Länger in den eigenen vier Wänden wohnen

Ohne Papierkram gibt es keine Förderung von altersgerechten Umbauten. Um hier Hilfsbereitschaft zu signalisieren, hatte Ilona Deckwerth (rechts) vom Füssener Seniorenbeirat drei Fachleute eingeladen. Mit ihren Vorträgen ernteten (von links) Sieglinde Frank vom Landratsamt, BRK- Wohnraumberaterin Renate Dantinger und Thomas Köpf von der Sparkasse Allgäu, im Rathaussaal jetzt herzlichen Applaus. Foto: cf

Der Traum, es sich im Alter einmal gemütlich zu machen und trotzdem mobil zu bleiben, kann sich durch die individuelle Veränderungen in den eigenen vier Wänden erfüllen. Das müssen nicht gleich „größere Umbauten“ sein, um sicher zu stellen, dass Menschen mit Handicap weiterhin - wie sie es sich wünschen - gut zuhause zurechtkommen. Wie solche persönliche Eigenständigkeit erhalten werden kann, hat die Veranstaltung mit dem Titel „Wohnraumanpassung“ dank dreier Experten vermittelt. Zu diesem Vortrag hatte der Seniorenbeirat sie kürzlich in den Rathaussaal in Füssen eingeladen.

Die Veranstaltung moderierte die Vorsitzende und Stadträtin Ilona Deckwerth. In der überschaubaren Zuhörerschar im Rathaussaal in Füssen waren Vertreter der Arbeiterwohlfahrt (AWO), vom VdK und dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) sowie des Hospizvereins Südliches Ostallgäu anwesend, so dass die Tipps wohl an einen größeren Interessentenkreis weiter fließen werden. Mit seinen nachhakenden Fragen trug Roman Seider, Senioren- und Behindertenbeauftragter aus Schwangau, ebenfalls zur Erhellung der komplizierten Sachverhalte bei. Anschaulich verdeutlichte Diplom-Sozialpädagogin Renate Dantinger vom Roten Kreuz als erste Referentin dieses zweistündigen Infoangebots - mit typischen Fotos von Hauseingängen und Innenräumen - die Tücken am Objekt. Größere Probleme könnten schon „durch zwei Zentimeter zuviel am Boden oder zuwenig bei der Tür“ entstehen, wenn ein auf Gehhilfen oder Rolli angewiesener Mensch nach seinem Krankenhaus- und dem Reha-Aufenthalt wieder zuhause leben soll. Die zertifizierte Wohnraumberaterin gab hier den Tipp, dass in Zusammenhang mit einer häufig im mittleren Lebensalter in die Wege geleiteten Sanierung von Haus oder Wohnung der Aspekt „Tauglichkeit bei Mobilitätseinschränkung“ unbedingt berücksichtigt werden sollte. Vor allem Zugänge, Bad und Küche sind bei solchen „Maßnahmen für die Zukunft“, was auch der Untertitel der Veranstaltung war, am besten so zu gestalten, dass Treppen, Schwellen oder andere Hürden vermieden oder mit technischen Ergänzungen wie Rampen oder Lifte überwunden werden, erläuterte die Expertin. „Wenn Wohnungen flexibel genutzt werden können, kommt das immer Vermietern und Mietern zugute, die sich über entsprechende Maßnahmen und die damit verbundenen Kosten am besten im Gespräch verständigen und das Ergebnis schriftlich festhalten.“ Bei der „Wohnraumanpassung“ werde oft nicht daran gedacht, dass die den Rolli-Fahrer betreuende Person ebenfalls Platz brauche, um die Pflege leisten zu können. Vor dem Einbau eines Duschklappsitzes sollte überlegt werden, ob man mit einem „flexiblen Duschstuhl“ nicht viel besser bedient sei. „Vieles ist heute machbar.“ Eine kluge Planung helfe Kosten zu sparen. Den eigenen Geldbeutel entlaste, wer sich die Mühe mache, einen Antrag auf ein so genanntes „leistungsfreies Darlehen“ zu stellen“. Etwa 20 solcher Anträge, die für Umbaumaßnahmen einen Zuschuss von bis zu 10.000 Euro „ernten“, werden von Sieglinde Frank im Landratsamt im Jahr bearbeitet und meist positiv beschieden, „wobei das Geld dann aus München von der Landesbodenkreditanstalt kommt“. Frank brachte in ihrem Vortrag auch Licht insbesondere ins Amtsdeutsch. „Wir sprechen zwar von einem Darlehen, aber tatsächlich handelt es sich hierbei um einen Betrag, den die bedürftige Person in der Regel nicht mehr zurückzahlen muss“, so Frank. „Viele schreckt der Begriff ab, weil sie in ihrem höheren Alter kein Geld mehr aufnehmen wollen. Aber hierbei ist kein Risiko verbunden. Man darf sich auf diese Weise von uns unterstützen lassen.“ Der Antrag müsse allerdings vor Baubeginn gestellt werden. „Kein Neubau, nur der Bestand wird gefördert. Am besten, man ruft uns an und vereinbart ein Beratungsgespräch“, signalisierte Frank ihre Unterstützung bei dem „Finanzierungs-Puzzle“. Sogar bis zu 50.000 Euro – zu günstigem Zins - können auf einen Antrag, „den jede Privatperson stellen kann“, als Geld- spritze pro Wohneinheit fließen, so Thomas Köpf von der Sparkasse Allgäu, der zum Schluss das KFW-Programm erklärte. Die Referenten wiesen abschließend auf die weiteren Infos unter www.wohnen.bayern.de und www.rehadat.de hin.

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