Diskussion um das Wohl der Pferde

Absage an Kutschverbot

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Erst ein Baum stoppte am Sonntag die außer Kontrolle geratene Kutsche. Seitdem ist eine heftige Diskussion um die Kutschfahrten zum Schloss Neuschwanstein entbrannt.

Schwangau/Marktoberdorf – Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) hat ein von der Tierschutzorganisation PETA gefordertes Pferdekutschenverbot bei Schloss Neuschwanstein abgelehnt.

„Ein Verbot aus Gründen des Tierwohls ist nicht geboten“, teilte Zinnecker auf Anfrage des Kreisbote mit. Ein von der Organisation außerdem vorgeschlagenes generelles Kutschverbot im Landkreis erteilte Zinnecker ebenfalls eine Absage. Währenddessen ist die Unfallursache nach wie vor unklar. Während der eigentliche Kutschunfall am vergangenen Sonntag mit drei leicht verletzten Touristen relativ glimpflich verlief, schlägt der Vorfall in den sozialen Netzwerken hohe Wellen. Vor allem nach dem der Kreisbote berichtet hatte, dass die Tierschutzorganisation PETA von Landrätin Zinnecker ein Verbot der Kutschen vor Schloss Neuschanstein fordert (Link). 

 Auf der Facebook-Seite des Kreisbote Füssen klickten innerhalb weniger Stunden über 6000 Nutzer den Artikel an und kommentierten ihn kontrovers. Viele Nutzer gaben PETA Recht und sprachen sich für ein Verbot der Kutschfahrten aus und verurteilten diese als Tierquälerei. Andere appellierten dagegen, die Ruhe zu bewahren. Schließlich geschehe den Kutschpferden nichts und sie würden gut gepflegt.

Veterinäre kontrollieren

Eine Auffassung, der sich auch Landrätin Zinnecker anschließt. „Der Einsatz gesunder Pferde mit guter Konstitution als Kutschpferde auf der Fahrt zum Schloss ist mit dem Tierwohl vereinbar“, so die Landrätin auf Anfrage des Kreisbote. 

Die Anforderung an die Zugkraft der Pferde lägen selbst bei einer Bergfahrt mit Fahrgästen unter dem, was bei den Leistungsprüfungen des Landesverbands der Pferdezüchter verlangt werde. Das hätten Zugkraftmessungen und -berechnungen in der Vergangenheit ergeben, so die Landrätin weiter. Darüber hinaus kontrolliere das Veterinäramt die Kutschbetriebe regelmäßig. „Es konnte sich dabei immer wieder vor Ort davon überzeugen, dass die Pferde artgerecht gehalten, gut verpflegt und insgesamt gesundheitlich im besten Zustand sind“, so Zinnecker. 

Einem von PETA geforderten generellen Kutschverbot im Landkreis Ostallgäu erteilte die Landrätin ebenfalls eine Absage. Zum einen sei die Forderung ideologisch motiviert. Zum anderen gehöre der Umgang mit Pferden und Kutschen zum festen Bestandteil der Kultur und Tradition im Landkreis. 

Unterdessen versucht die Füssener Polizei nach wie vor die Ursache zu ermitteln, warum die Pferde letztlich mit der Kutsche durchgingen. 

„Das wird von uns als Verkehrsunfall gewertet“, erklärte Füssens Polizeichef Edmund Martin im Gespräch mit unserer Zeitung. Ob ein Verfahren eröffnet werde, liege aber in den Händen der Staatsanwaltschaft in Kempten. „Wir arbeiten die Hinweise auf.“ 

Derzeit würden die Zeugen vernommen. Das sei wegen der Sprachbarrieren aber nicht einfach. Demnach könnte aber der Kutscher eine Art Schwächeanfall gehabt haben. „Mögliche medizinische Ursachen werden derzeit von uns geprüft“, so Martin. Ein grundsätzliches Risiko sieht er durch die Kutschfahrten zum Schloss und zurück jedoch nicht. „Die Kutscher müssen alle einen Kutschführerschein haben“, betonte er. 

Vorgewärmtes Wasser 

Alle drei bei dem Unfall verletzten Passagiere haben das Krankenhaus übrigens mittlerweile wieder verlassen.

 In der Bayerischen Schösser- und Seenverwaltung in München hält man sich wegen der laufenden Ermittlungen bedeckt. 

Auf Anfrage verwies Sprecherin Franziska Hölzle aber auf die hohen Anforderungen, die die Kutschunternehmen im Umgang mit den Tieren erfüllen müssten. So würden die Kaltblüter bis zu drei Mal am Tag ausgewechselt, um sie ausruhen zu lassen. „Sie sind ständig unter tierärztlicher Kontrolle und auch das Veterinäramt untersucht unangemeldet stichprobenartig“, teilte sie mit. Damit die Pferde ausreichend Wasser bekommen, sei eine eigene Tränke – die im Winter sogar das Wasser vorwärmt – für sie aufgestellt worden.

Matthias Matz

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