Weil sich ein Bauwerber auf falsch gedeckte Dächer beruft, fliegen Schwarzbauten im Weidach auf

Schwarzbau in Füssen taugt nicht zum Vorbild

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Der Bauausschuss hat einen Antrag auf Befreiung vom Bebauungsplan abgelehnt. Im Zuge der Prüfung stießen die Behörden auch auf zwei „Schwarzbauten“.

Füssen – Dass es keine so gute Idee ist, die „Schwarzbauten“ anderer als Begründung für eine gewünschte Befreiung vom Bebauungsplan anzuführen, musste am Dienstagabend ein Bauwerber aus Füssen erfahren.

Zum einen lehnte der Bauausschuss des Stadtrates sein Ansinnen rundheraus ab. Zum anderen sind durch seinen Bauantrag die beiden „Schwarzbauten“ im Neubaugebiet Weidach ins Blickfeld der Behörden gerückt. Beide Bauherren werden wohl demnächst Post vom Landratsamt bekommen. Was sich zunächst harmlos auf der Tagesordnung des Bauausschusses liest, hat es bei genauerem Hinsehen durchaus in sich. 

Denn offenbart haben zwei Häuslebauer im Neubaugebiet Weidach die Stadtverwaltung in der Vergangenheit an der Nase herum geführt. Aufgeflogen ist das Ganze nun durch den Bauantrag eines Bauwerbers, der das Dach seines Hauses anthratzitfarben decken will, da er auf diesem möglicherweise Photovoltaikanlagen anbringen wolle. Vorgegeben sind laut Bebauungsplan (B-Plan) aber rot/braune Ziegeln. 

Als Begründung für seinen Wunsch nach einer Ausnahme führte der Bauwerber nun ausgerechnet zwei weitere Häuser mit anthrazitfarbenen Dächern in dem Gebiet an. Durch diese sei ein Präzedenzfall für entsprechende Befreiungen vom B-Plan geschaffen worden, so seine Argumentation.

Nicht genehmigt

Das sieht das Bauamt jedoch ganz anders: „Diese Präzedenzfälle gibt es gar nicht, da diese so gar nicht genehmigt sind“, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer am Dienstagabend den Ausschussmitgliedern. Tatsächlich hätten die beiden Häuslebauer in der Vergangenheit zwar anthrazitfarbene Dächer mit Photovoltaikanlagen beantragt, was vom Bauausschuss aber in mindestens einem Fall unmissverständlich abgelehnt worden sei. Das störte den Hausherren aber offenbar wenig, denn er deckte sein Dach ungeachtet der verweigerten Genehmigung trotzdem anthrazitfarben. „Eine klare Missachtung des Beschlusses“, so Angeringer im Gespräch mit dem Kreisbote. 

Im anderen Fall konnten sich die Stadträte im Bauausschuss die Farbe Anthrazit zwar vorstellen, aber nur in Kombination mit einer großflächigen Photovoltaikanlage. Im im Zuge der Prüfung des aktuellen Bauantrags habe sich nun aber heraus gestellt, dass die Photovoltaikanlage viel zu klein sei, um diese Ausnahmen zu rechtfertigen, berichtete Angeringer. Er riet daher davon ab, dem jetzigen Antrag zuzustimmen oder gar den B-Plan zu ändern. „Mit den Vorgaben sind wir bisher gut zurecht gekommen“, sagte er. 

Dem stimmte Jürgen Doser von den Freien Wähler zu. „Ich würde in diesem Fall am B-Plan festhalten“, sagte er. „Bei 90 Prozent Photovoltaikanlagen macht das Sinn. So wie hier aber nicht“, verwies er darauf, dass überhaupt nicht klar sei, wie groß die geplante Photovoltaikfläche auf dem Dach werden soll. 

Seine Fraktionsvorsitzende Dr. Anni Derday betonte: „Es gibt keine Präzedenzfälle – wenn wir jetzt aber ja sagen, schaffen wir einen.“ Auch Architekt Magnus Peresson (UBL) warnte davor, den B-Plan aufzuweichen. „Das ist ein taufrischer Plan“, betonte er. „Wer sich da einkauft, muss auch auf die Bedingungen der Stadt eingehen.“ 

Bußgeldverfahren?

Doch was droht nun den Schwarzbauern, die ihr Dach anders gedeckt haben als vorgeschrieben? Zum einen, so Bauamtsleiter Angeringer, werde das Landratsamt Ostallgäu wahrscheinlich ein Bußgeldverfahren einleiten. Zum anderen müssen die Hausbesitzer nun versuchen, sich mit einer guten Begründung die Abweichungen vom B-Plan nachträglich von der Stadt Füssen und der Kreisbehörde genehmigen zu lassen. „Die zwei Objekte sind jetzt ins Blickfeld geraten“, so Zweiter Bürgermeister Niko Schulte (CSU), der Bürgermeister Paul Iacob (SPD) vertrat.

mm

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