Lesegebühr wird mehr als verdoppelt

Auch die ehemalige Orangerie gehört jetzt zur Bibliothek. Für das bessere Angebot verlangt die Stadt bald mehr Gebühren von den Nutzern. Foto: Schuster

Größer, besser, vielseitiger ist die Stadtbibliothek seit sie renoviert und um das Doppelte vergrößert wurde. Das hat seinen Preis: 20 Euro jährlich statt wie bisher neun Euro soll der Leseausweis künftig kosten. Das hat am Dienstag der Haupt- und Finanzausschuss beschlossen, der Stadtrat muss noch zustimmen. Schüler und Studenten sind aber wie bisher auch befreit, zudem führte der HFP eine Familienkarte ein und es gibt einen Rabatt für Bedürftige.

560.000 Euro hat die Stadt seit 2004 in die Bücherei investiert, wie Bibliotheksleiterin Sabine Frey im Ausschuss erläuterte. Erst im vergangenen Jahr bekam die Bildungsstätte neue Räume innerhalb des Klosters hinzu, die – auch für die Bayerische Landesausstellung – zuvor renoviert worden waren. Die Zahl der Medien sei in den vergangenen Jahren von 21.000 auf 27.000 angestiegen, so Frey. Sie halte deswegen die vorgeschlagene Erhöhung der Leihgebühr von bisher neun auf nun 20 Euro jährlich für gerechtfertigt. Schüler und Studenten sollen weiterhin kostenlos die Bücher- ei nutzen, sozial bedürftige Menschen sollen zehn statt 20 Euro bezahlen, lautete der Vorschlag. Bisher nehme die Bibliothek jährlich 12.500 Euro ein – 8500 an Lese- und 4000 Euro an Mahngebühren. Wieviel die angehobenen Lesegebühren ins Stadtsäckel spülen werden, ist jedoch ungewiss: laut Frey sei mit einem „starken Ausweichverhalten“ zu rechnen. Sprich: Mehrere Bibliotheksnutzer leihen auf eine Karte aus, etwa Ehepartner. Das sei auch jetzt schon oft der Fall, kontrollieren könne die Verwaltung das aber nicht. „Durch die Selbstverbuchungsautomaten haben wir keine Kontrollmöglichkeit“, erklärte Frey. Eine Familienkarte, die etwa Ehepart- ner zusammen nutzen können, soll für 30 Euro jährlich ganz neu eingeführt werden. Gäste sollen künftig fünf Euro bezahlen. Stadtrat Lothar Schaffrath (SPD) hörte nach eigenen Angaben bereits den Aufschrei aus der Bevölkerung, wenn die Gebühren auf einen Schlag mehr als verdoppelt werden. Er plädierte für eine Anhebung auf 18 Euro, bei der man später noch nachsteuern kann. „Seine Fraktionskollegin Hannelore Semmlin-Leix könne aber mit den 20 Euro leben, weil auch ein Rabatt für sozial Bedürftige vorgesehen sei. Als „bisher viel zu billig“ bezeichnete Michael Wollnitza (FW) die alten Gebührensätze. „Wir haben nicht nur ein freundliches, sondern auch ein kompetentes Personal in der Bibliothek“, lobte er. Stadtrat Niko Schulte (CSU) fragte, ob man nicht die Personalkosten senken könne, schließlich mache die Bücherei unterm Strich über 100.000 Euro Verlust im Jahr. „Wir haben einen Bildungsauftrag“, verteidigte Frey, und auch Bürgermeister Paul Iacob (SPD) die hohen Kosten. „Wenn die Bibliothek nicht zu einem elitären Instrument werden soll, dann haben wir ein Defizit“, gab er an. Die Verwaltungsaufgaben seien laut Büchereileiterin Frey im vergangenen Jahrzehnt gestiegen, „die Ausleihungen haben sich seit 2000 verdrei- facht“. Eine nennenswerte Personalerhöhung habe es jedoch nicht gegeben. Wünschenswert wäre es aus ihrer Sicht, die Bibliothek auch am Samstag zu öffnen, um vor allem den Familien entgegen zu kommen. Personell sei das jedoch nicht machbar. Heinz Hipp (CSU) brachte die Idee ein, denjenigen Gästen, die eine KönigsCard haben, kostenlos das Lesen zu ermöglichen. Entsprechende Verhandlungen soll die Verwaltung führen. Nicht gerüttelt wird an den Fernleihgebühren, mit denen man aus den Bibliotheken anderer Städte Bücher anfordern kann. Die betragen zwar nur einen Euro, hinzu kommt jedoch das Porto, das der Nutzer tragen muss. Vor allem Schüler, die Facharbeiten abfassen sollen so auch im Allgäu, an Fachbücher herankommen, die die Füssener Bücherei nicht führt.

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