Lechbrucks neuer Bürgermeister Werner Moll spricht über seine ersten Monate im Amt

Lechbrucks neuer Bürgermeister im Interview: »Die Arbeit hat sich total verändert«

Alter und neuer Bürgermeister geben sich die Hand
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Lechbrucks neuer Bürgermeister Werner Moll (rechts) mit seinem Vorgänger Helmut Angl.

Lechbruck – Die Fußstapfen, in die Werner Moll als neuer Bürgermeister der Flößergemeinde trat, hätten größer nicht sein können: In zwölf Jahren im Amt hatte sein Vorgänger Helmut Angl die Kommune gehörig auf Vordermann gebracht, den Tourismus ausgebaut und die Finanzen saniert. Zuletzt erhielt er dafür sogar eine Auszeichnung vom Bund der Steuerzahler Bayern. Dennoch fühlt sich Werner Moll mittlerweile rundum wohl in seinem neuen Amt, wie er dem Kreisboten im Interview verrät.

Herr Moll, wie geht es Ihnen nach ein bisschen mehr als 111 Tagen im Amt?

Moll: „Meinem Naturell und inneren Einstellung entsprechend geht’s mir sehr gut. Ich lasse mich von 'fast' nichts stressen und versuche ein authentischer Bürgermeister zu sein beziehungsweise zu bleiben. Die Bürger von Lechbruck machen es mir aber auch nicht allzu schwer, weil sie alle nett zu mir sind (lacht).“

Haben Sie sich den Job als Bürgermeister so vorgestellt?

Moll: „Eigentlich schon. Ich habe in meinen früheren Ämtern schon einige Bürgermeister erlebt und versuche die dadurch gewonnenen positiven Erfahrungen für mich zu verwenden. Meinen großen Vorteil sehe ich darin, dass ich überwiegend in den Themen rechtlich Bescheid weiß.“

Was war der Höhepunkt in den ersten 111 Tagen?

Moll: „Das emotionale Highlight der ersten 111 Tage war meine fünfte standesamtliche Trauung auf dem Floß. Ich durfte meine eigene Tochter – natürlich zusammen mit einem Füssener Standesamtskollegen – verheiraten.“

Gibt es etwas, was Sie vollkommen überrascht hat im Bürgermeisteramt?

Moll: „Vielleicht die Anzahl an täglichen Terminen. In einem Abstand von ca. zwei Stunden habe ich mit den unterschiedlichsten Sachverhalten und Personen zu tun. Vom Anbringen von Hundetoiletten über Grundstücksverhandlungen zu Überbringung von Glückwünschen zum Geburtstag, Heirat oder Geburt. Dazwischen wieder Vertreter von Ämtern, Vereinen oder Unternehmen. Schon spannend, aber schön und abwechslungsreich.“

Haben Sie schon das eine oder andere Thema aus dem Wahlkampf auf den Weg gebracht bzw. schon umgesetzt? Stichworte Kindergarten, Feuerwehrhaus, Bücherei?

Moll: „Wir sind bei den dicken Brocken auf einem guten Weg. Wir sind in der ersten Planung des neuen Kindergartens und des Feuerwehrhauses. Hier gilt es allerdings noch Details mit den Verantwortlichen des Kindergartens und der Feuerwehr zu klären. Auch haben wir die Zeiten der Mittagsbetreuung verlängert und eine Ferienfreizeit zusammen mit dem Bürgerverein auf den Weg gebracht. Auch konnten schon viele berechtigte Forderungen von Bürgern umgesetzt werden. Ferner konnten wir in nur ca. fünf Monaten schon etliche interessante Grundstücke für die weitere Entwicklung unseres Ortes erwerben bzw. liegen interessante Kaufangebote vor. Wir stehen derzeit kurz vor dem Ausbau und Kanalisation der Straßen Bergblick und Sonnbichl bzw. Säulingstraße und Firstbergstraße. Auch haben wir eine erste Vermessungsplanung für den fahrrad- und fußgängerfreundlichen Umbau der Schongauer Str. in Auftrag gegeben.“

Hat es schon etwas gegeben, was Ihnen nicht gefallen hat?

Moll: „Hier ein deutliches Nein! Sowohl die Bürger als auch meine Verwaltung behandeln mich mit sehr viel Respekt und Freundlichkeit. Da macht einem das Amt schon Spaß! Mit der neu gegründeten Bürgerinitiative 'Gegen das geplante Hotel' habe ich eine Aussprache auf Augenhöhe geführt. Derzeit können wir jedoch noch nichts Neues berichten, was nicht schon in der Zeitung bzw. im Gemeindeblatt gestanden wäre. Es sei allerdings erwähnt, dass ich das Grundstück noch nicht verkauft habe und wir in etwa den Planungs- und Entwicklungsstand vom November 2019 haben.“

Was fordert Sie gerade am meisten?

Moll: „Vielleicht die jetzt, wie oben erwähnt, parallel laufenden Verfahren. Hier gilt es viele Termine in Ämtern und bei der Regierung wahrzunehmen. Auch mit der Entschlammung des Oberen Lechsees habe ich persönlich Kontakt mit einem Bundestags- und auch Landtagsabgeordneten aufgenommen. Letzte Woche war ich auch bei einem Termin beim Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Mal schauen, was rauskommt. Derzeit sind wir auch in einer intensiven Ausschreibung für den Kiosk am Bootshafen. Hier suchen wir ab der nächsten Saison einen neuen Pächter. Die Anzeige erscheint demnächst im Gemeindeblatt.“

Wie sieht Ihr Arbeitstag als Bürgermeister aus?

