Corona-Krise: Hohe Nachfrage nach Büchern

Lese-Lust statt Lockdown-Frust: Füssener Stadtbücherei verleiht 2020 so viele Bücher und Medien wie noch nie

Monja Unland
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Bücherei-Mitarbeiterin Monja Unland im Januar vor einer der Lieferfahrten der Stadtbibliothek. Dieses Angebot sowie Click & Collect haben mit zu den hohen Ausleihezahlen der Einrichtung beigetragen.
  • vonMatthias Matz
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Füssen – Der Lockdown-Frust hat im vergangenen Jahr neue Lese-Lust bei vielen Füssenern geweckt: Mit annähernd 136.200 Ausleihungen von Büchern und anderen Medien verzeichnete die Stadtbibliothek 2020 rund 2500 mehr als im Jahr davor. „Das ist ein gutes Zeichen”, freute sich Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) jetzt im Kulturausschuss über diese von Kulturamtsleiterin Karina Hager vorgelegten Zahlen. Für die Mitarbeiterinnen der Bücherei bedeuteten sie jedoch viel Arbeit.

Denn möglich war der Betrieb der Bibliothek im ersten Corona-Jahr nur mit einem ausgeklügelten Hygiene-Konzept, das die Mitarbeiterinnen insgesamt acht Mal seit Beginn der Krise wegen neuer Vorschriften ändern mussten. Zu diesem Konzept gehört auch eine zweitägige „Quarantäne” für zurück gegebene Bücher mit intensiver Desinfektion. Und von diesen zurück gegebenen Büchern oder anderen Medien wie Hörbücher oder E-Books gab es im vergangenen Jahr viele: Insgesamt 136.167 Medien liehen die Füssen sich trotz einer zwölfwöchigen Schließung während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr aus.

Oder anders formuliert: täglich besuchten im Durchschnitt zwar nur 138 Kunden die Bücherei (2019: 199), die aber nahmen 903 Medien mit (2019: 732). „Da steckt ein enormer Aufwand dahinter”, so Hager. Auffällig ist: vor allem die nachfrage nach digitalen Medienangeboten ist in den vergangenen drei Jahren enorm gestiegen, berichtete die Kulturamtsleiterin. Maßgeblichen Anteil an den hohen Ausleihezahlen hatten nach ihrer Einschätzung neben der Gesamtsituation vor allem die Angebote der Bibliothek. So konnten Bücher und Medien sowohl über „Click & Collect” ausgeliehen werden als auch über einen eigens eingerichteten Lieferservice (der Kreisbote berichtete).

Weniger Veranstaltungen

Nichts desto trotz war die gesamte Arbeit des Füssener Kulturamtes im vergangenen Jahr durch die Corona-Krise gezeichnet. „Die Kultur ist von der ganzen Situation sehr stark betroffen”, sagte Hager. So fanden mit 65 deutlich weniger Veranstaltungen statt als im Vorjahr mit 191.

Obwohl es derzeit noch völlig ungewiss ist, wann wieder ein Normalbetrieb der Bibliothek möglich sein, arbeiten Hager und ihr Team eifrig an einigen Projekten. So soll unter anderem die Kinderbibliothek in diesem Jahr einen neuen, frischeren Auftritt unter dem Thema „Wald” bekommen. Die Kosten dafür werden auf knapp 15.000 Euro geschätzt, wobei mit Zuschüssen in Höhe von 5000 Euro zu rechnen ist.

Sobald es die Corona-Krise zulässt, sollen außerdem zusätzliche Öffnungszeiten ohne Beratungsservice angeboten werden. Das Bücherei-Personal wird dann zwar vor Ort sein, aber mit anderen Arbeiten beschäftigt sein. In einem weiteren Schritt soll die Bücherei künftig auch gänzlich ohne Personal in den Abendstunden und am Wochenende zugänglich sein. Dieses digitale „Open-Library“-Konzept soll im Rahmen des „Smart Citys“-Projekts umgesetzt werden.

Darüber hinaus ist eine Kooperation mit der Realschule geplant, etwa was Führungen, Praktika oder Recherchetrainings anbelangt. Ein Erklärvideo zur Literaturecherche für den Distanzunterricht ist laut Hager bereits online, eine weitere Rechercheschulung sei in Arbeit.

Von den anwesenden Kulturausschuss-Mitgliedern erhielten Hager und das Bücherei-Team viel Lob. „Eine tolle Arbeit in dieser schweren Zeit”, beglückwünschte Bürgermeister Eichstetter die Kulturamtsleiterin. Dank für das Engagement gab es auch von SPD-Stadträtin Ilona Deckwerth. „Ein Dankeschön für die tolle kulturelle Arbeit und die pfiffigen Ideen!”, sagte sie. „Jeder Euro, den wir in diesem Bereich ausgeben, ist gut angelegtes Geld.”

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