»Wir wollen ein partnerschaftliches Miteinander«

Umstrittenes Wellnesshotel: Investor äußert sich zu Bedenken der Bürgerinitiative

Die geschäftsleitenden Gesellschafter der Breher Bau- und Immobilienmanagement GmbH sind Gerhard (links) und Kevin Breher.
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Die geschäftsleitenden Gesellschafter der Breher Bau- und Immobilienmanagement GmbH sind Gerhard (links) und Kevin Breher. Im Interview redet Gerhard Breher über das Projekt in Lechbruck.

Lechbruck – Auf großen Widerstand stößt derzeit die Breher Bau- und Immobilienmanagement GmbH in Lechbruck. Dort möchte der Investor zusammen mit der Betreiberfamilie Lerch ein Wellnesshotel bauen. Doch eine Bürgerinitiative lehnt diese Projekt vehement ab und hat auch schon genug Unterschriften für ein Bürgerbegehren zusammen. Seit über 25 Jahren leitet Gerhard Breher die Breher Bau- und Immobilienmanagement GmbH. Im Interview stellt er sein Unternehmen vor und äußert sich zu den Bedenken der Hotelgegner.

Herr Breher , woher kennen Sie die Betreiberfamilie Lerch?

Gerhard Breher: „Wir arbeiten seit 35 Jahren in der Immobilienbranche und in der Hotellerie. In der Vergangenheit haben wir schon mehrere Standorte realisiert. In Ottobeuren, das Parkhotel Maximilian, das Panoramahotel in Oberjoch, das Chalett-Dorf in Oberjoch und das Weitblick in Marktoberdorf. Und diese Projekte haben wir größtenteils mit der Familie Lerch umgesetzt. Wir arbeiten mit der Familie Lerch nicht nur erfolgreich, sondern auch sehr gerne zusammen und das schon über Jahrzehnte. Die Familie Lerch ist ein verlässlicher Partner. Für Lerchs ist so ein Hotel nichts kurzfristiges, die mögen etwas langfristiges. Nach der familiären Erweiterung der Familie Lerch, hat diese für sich entschieden ein weiteres Standbein ins Auge zu fassen. Und da sind wir natürlich gerne mit dabei.”

Wie kommen Sie auf den Standort Lechbruck?

Gerhard Breher: „Wir haben uns gemeinsam mit der Familie Lerch nach einem schönen Platz umgesehen und sind durch Zufall auf Lechbruck gestoßen. Wir und auch die Familie Lerch waren sofort von diesem Standort begeistert. Dieses Plätzchen Erde ist wunderschön und für ein Hotel perfekt. Bevor wir investieren, geben wir aber eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Bei dieser wird im Vorfeld untersucht, ob dieser Standort für ein Hotel geeignet ist. Ist der Bedarf da? Wie ist die Zuwegung? Wie viele Hotels gibt es in der Nähe? Wie ist die Auslastung der Hotels? Und da hat Lechbruck in allen Punkten überzeugt.”

Warum haben Sie sich nicht in der Infoveranstaltung am vergangenen Donnerstag in der Lechhalle vorgestellt?

Gerhard Breher: „Die Sprecher der Bürgerinitiative haben sich in der Veranstaltung dagegen entschieden, mich sprechen zu lassen. Was ich sehr schade gefunden habe. Und darum freue ich mich, dass ich bei Ihnen die Möglichkeit bekomme, mich vorzustellen.”

Bei der Veranstaltung wurde von der Bürgerinitiative der Einwand vorgetragen, dass die Infrastruktur unter dem geplanten Hotel leiden würde. Was sagen Sie dazu?

Gerhard Breher: „Ein Wellnesshotel hat eine kurze Verweildauer, da fahren die Leute nicht weit fort, da gehen die Leute ins Dorf. Das zeigt mir meine Erfahrung: das ist in Ottobeuren, in Marktoberdorf und in Oberjoch so. Das lässt sich auch eindeutig belegen und wurde ja in der Infoveranstaltung am vergangenen Donnerstag schon gezeigt, als die Schreiben vom Marktoberdorfer Bürgermeister und vom Bad Hindelanger Tourismusdirektor gezeigt worden sind. Nur ein Beispiel: im Oberjoch wurden in den letzten Jahren, nach dem Hotelbau, zusätzlich zwei weitere Modegeschäfte eröffnet. Ein neuer Busbahnhof ist dort entstanden, die Lifte wurden erneuert – das kann eine Gemeinde nur, wenn sie Einnahmen hat. Und was mich am meisten freut: in Oberjoch sind zwei zusätzliche Gastronomiebetriebe entstanden. Das geht nur, wenn Gäste da sind, die das auch annehmen. Und das könnt Ihr in Lechbruck auch haben.”

Ein wichtiger Einwand der Bürgerinitiative ist der Wegzug von Familien aus der Gemeinde Lechbruck. Wie sehen Sie das?

Gerhard Breher: „Den Wegzug mit dem geplanten Hotel in Verbindung zu bringen, ist weit hergeholt. Das Hotel steht ja noch gar nicht. Es sollte eigentlich das Gegenteil passieren: Da entstehen zwischen 120 und 140 neue Arbeitsplätze. Auch die Ausbildungsplätze sollten nicht außer Acht gelassen werden. Herr Lerch hat in seinen Betrieben 95 Ausbildungsplätze. Hat in Lechbruck und Umgebung jemand 95 Auszubildende? Das spricht für die Familie Lerch und ihr Ausbildungssystem. Hier werden Köche, Konditoren, Kaufleute, Restaurantfachleute, Hotelfachleute, Fachangestellte im Schwimmbadbetrieb, Masseure und Kosmetikerinnen ausgebildet. Das sind so viele verschiedene Berufsbilder. Das belebt ein Dorf. Das ist doch ein gutes Angebot für die Jugend in und um Lechbruck.”

