aitrang für seinen „Snowboarder“ (Skulptur), an die Klasse 13 des Gymnasiums Marktoberdorf für „Gebt den Opfern ein Gesicht“ (Radierungen) und an Biyik Gizem und Berner Shirin aus Marktoberdorf für ihr „Amphibienfahrzeug“ (Objekt). Alle Preisträger erhielten als Anerkennung ihrer Arbeit auch eine von Siegrid Wiedemann gestaltete kleine Skulptur. Auftritt mit Tiefgang Verblüfft hat der Auftritt der Gewinnerin des Poetry Slams in Lindenberg (eine Aktion des Expeditionsmobils im Vorfeld) Franziska Holzheimer aus München. Ihre beiden Beiträge „Was es braucht“ (um glücklich zu sein) und „Verlorene Worte“ trug sie mit atemberaubender Geschwindigkeit und Wortfülle vor, die wie ein gewichtiges Paket voll geballter Lebensweisheiten die Gäste erreichten. Noch bis Sonntag, 4. Oktober sind alle eingereichten Werke täglich von 16 bis 19 Uhr in den Kunsthallen am Lech zu sehen. Darüberhinaus haben die jungen Künstler die Chance, sich im kommenden Jahr im Rahmen einer gemeinsamen Ausstellung mit weiteren Werken zu präsentieren. Kulturexpediton 2009 Die 2. Kulturexpedition ist vorbei. Rund 1000 Mitwirkende, 100 Veranstaltungen im ganzen Ostallgäu und 10000 Besucher sind die Bilanz. Gestartet wurde vergangenen Freitag im „Basislager“ in Marktoberdorf. Die ganze Stadt wurde zu einem großen Festspielhaus. Der Samstag gehörte dann dem Osten: Herzerfrischende Geschichten auf dem Georgiberg von Thomas Bayer, wunderschöne Jazzloops auf dem Auerberg, ein betörendes Klangbad in Lechbruck, eine kurzweillige Kreuzfahrt auf dem Forggensee, ein rockender Marktplatz in Obergünzburg. Sonntag gab es dann digitale Kunst in Weicht, eine berührende Seelenkapelle oder auch ehrliche Liedermacher in Görwang. Landrat Johann Fleschhut war zu Recht „bis oben voll“ mit Eindrücken, begeistert von der unglaublichen Vielfalt seines „Kulturlandkreises“ und stolz auf die vielen ehrenamtlichen Kreativen und Künstler, die dieses besondere Wochenende möglich gemacht haben. Er versprach eine Fortsetzung.

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