Regional und umweltfreundlich

Nikolaus Hainz spricht im Interview über seine Pläne für ein Nahwärmenetz in Lechbruck

Traktor fährt über eine Wiese.
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Auf dieser Wiese soll das Heizhaus zur Fernwärme entstehen.

Lechbruck – Seit fast 25 Jahren gibt es in Lechbruck den Familienbetrieb Grundstücksservice Hainz. Jetzt plant das Unternehmen den Bau eines Nahwärmenetzes mit Heizhaus im Ortsteil Rottachweiher. Dabei strebt Firmenchef Nikolaus Hainz eine Netzerweiterung in Richtung Lechwiesenstraße und Steinhäubl an. Dem Gemeinderat hat er seine Pläne bereits kurz vor Weihnachten vorgestellt. Im Kreisboten-Interview erläutert er sie nun ganz konkret. 

Nikolaus Hainz hat den Betrieb Ende der neunziger Jahren gegründet. Nachwuchssorgen braucht der Lechbrucker nicht zu haben: seine zwei Söhne stehen bereits in den Startlöchern. Der Unternehmer war 1995 einer der ersten in der Region, der Hackschnitzel produzierte und als Heizmaterial angeboten hat.

„Ich heize schon seit über einem Jahrzehnt mit Hackgut aus eigener Herstellung, somit verfüge ich über genügend Erfahrung auf diesem Sektor. Heute sind Hackschnitzelanlagen eine umweltfreundliche und innovative Art des Heizens und nicht mehr vom Markt wegzudenken“, sagt der Firmeninhaber.

Regionale Verwertung

Dass immer noch Öl und Gas hoch im Kurs stehen und der natürlich anfallende Rohstoff Holz noch zu wenig genutzt wird, bedauert er. Um den Rohstoff Holz in Form von Hackgut regional und mit geringen Transportwegen zu verwerten, reifte in ihm die Idee eines Nahwärmenetzes für die Flößergemeinde heran.

„Mittlerweile kontaktierten mich mehrere Firmen, die mich mit ihrem technischen Know-How unterstützen wollen“, berichtet Hainz. Die Holz-Versorgung soll regional abgedeckt werden. Die Forstbetriebsgemeinschaften stünden seinem Vorhaben mit großem Interesse gegenüber.

Herr Hainz, was haben Sie hier in Lechbruck Nahwärme technisch vor?

Hainz: „Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, ein Nahwärmenetz in Lechbruck zu bauen, mit dem Baugebiet Rottach nimmt dies Formen an. Dabei steht für mich das ökologische und regionale Heizen mit dem Rohstoff Holz im Vordergrund.“

Wie darf man sich so ein Nahwärmenetz vorstellen?

Hainz: „Der Grundstock für ein Nahwärmenetz ist die Wärmeerzeugerstätte, diese soll im Ortsgebiet Rottachweiher entstehen. Ausgehend von diesem werden Leitungen unterirdisch zu den einzelnen Wärmeabnehmern bzw. Gebäuden verlegt. Mittels dieser isolierten Leitungen werden die Gebäude mit Wärme versorgt.“

Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen? Kann man sich bei Ihnen schon anmelden für die Nahwärme?

Hainz: „Die Verhandlungen laufen in vollem Umfang. Die Rohrverlegung im Neubaugebiet Rottachweiher beginnt bereits im Frühjahr 2021. Interessierte können sich gerne bei mir melden.“

Ist so eine Nahwärmeheizung nur was für Privathäuser?

Hainz: „Ob Privat- , Mehrfamilienhäuser oder öffentliche Gebäude, möglich ist ein Anschluss für jeden Interessierten. Gerne stelle ich mich für persönliche Gespräche zur Verfügung.

Und wie kommt die Wärme ins Haus?

Hainz: „Die Nahwärme läuft über isolierte Leitungen zum Endverbraucher, an eine Übergabestation. Von dort aus geht die Wärme in das hauseigene Heizzentrum, dieses System ist sehr platzsparend und effizient.“

Was ist Ihr Ziel, Herr Hainz? Ganz Lechbruck ans Nahwärmenetz anzuschließen?

Hainz: „Das wäre natürlich für die Umwelt perfekt! Ich möchte zunächst die genannten Ortsteile in mehreren Bauabschnitten mit Wärme versorgen. Eine Erweiterung ist jederzeit möglich.“

Das hört sich alles wirklich ökologisch an. Gibt es auch Probleme?

Hainz: „Einer der Punkte ist: Werden die öffentlichen Gebäude auf regionales, klimaneutrales heizen umgestellt? Der Gemeinderat hat in der letzten Sitzung signalisiert, dass Interesse besteht. Das ist wichtig für die Planung des Projekts.“

Kann es denn bei dieser Nahwärmeheizung keine Störungen geben?

Hainz: „Störungen sind möglich, aber äußerst selten. Das Netz wird so ausgebaut, dass eine eventuelle Störung möglichst schnell beseitigt werden kann.“

Haben Sie schon so eine Nahwärmeheizung gebaut?

Hainz: „Ja, im Auftrag. Dabei konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln. Dies kommt diesem Objekt zugute.“

Herr Hainz, wir danken Ihnen für das Interview.

Silke Zink

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