Betreiber soll Förderung zurück zahlen

Hanhenkammbahn: NEOS fordern Geld zurück

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Dass die Hahnenkammbahn in Höfen in diesem Sommer still stehen soll, sorgt für großen Unmut bei der Bevölkerung und den Touristikern.

Höfen – Im Streit um die Hahnenkammbahn in Höfen hat sich jetzt auch die Tiroler Landtagspartei NEOS zu Wort gemeldet. Sie ist der Meinung, dass die gesamte Förderung in Millionenhöhe unverzüglich dem Land Tirol zurückbezahlt werden muss und drohen mit einer Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft.

Was vor vier Jahren noch als Meilenstein in der Geschichte der Reuttener Bergbahn galt, hat sich zum Albtraum der Touristiker entwickelt: Die Übernahme der Anlagen durch den Reuttener Steuerberater Peter Gerber. Große Pläne zur Attraktivierung des Gebietes am Reuttener Hahnenkamm in Absprache mit der Gemeinde Höfen standen zur Diskussion und ließen Hoffnung aufkeimen. Bald aber traten Probleme zwischen Betreiber, Kommune, Agrariern und Hüttenbetreibern zutage, die in handfesten Streitereien gipfelten. Zahlungen wurden nicht geleistet, Verträge bekämpft oder für nichtig gehalten, Nutzungsverträge waren nicht vorhanden – Vertrauensverlust pur. 

Zum Höhepunkt der Querelen kam es vergangenen Winter, als Gerber mit der Entlassung von Personal und der Schließung der Anlagen drohte. Stundenlange Verhandlungen folgten. Letztendlich unterschrieben beide Seiten einen neuen Nutzungsvertrag und es schien Frieden einzuziehen. In die Verhandlungen eingebunden war ein großer Stab von Fachleuten aus allen Rechtsbereichen. Die Erleichterung war damals allen Beteiligten anzusehen. Jetzt gab es den so lange eingeforderten Dienstbarkeitsvertrag, der alles regelt, was wichtig erschien: Überfahrtsrechte, Wegbenutzung, die Versorgung der Hütten am Berg, Tourengeher, Rechte für Sportvereine, Holzbringung und Weiderechte. Die Bahn ging wieder in Betrieb (der Kreisbote berichtete). 

Kein Betrieb im Sommer

Nun kam ein weiterer Paukenschlag: Die Bahn stellte am Ende der coronabedingten Betriebspause erneut den Betrieb ein. Er habe keinen Betriebsleiter ließ Gerber verlauten und stellte Bevölkerung und Tourismusverantwortliche mit der Schließung der Bahn erneut vor vollendete Tatsachen. 

Im Übrigen sei laut Betreiber keine Betriebspflicht gegeben. Die oberste Seilbahnbehörde habe die Hahnenkammbahn Höfen aufgrund der Covid-19-Krise für den Sommer 2020 davon entbunden, weil dadurch kein positives Ergebnis zu erzielen sei. „Die Enthebung von der Betriebspflicht im Sommer 2020 betrifft, sowohl die Personen-, als auch die Güterbeförderung.“ Also werde die Hahnenkammbahn bis zum Verkauf der Firmenanteile nicht mehr in Betrieb gehen, lässt Gerber auf seiner Website wissen. Der Verkauf scheint beschlossene Sache. 

Der Betreiber fühlt sich als Sanierer und stellt fest: „Ich habe die Firma Reuttener Seilbahnen mit einem Schuldenstand von mehreren Million Euro übernommen und werde sie mit einem Schuldenstand von Euro Null übergeben. In meiner Zeit als Geschäftsführer wurde der höchste Umsatz und Gewinn in der Geschichte der Firma Reuttener Seilbahnen GesmbH & CoKG erzielt, damit ist meine Aufgabe, die Firma Reuttener Seilbahnen zu sanieren, erfüllt.“ 

Das alles deutet auf einen Verkauf ohne Einbindung von Gemeinde und Tourismus hin, denn weiter in der Begründung heißt es: „Eine Zusammenarbeit mit Bürgermeister Knapp und Tourismusverbandsobmann Ruepp ist nicht möglich.“ Aber auch beim Verkauf geht Bahnbesitzer Gerber von einer Einflussnahme von der Gemeinde Höfen und dem Tourismus aus, was beide Seiten jedoch energisch bestreiten. 

Scharfe Kritik

Die Angelegenheit hat mittlerweile weit über die Bezirksgrenzen hinaus Aufmerksamkeit erreicht. So meldete sich jetzt die Tiroler Landtagspartei NEOS zu Wort. Dabei kritisiert Klubobmann Dominik Oberhofer: „Nicht nur, dass Gerber mit der Hahnenkammbahn eine gesamte Tourismusregion erpresst, viel mehr noch pfeift er auf die Verträge mit der Tiroler Landesregierung.“ 

Deshalb droht seine Partei mit einer Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft. Dass die Bahn im Sommer geschlossen bleiben soll, wird mittlerweile als Supergau für den Tourismus in der Region bezeichnet. Auch einheimische Nutzer der Bahnen auf dem Reuttener Hausberg sind konsterniert. Dass Nochbetreiber Gerber aber recht rasch einen Übernehmer aus dem Hut zaubert, scheint auch nicht ausgeschlossen.

Hans Nikolussi

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