Liberale diskutieren "Baustellen"

Kreisrat Rudolf Leinweber (v.l.), Vorstandsmitglied Ingo Baier, der nun parteilose Stadtrat Dr. Bernd Rösel – hier bei seinem gesundheitspolitischen Vortrag - und der frühere Stadtrat und stellvertretende Vorsitzende Dr. Gunther Zahn leiteten die Diskussion beim Dreikönigstreffen in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden Peter Geschwindener. Foto: cf

Für die Füssener Liberalen gab es im „Haus der Gebirgsjäger“ beim von weit über 30 Teilnehmern besuchten Dreikönigstreffen – traditionell später als der Feiertag veranstaltet – gleich mehrere heiße lokale Themen und „Baustellen“ in der Stadt, über die drei Stunden sachlich diskutiert wurde. So ging es auch um das geplante Einkaufszentrum Theresienhof, das Mitterseebad und das Wasenmoos. Stadtrat Dr. Bernd Rösel nahm zudem zu seinem Austritt aus der FDP Stellung.

Beim Thema Theresienhof war es FDP-Urgestein und Kreisrat Rudolf Leinweber, der über die Position des Ortsverbands Füssen sagte: „Dieses Grundstück hat etwas Besseres verdient als ein Einkaufszentrum mit unbekannter Zukunft.“ Zuvor hatte aus den Reihen der Gäste Rudolf Vieweger – auch im Namen seiner Mutter Maria als Anwohnerin – das Kaufhaus-Projekt in der Diskussion mit scharfen Worten kritisiert. Vieweger legte dem KREISBOTE die Kopie eines „Antrags auf kommunalrechtliche Prüfung“ vor, der auf den Bebauungsplan der Stadt Füssen bezogen ist. In diesem von Marie Vieweger gestellten Antrag an das Landratsamt Ostallgäu wird um eine „kommunalrechtliche Prüfung“ bezüglich des Zustandekommens und der „gesetzlichen Ordnungsmäßigkeit“ der entsprechenden Beschlüsse im Stadtrat zum Bebauungsplan N 50 Theresienhof ersucht. Stadtrat Dr. Bernd Rösel sagte in diesem Zusammenhang, dass er für das Projekt aufgrund einer „eindrucksvollen“ Marketing-Präsentation“ gestimmt habe, jedoch inzwischen durchaus die Risiken erkenne, die mit diesem neuen Kaufhaus verbunden sein könnten. Für Vieweger hingegen gibt es da gar keinen Zweifel: „Der Theresienhof ist nicht zum Nutzen dieser Stadt.“ Kritik an Bundespolitik Rösel, der wegen der Bundespolitik der Liberalen aus der FDP ausgetreten ist, sein Mandat jedoch als Parteiloser im Stadtrat behält, machte in seinem Vortrag und nach der Veranstaltung gegenüber dem Kreisbote deutlich: „Als praktischer Arzt, der zu seinen Patienten ein Vertrauensverhältnis hat und gewiss nicht in erster Linie eine Geschäftsbeziehung, muss ich die liberale Gesundheits- und Wirtschaftspolitik stark kritisieren.“ Es treffe zwar zu, dass die Arbeitslosigkeit weiter abgebaut werden konnte, „aber die Folge heutiger Politik sind viele stressbedingte Erkrankungen. Das erfahre ich täglich in meiner Praxis.“ Der Austritt aus der FDP habe nichts mit dem Ortsverband zu tun. „Mit der Füssener FDP und mir gibt es keine Probleme.“ Dr. Gunther Zahn bestätigt das weiterhin gute Verhältnis zu Rösel. „Wir bedauern den Schlusspunkt einer Entwicklung, die sich abgezeichnet hat. “ Der 47-jährige Füssener Arzt plädiert für eine den Bürgern dienende „wohnortnahe medizinische Versorgung“. Er hat jedoch die Befürchtung, dass insbesondere kleine Krankenhäuser unter dem zunehmenden Druck der „Fallzahlen“ aufgeben müssen: sie würden geschlossen oder privatisiert fortgeführt, weil sie im Vergleich zu den großen Häusern ökonomisch ohne Chance sind. Rösel: Denn auch die aktuelle Gesundheitspolitik lasse keinen „echten Wettbewerb“ zu. Die Kreisräte Andreas Rösel und Rudolf Leinweber sehen für das Krankenhaus in Füssen allerdings gute Zukunftschancen: dann, wenn es sich aus dem Verbund mit den anderen Häusern löse. „Im künftigen Bürgerentscheid könnten entsprechende Weichen gestellt werden“, so Andreas Rösel. Im Kreisrat selbst, dem er mit Leinweber angehört, seien die Mehrheitsverhältnisse so, dass sich die FDP nur dem „Abnicken“ verweigern könne. Unverständnis darüber, dass „ein Juwel“ (Leinweber) wie der von den Füssenern schon immer gern besuchte Mittersee in Bad Faulenbach im Schmuddel-Zustand belassen werde, äußerten die Teilnehmer der Veranstaltung angesichts der Doku-Fotos, die die Runde machten. Hermine und Werner Bruns – hier Pächter im 13. Jahr – machten an Beispielen aus Bad Faulenbach und seinen Freibädern ihren Unmut über die Stadtverwaltung deutlich. Mit einer Unterschriftenliste sollte auf die Situation am See im Abseits aufmerksam gemacht werden, schlug Kreisrat Andreas Rösel vor. Ein weiteres Thema, das unter den Nägeln brennt und im Landratsamt ganz anders als in Füssen gewünscht nach Jahren endlich abgehakt vom Tisch sollte: natürlich das „Wasenmoos“. Hannes Schäfer, Sprecher der Initiative, dankte Stadtrat Rösel für seinen Einsatz, dass es doch noch zu einer für die hier Betroffenen, die Stadt und das Landratsamt zufrieden stellenden Lösung kommen könne.

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