Jetzt entscheiden die Bürger

Bürgerentscheid: Lechbrucker stimmen am 21. März über den Bau eines Wellness-Hotels ab

Die Gemeinde Lechbruck mit dem geplanten Hotel im Bayernatlas
+
Vor allem die Anwohner der Lechwiesenstraße fürchten das Hotel. Nur über sie ist derzeit die Zufahrt in das dem Tourismus vorbehaltene Areal möglich.

Lechbruck – Jetzt ist es amtlich: Die Lechbrucker dürfen darüber abstimmen, ob das geplante Vier-Sterne-Wellness-Hotel am Lechstausee gebaut werden darf oder nicht. Der Gemeinderat hat grünes Licht für den beantragten Bürgerentscheid gegeben. Termin ist der 21. März.

Die Anspannung in der Lechhalle war zum Greifen nah: Es war mucksmäuschenstill, bevor Bürgermeister Werner Moll pünktlich um 19 Uhr das Wort ergriff und der Gemeinderat seine richtungsweisende Entscheidung traf.

Wie bereits mehrfach im Kreisboten berichtet, steht eine 30-Millionen-Euro-Investition in ein Wellnesshotel auf dem Spiel. Die Gemeinde möchte das rund drei Hektar große Grundstück zwischen Feriendorf und Campingplatz für 2,5 Millionen Euro an Investor Gerhard Breher verkaufen.

Der würde dann das Vier-Sterne-Wellnesshotel bauen, die Hoteliersfamilie Lerch soll es betreiben. Ganz nebenbei hätte Lechbruck zwei Ruinen vom Hals. Das ehemalige Hallenbad und die Tennishalle auf dem Areal will der Investor auf eigene Kosten abreißen und entsorgen lassen.

Der alte Gemeinderat hatte das Vorgehen noch unter Bürgermeister Helmut Angl im Herbst 2019 mit großer Mehrheit befürwortet, ein knappes Jahr später formierte sich der Widerstand in der Bevölkerung. Die Familien Pfanzelt und Wagner sammelten Unterschriften. Im Dezember wurden 612 im Rathaus übergeben. Das Quorum war locker erreicht.

Das bestätigte nun auch der Bürgermeister. 597 Unterschriften seien gültig, berichtete Moll in der Sondersitzung. Auch an den meisten anderen für einen Bürgerentscheid notwendigen Kriterien gab es im Rathaus kaum etwas auszusetzen. „Der Vorschlag der Verwaltung wäre, der Gemeinderat beschließt, das Bürgerbegehren zuzulassen“, erklärte Moll.

Ist ein Steg die Lösung?

Bevor die Gemeinderäte ihre Hände hoben, gab es aber noch Redebedarf über ein Kriterium. Denn die Bürgerinitiative hatte in der Begründung des Begehrens einen möglichen Wegfall des Seeuferweges unterhalb des Hotels ins Spiel gebracht. Das hätte ihr die Gemeinde möglicherweise als unrichtige Tatsachenbehauptung unterstellen können, um das Bürgerbegehren abzulehnen. Vor einigen Wochen hatte Rathauschef Moll nämlich eine Steglösung präsentiert, die auch das Wasserwirtschaftsamt begrüßen würde.

Dennoch bat der Rathauschef den Gemeinderat darum, sich nicht an dem Punkt aufzuhängen. „Mir ist der Bürgerentscheid nicht unrecht“, meinte er und erinnerte an die Meinungsbildung im vergangenen Jahr. Moll hatte vom neu gewählten Gemeinderat das nahezu einstimmige Votum erhalten, an dem Großprojekt festzuhalten. „Das war für mich wichtig, ich hätte es nie gemacht, wenn es eine Zweiteilung im Gemeinderat gegeben hätte“, machte er noch einmal klar.

Moll für Entscheid

Dennoch warb Bürgermeister Moll in der Sitzung für den Bürgerentscheid. Denn einige haben ihm gestanden, für das Bürgerbegehren unterschrieben zu haben, obwohl sie für das Hotel sind. „Sie wollen, dass alle Lechbrucker das entscheiden“, weiß Moll.

Letztlich lehnte nur Rudolf Ungelert die Zulassung des Bürgerbegehrens ab. Noch in der Sitzung einigte sich der Gemeinderat auf den 31. März als Wahltermin.

Sollten die Lechbrucker dann das Vorhaben ablehnen, wäre im Rathaus erst einmal guter Rat teuer. Laut Bürgermeister gibt es derzeit keinen Plan B. „Wenn es den Bach runter geht, bleibt es so, wie es momentan ist“, sagte der Rathauschef mit Blick auf das brach liegende Gelände mit den zwei Ruinen. Die Abrisskosten könnten die Gemeinde sehr teuer kommen. Insbesondere beim Hallenbad vermutet Moll Altlasten, die entsorgt werden müssten.

jvr

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona im Ostallgäu: Inzidenzwert in Kaufbeuren steigt deutlich über 50, im Landkreis auf über 30
Corona im Ostallgäu: Inzidenzwert in Kaufbeuren steigt deutlich über 50, im Landkreis auf über 30
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Kaufbeuren jetzt mit der niedrigsten Inzidenz im Allgäu - Wert im Landkreis steigt
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Kaufbeuren jetzt mit der niedrigsten Inzidenz im Allgäu - Wert im Landkreis steigt
Füssen: Skaten trotz Corona
Füssen: Skaten trotz Corona
Tegelbergbahn versteigert alte Gondeln – 28.000 Euro gehen an soziale Zwecke
Tegelbergbahn versteigert alte Gondeln – 28.000 Euro gehen an soziale Zwecke

Kommentare