"LeseZeit": Martin Harbauer liest aus Jack Londons bedrückendem Stück "Die Zwangsjacke"

Eine Anklage gegen Grausamkeit

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Große Literatur: Martin Harbauer liest in der Orangerie aus Jack Londons „Die Zwangsjacke“ vor.

Füssen – „Dieser Roman hat mich komplett umgehauen, als ich ihn das erste Mal las“, gab Martin Harbauer bei der jüngsten „LeseZeit“ in der Stadtbibliothek zu. Dort trug er den rund 30 Besuchern Teile aus „Die Zwangsjacke“ von Jack London vor. Ein bedrückender Stoff und gleichzeitig große Literatur.

Während der Schauspieler und Sprechlehrer dem Publikum so knapp zwei Stunden lang ein „weithin unbekanntes Werk“ des amerikanischen Schriftstellers vorstellte, mag es dem ein oder anderen Zuhörer ähnlich ergangen sein wie Harbauer „vor etwa 20 Jahren“. 

Berichtet London in seiner eindeutigen Anklage gegen Grausamkeit und Folter doch als der Ich-Erzähler Darrell Standing, der für einen Mord zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt wird. Dabei schreibt London phasenweise fast schon obszön detailliert über kaum vorstellbar grausame und abscheuliche Bestrafungsmaßnahmen in St. Quentin. 

Im Zuge dessen brachte Harbauer dem Auditorium mit Londons Worten beispielsweise nahe, wie der Protagonist, wiederholt tagelang in eine Zwangsjacke eingeschnürt, in einer Dunkelzelle grausamsten Qualen ausgesetzt war. Auf diese Weise lernt er allerdings allmählich „Schmerz zu verachten“.

Daneben entwickelt Standing auch die Fähigkeit, sein Bewusstsein von seinem Körper abzuspalten sowie die Unsterblichkeit der Seele zu erleben. 

Freude auf ein neues Leben 

Schließlich münden seine Gedanken über das Leben, die Liebe und die Moral darin, dass er sagt: „Starke Geister lassen sich nicht beugen.“ So freut sich Standing am Ende darauf, quasi die Reise in ein neues Leben anzutreten, nachdem er zum Tode verurteilt worden war, weil er einem Wärter die Nase blutig geschlagen haben soll.

Alexander Berndt

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