Bewegende Bilder

Ein Kunstwerk ziert jetzt den Füssener Bahnhof

+
Mit Simon Toplak (3. v. r.) als Partner holt sich Künstler Robert Wilhelm (3.v.l.) viel Lob von Kulturamtsleiterin Carina Hager (links) und Füssens Bürgermeister Paul Iacob (2. v. l.) ab.

Füssen – „Wonderful“ kommentierte eine Reisegruppe das Kunstwerk, das jetzt in der Füssener Bahnhofshalle enthüllt wurde. Das haben die Künstler Robert Wilhelm und Simon Toplak geschaffen, um den Bahnhof individuell zu gestalten und die Gäste in der Region willkommen zu heißen. 

Farbige Bildeffekte an einer ehemals „nackten“ Wand reizten die britischen Touristen zu einer spontanen Aktion, die Hubert Wilhelm, Vater des Künstlers Robert Wilhelm, vorausgesehen hatte: Mit ihren Handys hielten sie das Bild „Schlosspark im Allgäu“ in Linsenrastertechnik mit seinen wechselnden Bewegungsabläufen von Motiven aus der Region fest, das in der hellen Halle fest installiert ist und jetzt enthüllt wurde.

Für die Stadt Füssen und ihre Bürger hat die Enthüllung des Werks der Künstler Robert Wilhelm und Simon Toplak mit seinen imposanten Maßen – Höhe 2,18 Meter, Breite 3,96 Meter – eine nachhaltige Bedeutung. In erster Linie geht es darum, dass das Bahnhofsgebäude, das die Firma Hubert Schmid aus Marktoberdorf erstellt hatte, „individualisiert worden ist“, sagte Bürgermeister Paul Iacob in seiner Ansprache. 

Zahlreiche Ehrengäste, die auch Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier begrüßte, waren gespannt, was an der Wand zum Vorschein kommen würde. Die bekanntesten Motive, die je nach Position des Betrachters erscheinen, sind: eine Geige, Ludwigs Festspielhaus, Schloss Neuschwanstein und das Portrait von König Ludwig II., Erbauer des weltweit bekannten Märchenschlosses. 

Über Architektur lässt sich trefflich streiten, ebenso über zeitgenössische Kunst. Unleugbar ist, dass der neue Füssener Bahnhof seine Funktionen erfüllt. Mittlerweile dient er Einheimischen auch als zentraler Treffpunkt. Unleugbar ist auch das Renommee des Künstlers Robert Wilhelm, der 1977 in Heidelberg geboren ist. In seiner Wahlheimat Allgäu zeigte Wilhelm zuletzt eine große Werkausstellung bei Endress und Hauser Wetzer in Nesselwang. Mit seinem Namen ist außerdem eine Aktion in Paris verbunden, wo Wilhelm eine große Mauer mit Hilfe von Spraydosen gestaltete. 

Andere Formsprache 

Der Graffiti-Künstler präsentiert sich im Füssener Bahnhof allerdings in einer anderen Formsprache. Als er mit drei namhaften Teilnehmern im engen Auswahlkreis des Gestaltungs-Wettbewerbs stand, erkannte Wilhelm: Die bekannten Motive aufzusprayen, „hätte an diesem Ort, ehrlich gesagt, wohl keinen interessiert!“ Also erarbeitete er ein Konzept, um die Aufgabe zu erfüllen, die Füssen Tourismus und Marketing (FTM) vorgegeben hatte. „Dazu holte ich mir den Füssener Fotografen Simon Toplak ins Boot“. Die künstlerische Leitung blieb bei Wilhelm. 

Toplak, der 1981 geboren ist, war für die eingesetzten Fotos, die Postproduktion und die technische Umsetzung des Bildes zuständig. Sie setzten eine Technik ein, die man seit 1909 kennt: Linsenrasterbilder. Sie kam früher bei Spielzeug zum Einsatz, bei „Wackelbildern“. Durch die Linsenrasterbilder bekommt der Betrachter den Eindruck, dass sich die Bilder bewegen. Möglich wird dies, indem der Fotograf mindestens zwei Bilder im Augenabstand aufnimmt. Verarbeitet er die Bilder speziell weiter, entsteht der Eindruck, dass die Bilder sich bewegen oder verändern. 

Dazu dienen hier Originale, die Wilhelm als Original-Zeichnungen und Toplak als Fotografien geschaffen haben. Dieses aufwändige klassische Verfahren, das Werbefachleute und auch Künstlerstars wie Andy Warhol einsetzen, erlebt, ergänzt durch digitale Technik, gerade eine Renaissance. Der „Märchenkönig“ Ludwig II., der für technische Innovation aufgeschlossen war, rückte dank Wilhelm und Toplak ins Zentrum der Gestaltungsidee, die einen Zweck erfüllt. 

Gelungene Einladung 

Als „Portalort im Erlebnisraum Schlosspark“ will Füssen mehr als nur die Geschichte von Ludwigs Leben erzählen. Dazu erläutert FTM-Direktor Fredlmeier: „In einem der größten Linsenrasterbilder Deutschlands ermöglichen Wilhelm und Toplak mit schaustellerhafter Leichtigkeit und Magie dem Betrachter einen interaktiven Perspektivenwechsel zwischen Realität und deren zeitgenössischer Überarbeitung im Graffiti-Stil.“ 

Dabei werde der Betrachter dazu aufgefordert, die Stadt Füssen und deren idyllische Umgebung – den Schlosspark Allgäu – nicht nur als historischen Schauplatz zu sehen. Eingeladen werde in einen „Erlebnisraum, in dem auch heute Geschichten, Realität und eigene Fiktion miteinander verschmelzen“. 

Dem Gast durch das moderne Schlosspark-Bild zu vermitteln, dass er im Königswinkel angekommen sei, könne als „gelungen“ bezeichnet werden, sagte Brigitte Schröder. Nicht allein die Unternehmenssprecherin der Baufirma Hubert Schmid, zeigte sich vom „Schlosspark im Allgäu“ begeistert. 

Schon Minuten nach seiner Enthüllung posierten Gäste für ein Erinnerungsfoto vor dem farbenfrohen Kunstwerk. Nähere Informationen dazu liefert eine Info-Tafel, auch in englischer Sprache.

Chris Friedrich

Auch interessant

Meistgelesen

Füssener Mammutprojekt nimmt Form an
Füssener Mammutprojekt nimmt Form an
Mobilfunk-Sendemast am Füssener Galgenbichl soll Ende Juli Betrieb aufnehmen
Mobilfunk-Sendemast am Füssener Galgenbichl soll Ende Juli Betrieb aufnehmen
Mutmaßlichen Handydiebstahl mittels Ortungs-App aufgeklärt
Mutmaßlichen Handydiebstahl mittels Ortungs-App aufgeklärt
Füssener Sporttage: "Boom Boom Pow" und "Häckstixx" sind nicht zu schlagen
Füssener Sporttage: "Boom Boom Pow" und "Häckstixx" sind nicht zu schlagen

Kommentare