"Lech, Land und Leute"

Dr. Richard Lipp (links), auf dem Foto zusammen mit Naturführer Walter Stoll, offerierte den vielen Zuhörern Lechgeschichten in vielen Facetten. Foto: ed

Mit einem interessanten Vortrag im Kulturhaus in Pflach beleuchtete der Reuttener Historiker Dr. Richard Lipp die Jahrhunderte lange Geschichte über und um den Lech. Der in den fünfziger Jahren wegen seiner immer wieder auftretenden, verheerenden Überschwemmungen als „Staatsfeind Tirols Nummer 1“ titulierte Fluss prägte nicht nur einen besonderen Menschenschlag. Der Lech formte das Land und das Land prägte die Leute und sie versuchten über Jahrhunderte dem Lech Grund abzuringen – mit wechselndem Erfolg.

„Lech, Land, Leute kann man nicht differenziert betrachten, diese Attribute hängen alle zusammen, sind eine Einheit“ so Dr. Lipp. Dies zeige auch die Tatsache, dass von den 37 Außerferner Gemeinden 34 direkt oder indirekt mit dem Lech verbunden sind. Dass der Formarinsee in Vorarlberg vielerorts als Ursprung angegeben wird, ist nach seiner Ansicht nicht korrekt: Richtig sei als Entstehung des Lechs der Spuler- und der Formarinbach, die ihren Ursprung als Quellen unterhalb des Formarinsees haben. Die unterschiedlichen Angaben über die Länge des Flusses, die zwischen 248 und 285 Kilometern liegen, bezeichnete er mit 256,5 Kilometern laut neuesten Messungen als korrekt. Riesige Konzerne hätten sich mit 24 Staustufen und 28 Kraftwerken die Kraft des gesamten Flusslaufs bis zur Mündung in die Donau zu eigen gemacht. „Im Tiroler Teil versuchen die Bewohner mit großflächigen Verbauungen den Naturgewalten des Wassers Herr zu werden“ so Lipp weiter. Er sprach vom „permanenten Kampf den Lech zu bändigen“. Nach der Hochwasserkatastrophe im Jahr 2005 wurden hier umfangreiche Maßnahmen ergriffen. Mit einigen Beispielen zeigte er auf, wie die Menschen in den letzten beiden Jahrhunderten lebten, in denen sich die Bevölkerung verdreifachte. „Es gab eine Handvoll Lechtaler, die mit dem Handel steinreich wurden, aber auch viele Arme. Er erinnerte an die vielen Wanderhandwerker, die aus Mangel an Arbeit im Ausland ihr Glück versuchten und vor allen Dingen an die in vielen Filmen dokumentierten Lechtaler Schwabenkinder. Flora und Fauna schützen Lipp streifte in seinem Vortrag auch die Flößerei auf dem Lech, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch die Eisenbahn ihre Bedeutung verlor. Auch die Wichtigkeit des Lechs zur Energiegewinnung für das Außerfern war ein weiterer Punkt sowie die positive Entwicklung als Tourismusgebiet. „Für die Zukunft müssen wir uns aber genau überlegen, wem wir den Lech anvertrauen, um seine Einmaligkeit in Flora und Fauna zu schützen – im Einklang mit der Natur und den dort ansässigen Menschen“ schloss Dr. Lipp seinen Vortrag.

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