Moll: „Was positiv ist, dass durch die Lage meines neuen Büros im Erdgeschoss das mühselige Treppensteigen in den ersten Stock weggefallen ist (lacht). Nein, im Ernst: die Arbeit hat sich total verändert. War ich als Kämmerer immer tief in Zahlen, Haushalt, Statistiken, Personalangelegenheiten und Förderanträgen gesteckt, so habe ich als Bürgermeister jetzt viel mehr Kontakt mit den Bürgern und auch mit ihren Problemen, Ängsten und Anregungen zu tun. Da ich immer schon ein Mensch war, bei dem auf Worte auch Taten folgen, macht mir die Arbeit als Bürgermeister viel Spaß. Das beinhaltet selbstverständlich auch die Arbeit mit meinem Gemeinderat. Hier kann ich allen ein sehr gutes Zeugnis ausstellen.“

Sie waren ja schon einige Jahre in Lechbruck als Kämmerer tätig und haben viele Lecher gekannt. Begegnen Ihnen die Lecher als Bürgermeister anders?

Moll: (Schmunzelt) „Komisch ist schon, dass jetzt einige – selbst vom Bauhof – mich mit Herr Bürgermeister ansprechen. Ich will sagen, dass muss nicht unbedingt sein. Schön ist für mich festzustellen, dass wenige Bürger Berührungsängste haben und wie selbstverständlich mit ihren Anliegen auf mich zukommen.“

Haben Sie schon die eine oder andere Trauung durchgeführt? Wie bereiten Sie sich auf eine Trauung vor?

Moll: „Stand heute habe ich bereits neun Trauungen durchgeführt. Viele auf dem Floß, einige im Sitzungssaal. Aber alle feierlich. Zweiter Bürgermeister Erwin Maas hat in meinem Beisein eine für mich sehr gute Hochzeit auf dem Floß vorgenommen, bei der ich ihm über die Schulter schauen durfte. Da habe ich so viel gelernt, dass ich es jetzt schon alleine machen kann (lacht). Nach einem Vorgespräch mit den Verlobten versuche ich die dabei gewonnenen persönlichen Dinge in meine Rede einfließen zu lassen.“

Haben Sie Ihren Bürgermeisterlehrgang jetzt schon absolviert und gab es schon die Klausurtagung mit dem neu gewählten Gemeinderat?

Moll: „Zum bereits stattgefundenen Bürgermeisterlehrgang darf ich sagen, dass ich aus Kosten- und auch Zeitgründen nicht teilgenommen habe. Ohne überheblich wirken zu wollen, musste das auch nicht sein. Hier werden für oft berufsfremde neue Bürgermeister die Grundzüge des Kommunal-, Bau-, Finanzrechts näher gebracht. Ich habe in all diesen Bereichen meinen gehobenen Dienst als Verwaltungsfachwirt absolviert und viele Jahre als Bauamtsleiter, Leiter der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und als Kämmerer gearbeitet. Es wäre für mich kein Mehrwert entstanden. Die nicht unerheblichen Lehrgangskosten sind in unserer Gemeinde besser angelegt. Auch habe ich mich mit meinen umliegenden Kollegen aus Prem, Steingaden, Bernbeuren, Roßhaupten und Füssen persönlich zu einem Antrittsgespräch getroffen. Die traditionellen Klausurtage werden nach Absprache mit dem Gemeinderat Ende November dieses Jahrs stattfinden.“

Eine 70-Stunden-Woche

Familie und Bürgermeisteramt – geht das überhaupt? Wie lange sind Ihre Arbeitstage? Gibt es eine 40 Stunden-Woche und eine Zeit, in der das Handy ausgeschaltet wird?

Moll: „Ich war immer ein Mensch, der eigentlich einen 48-Stundentag gebraucht hätte, um meine Aktivitäten besser unterzubringen. Ob nun als Stadtrat, Kreisrat und parallel Fußballtrainer im Verein und DFB. Soll heißen, dass die vorhandene Belastung mir körperlich nicht allzu viel ausmacht. Wichtig ist auf alle Fälle eine sehr tolerante Ehefrau, die einem in den privaten Dingen den Rücken freihält. Die kommen oftmals zu kurz, weil ich einfach nicht zu Hause bin und das regeln könnte. Meine Kinder sind mit 29 und 26 Jahren aus dem Gröbsten raus und haben mit ihren Partnern eigene Wohnungen. Eine 40-Stunden-Woche wird kein hauptberuflicher Bürgermeister haben. So über den Daumen gepeilt würde ich sagen: ca. 70 Stunden und mehr in Sitzungswochen. Mein Handy ist, seit ich es habe, immer eingeschaltet.

Was wünschen Sie sich für die nächsten 111 Tage?

Moll: „Gesundheit für meine Lieben und mich und natürlich auch für alle Lechbrucker Bürger. Und es wäre schön, wenn vielleicht in ein paar Jahren niemand mehr über Corona sprechen müsste und wir in unserer Gemeinde wieder normale Abläufe bei sämtlichen Veranstaltungen erleben dürften. Das schlägt mir eigentlich derzeit am meisten aufs Gemüt.“

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