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Leere Kassen: Altes Landratsamt in Füssen soll zum Verkauf angeboten werden

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Von: Matthias Matz

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Altes landratsamt Füssen
Das alte Landratsamt in der Augsburger Straße mit 2000 Quadratmetern Gewebefläche soll zum Verkauf ausgeschrieben werden. Ob tatsächlich verkauft wird, muss dann allerdings der Stadtrat entscheiden. © Matthias Matz

Füssen - Die Stadtverwaltung will das alte Landratsamt in der Augsburger Straße verkaufen. Das letzte Wort wird aber der Stadtrat haben.

Es ist das Wahrzeichen einer längst vergangenen Ära, als die Stadt Füssen noch die höchstgelegene Kreisstadt im Freistaat Bayern war: das alte Landratsamt in der Augsburger Straße 15, ehemals sogar Königliches Bezirksamt. Obwohl das imposante Gebäude zwar schon lange keine Verwaltung mehr beherbergt, ist es nach wie vor im Besitz der Kommune. Das soll sich nun ändern: Mit deutlicher Mehrheit (vier Gegenstimmen) hat der Stadtrat am Dienstagabend erneut entschieden, die Liegenschaft zum Verkauf auszuschreiben. Tatsächlich veräußert werden soll die Gewerbeimmobilie aber nur, wenn der Preis stimmt und der Stadtrat zustimmt.

Mit dem Beschluss vom Dienstagabend bestätigte das Gremium praktisch eine Entscheidung vom Dezember. Schon damals hatten sich die Räte grundsätzlich für einen Verkauf der Liegenschaft ausgesprochen. Da die Freien Wähler zuletzt aber die Meinung vertraten, dass es für den Verkauf noch keinen bindenden Beschluss gebe, musste am Dienstag im Haus Hopfensee erneut abgestimmt werden.

Auf dem Markt angeboten werden soll demnach das Gebäude mit 2000 Quadratmetern Gewerbefläche sowie ein Großteil (2800 Quadratmeter) des dazugehörigen Grundstücks mit den rückwärtigen Parkplätzen. Der aktuelle Bodenrichtwert liegt laut Stadtverwaltung bei 500 Euro pro Quadratmeter. Ein Gutachter taxiere den Gesamtwert von Gebäude und Grundstück auf rund 6,5 Millionen Euro. Diese sind bereits im Haushalt des laufenden Jahres eingeplant. Ob dieser Preis tatsächlich erzielt werden kann, soll nun mit der Ausschreibung herausgefunden werden. „Wir können ja nicht unter Wert verkaufen“, legte Hauptamtsleiter Peter Hartl das Ziel fest. Das letzte Wort wird ohnehin der Stadtrat haben, der final über den Verkauf entscheiden soll.

Nicht verkauft werden sollen hingegen die Grünflächen zwischen Eingangsbereich und Augsburger Straße bzw. der Dr. Samer Straße. Diese müssen eventuell zu einem späteren Zeitpunkt für den Ausbau der Kreuzung herangezogen werden, erläuterte Hauptamtsleiter Peter Hartl den Stadträten.

Hoher Zuschussbedarf

Hartl verwies nochmals darauf, dass die Verwaltung sich aus finanziellen Gründen von der Liegenschaft trennen will. Denn zum einen muss das zum Teil bereits 1908 gebaute Gebäude für geschätzt rund eine Million Euro saniert werden, zum anderen bezuschusst die Stadt den Betrieb der Immobilie trotz Vermietung an Arztpraxen und andere Einrichtungen jährlich mit 50.000 Euro. „Aktuell bzw. in den letzten Jahren seit 2010 hat die Stadt Füssen dieses Gewerbeobjekt mit insgesamt knapp 700.000 Euro aus dem allgemeinen Haushalt der Stadt Füssen bezuschusst“, heißt es dazu in den Unterlagen der Verwaltung. Darin enthalten seien bisher aber weder die Kosten für Abschreibungen und Verzinsung, noch die Personal- und Verwaltungskostenanteile. Darüber hinaus habe die Stadt in den vergangenen zwölf Jahren fast 1,4 Millionen Euro in die Ertüchtigung des Gebäudes gesteckt.

Wie Hartl weiter berichtete, werde die Stadt künftig wegen der fälligen Sanierung einen deutlich höheren Zuschuss als bisher zahlen müssen, sollte es nicht gelingen, die Mieten anzupassen. Diese liegen mit derzeit monatlich 7000 Euro kalt für 2000 Quadratmeter deutlich unter den üblichen Vergleichsmieten (der Kreisbote berichtete in der Vergangenheit mehrfach). „Bei einer durchschnittlichen Gewerbemiete von 8,50 Euro müsste sich eine monatliche Mieteinnahme von rund 18.000 Euro, also mehr als die doppelte Höhe, ergeben“, steht dazu in der Sitzungsvorlage. Deutlicher formulierte es der Hauptamtsleiter während der Sitzung: „Bei der Miete müsste deutlich mehr kommen!“

Eine Mieterhöhung wird nach Hartls Einschätzung in den kommenden Jahren aber nur teilweise möglich sein. Denn bekanntlich hat der Hauptmieter, eine Arztpraxis, in der Vergangenheit hohe Investitionen in das Gebäude getätigt, für die die Verwaltung noch unter Ex-Bürgermeister Paul Iacob (SPD) im Gegenzug eine Mietminderung sowie eine Mietfestschreibung bis zum Teil ins Jahr 2032 vereinbart hatte. Das Landgericht Kempten hatte im Herbst vergangenen Jahres die Gültigkeit dieser Verträge nach einer Klage der Stadt bestätigt (der Kreisbote berichtete).

SPD appelliert

Zweiter Bürgermeister Christian Schneider (Füssen-Land) appellierte dennoch, nochmals das Gespräch mit den Vermietern zu suchen. „Denn womöglich müssen die bei einem neuen Eigentümer raus. Dann haben sie auch nichts gewonnen.“ Davon abgesehen sei der vorgeschlagene Weg der Verwaltung „ein guter Weg, dass wir jetzt mal schauen, ob 6,5 Millionen Euro raus kommen.“

Gegen den Verkauf positionierte sich Erich Nieberle von der SPD. „Vom Tafelsilber sollten wir uns nicht verabschieden“, appellierte er. Ihm erschließe sich nicht, warum die Stadtverwaltung die Liegenschaft nicht genauso erfolgreich betreiben könne wie ein privater Betreiber. „Mit einem Gebäudemanagement sollten wir das in den Griff bekommen.“

Für die Füssener Freien Wähler signalisierte Fraktionsvorsitzende Christine Fröhlich, abgesehen von einer Änderung am Beschlussvorschlag, grundsätzliche Zustimmung für den Antrag der Verwaltung. „Wir würden da mitgehen, damit man sieht, welche Angebote es gibt“, sagte sie.

Trotz seines Alters steht das Gebäude übrigens nicht unter Denkmalschutz, wie eine Anfrage von Nicole Eikmeier (CSU) ergab. Das bedeutet: ein neuer Eigentümer könnte das ehemalige Landratsamt auch ohne weiteres abreißen.

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