Sperrzeiten für Lkw

Zum Einwand, dass mit dem geplanten Hotelneubau die Grundstückspreise steigen, hat sich schon Bürgermeister Werner Moll (FW) bei der Infoveranstaltung geäußert. Was sagen Sie dazu?

Gerhard Breher: „Ich kenne keinen Gast, der sich überall dort, wo er je Urlaub gemacht hat, ein Grundstück bzw. eine Immobilie gekauft hat. Wenn doch, dann kann das doch ein Campinggast oder ein Gast, der im Dorf in einer Ferienwohnung ist, genau so kaufen. Dies in Zusammenhang zu bringen, ist Nonsens.

Heutzutage ist es ja ,chic' wenn ich gegen etwas sein kann. Aber wenn ich gegen so ein Projekt bin, verhindere ich Arbeitsplätze! Wollen wir hoffen, dass die, die heute dagegen sind, nicht morgen davon betroffen sind. In der heutigen Zeit ist es nicht nur wichtig, Arbeitsplätze zu schaffen, sondern auch diese zu sichern. Heutzutage sterben doch die meisten Dörfer aus. Die Leute ziehen dahin, wo es Arbeitsplätze gibt. Wer möchte denn zig Kilometer jeden Tag zur Arbeit fahren?

Herr Breher, was sagen Sie zur Verkehrssituation?

Gerhard Breher: „Die nehme ich sehr ernst! Und da verstehe ich die Leute absolut. Ich behaupte aber, in Zeiten, in denen das Hallenbad noch geöffnet war, war bestimmt auch viel Verkehr. Während der Bauphase wird es mit Sicherheit mehr Lkw-Fahrten geben und es wird ein höheres Verkehrsaufkommen sein, aber das kann in den Griff bekommen werden. Wenn da die Gemeinde mitmacht, könnte man eine komplette 30er Zone einführen. Was mir noch wichtig wäre und was auch meines Erachtens machbar ist, dass die Baustellenfahrzeuge in bestimmten Zeiten nicht fahren dürfen. Das heißt, in der Früh von 7 bis 8 Uhr und Mittags von 12 bis 13 Uhr darf grundsätzlich kein Baustellenfahrzeug im Bereich der Schule unterwegs sein. Diese Zeiten dürfen von den Anwohnern bestimmt werden. Das müsste die ersten zwei, drei Wochen beobachtet werden und könnte dann so eingerichtet werden. Dann ist die Gefährdung der Kinder und Enkelkinder minimiert. Das ist uns wichtig. Wir wollen da keinen Ärger.”

Die Bürgerinitiative behauptet in ihrem Flyer, dass die Gemeinde Lechbruck am See von dem geplanten Hotel nur gering profitieren würde. Wie stehen Sie zu dieser Sichtweise?

Gerhard Breher: „Dem ist natürlich nicht so. Ich habe vor, einen mündlich mit Bürgermeister Angl vereinbarten Kaufpreis im mittleren einstelligen Millionenbereich an die Gemeinde als Kaufpreis zu bezahlen. Weiter wurde vereinbart, dass ich auf meine Kosten das Hallenbad und die Tennishalle zurückbauen werde und ebenfalls auf meine Kosten die Straße im Bereich hinter dem Hotel neu baue. Diese Kosten spart sich also die Gemeinde ebenfalls. Wenn dann das Hotel steht, wird die Gemeinde von mir einen höheren sechsstelligen Wasser- und Kanalherstellungsbeitrag für die zusätzlich geschaffenen Geschossflächen verlangen, den ich natürlich bezahle.

Die Grundsteuer B wird ebenfalls auf mich zukommen, die ich auch bezahlen werde. Wie ich weiß, hat die Gemeinde eine Kurbeitrags- und Fremdenverkehrsbeitragssatzung. Da wird die Gemeinde jedes Jahr Beträge im höheren, sechsstelligen Bereich von den Gästen des geplanten Hotels, an Kurbeiträgen und von der Betreiberfamilie an Fremdenverkehrsbeitag erwirtschaften. Ferner wird durch die zusätzlichen Arbeits- und Ausbildungsplätze der Gemeinde enorme Zuwächse finanzieller Art im Bereich des Gemeindeanteils an der Einkommenssteuer bzw. der Umsatzsteuer entstehen.

Auch die Gewerbesteuer, die wir aus unserem Gewinn zu bezahlen haben, wird an die Gemeinde gehen. Aber auch die Gäste werden einen Mehrwert für die Gemeinde bringen. Es wird sicher kein Gewerbetreibender durch die Hotelgäste einen Nachteil haben. Wie schon erwähnt, werden diese Gäste auch in den gemeindlichen Gaststätten und der Eisdiele wie im Einzelhandel ihr Geld im Ort lassen. In Marktoberdorf zum Beispiel haben wir mit vielen einheimischen Handwerksbetrieben wie Sanitär, Raumausstatter oder ähnliche Verträge geschlossen, die den Betrieben sichere Einkommen gewähren. Wie Sie also sehen, wird die gesamte Gemeinde von dem neuen Hotel extrem profitieren, was auch gut ist. Wir wollen ein partnerschaftliches Miteinander.”

sz

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