Grandioser Starkbierabend in Pfronten

Im "Tal des Stillstandes"

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Wolfgang Goldstein (Mitte) glänzt als Don Corleone.

Pfronten – Ohne Übertreibung darf dem Starbieranstich der Pfrontener CSU mittlerweile eine lange Tradition attestiert werden. Zum 13. Mal hieß es am vergangenen Samstag im Pfarrheim von St. Nikolaus wieder „Oa’zapft ist“.

Nach zwei Schlägen saß der Wechsel fest im Fass und das engelsgleiche Starkbier floss. Darüber hinaus gab es Musik, Kabarett und Starkbierreden sowie göttlichen Beistand für die armen Menschen im Tal des Stillstandes. Für die, die in der ersten Reihe saßen, gab es die Bierdusche umsonst, als der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke doch relativ gekonnt mit zwei Schlägen den Wechsel in das Bierfass trieb. 

Derblecken mit der Pfrontener CSU

Der Doppelbock der Rettenberger Engelbräu war in den vergangenen 12 Wochen gereift. „Der beste Bock, den wir je hatten“, so Engelbräu-Chef Hermann Widenmayer. Gut, wenn man sich von ja zu Jahr steigern könne. Dabei kennen die Bayern das Bockbier erste seit knapp 650 Jahren. Schließlich hatten die Norddeutschen das flüssige Brot für die Fastenzeit erfunden, so Widenmayer.

Angesichts des Reformationsjahres zitierte er auch Martin Luther, der erkannt hatte, dass „wer kein Bier hat, hat nichts zu trinken“. Doch zurück ins Pfronten des Jahres 2017 im an sich katholischen Pfarrheim von St. Nikolaus, das am Samstagabend bis unter die Decke besetzt war. Man hätte, begrüßte Alois Kling, Vorsitzender der CSU Ortsgruppe die zahlreichen Gäste, in der vergangenen Woche noch einmal so viele Karten verkaufen können. 

Hatte alles 2005 im Dorfwirt begonnen, so mussten die Pfrontener Christsozialen mit ihrem Starkbieranstich angesichts der stetig wachsenden Anhängerschaft bald in größere Räume umziehen. Erstmals wurde das Bockbier dann 2009 im Pfarrheim angezapft. Seit jenem Jahr auch gehört Don Carmello Corleone zur festen Besetzung der Redner beim Starkbieranstich. Ebenso wie Pater Andrew (von Anfang an dabei) und Waltraud Mair, die mit ihren Allgäuer Eskapaden das Publikum immer wieder zum Lachen bringt. 

Nicht so kleinkariert 

So also begrüßte der abgesandte des Vatikans das versammelte (und hoffentlich katholische?!) Christenvolk im Pfarrheim und überbrachte die quasi göttlichen Grüße und Ratschläge seines Vorgesetzten aus Rom, Papa Francesco. Und verwies abermals darauf, dass, wer das Derblecken nicht vertrage oder missverstehe, doch nun besser den Saal verlassen sollte. Denn im Folgenden sollten sowohl er als auch Pater Andrew die Probleme im „Tal des Stillstandes“, Andrew sprach gar von Rückschritt, thematisieren und zur Sprache bringen.

Alora, so hatte sich der Gottesmann Gedanken gemacht über den Zustand der Gotteshäuser in Pfronten. Er sei der Erste, der sein Salär opfern wolle für die Sanierung der Kirchen. Die, wenn man sie nicht zum Objekt des Besuches mit Hilfe der Königscard machen kann, besser abreißen lasse oder, wie die Acht Seligkeiten in Füssen, umwidmen könnte für Starkbieranstiche – Verpflegung mittels fahrendem Händelgrill inklusive. Bezahlen könnte man das alles mittels „Krautfaunding“, weshalb der Don auch eine Dose Sauerkraut im Gepäck hatte. 

Wobei der Don allerdings nicht so kleinkariert daherkommt, wie das neue Faschingskostüm des Seniore Stephan Stracke vermuten lassen könnte. Er ging auch ernst ins Gericht mit dem Bundestagsabgeordneten. Schließlich würde dieser doch gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen, indem immer nur die Gäste und nicht die Teilnehmer des Anstichs die Gelegenheit bekämen, nach Berlin zu fahren. Zurück zu Don Corleone und der Königscard. 

Die scheine ein wahrer Dauerbrenner in Pfronten geworden zu sein, vor allem, weil Gäste mittlerweile an der Breitenbergbahn beim Vorzeigen der All-Inklusive-Karte eine Vergütung erhielten – immerhin 30 Cent Nachlass auf das normale Ticket. 

Wird es besser?

Ideen für einen Schlosspark, der den Namen verdiene, hatte der Don ebenfalls.

Ansonsten, nun, es gibt das Schneewittchen und ihre sieben Vorgänger im Rathaus und eine echte Königin, Kathi die Zweite, Gebieterin über die Bergwiesen und das Heu. Weshalb Don Corleone auf den Begriff „Tal des Stillstandes“ kommt, lässt sich auch rasch klären: „Noi – mir verkoffet nix – des braucht ma seal“, heiße die Antwort, wenn jemand versuche, neue Flächen auszuweisen. 

Immerhin greife das Programm 60 Plus inklusive Linienbus zum Friedhof. Nun müsse man aber allmählich auch eine andere Klientel bedienen, die 16+-Jährigen, war sich Don Carmello sicher; schließlich seien das die künftigen Wähler. Und würden sich all die Kritiker und Schildermaler einbringen, müsste man auch nicht mehr von Rückschritt sprechen. 

Schließlich profitiere man ja auch vom Stillstand, im konkreten Fall vom Nichtausbau der Strada zwischen Röfleuten und Weißbach. Wusste Don Corleone doch aus sicherer Quelle, dass diese Straße zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt werden solle. 

Immerhin sei dieses Straße durch ihre Einzigartigkeit auch weltbedeutend. Doch wie meinte Don Corleone am Schluss seiner Predigt? „Ich kann nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird“ Aber er war sich im Hinblick auf die Zustände in der 13-Dörfer-Gemeinde sicher: „Es muss anders werden, ehe es besser werden kann!“ 

Dem konnte auch Pater Andrew nicht viel mehr hinzufügen, der immerhin seine Predigt und ein Singspiel in den Dienst am Dorf stellte. Und auch hierbei wurde deutlich: man gibt sich redlich Mühe im Dorf, damit auch 2018 die Fastenpredigt wieder zu solcher Begeisterung und Applaus bedingten Unterbrechungen führen wird. Man muss es eben aushalten können.

Matthias Matz

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