1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Füssen

Liegen die Patienten im Ostallgäu mit oder wegen Corona im Krankenhaus?

Erstellt:

Von: Kai Lorenz

Kommentare

Patient auf Intensivstation
Ob ein Patient mit oder wegen Corona behandelt wird, macht für die Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren keinen Unterschied. © panthermedia/sudok1

Landkreis – Werden Patienten mit oder wegen Corona im Krankenhaus behandelt. Spätestens seit der Omikron-Variante ist diese Frage entscheidender denn je.

Menschen mit Herzinfarkt, nach einem Unfall oder mit Beinbruch – in der Omikron-Welle häufen sich in den Krankenhäusern die Fälle von Menschen, die positiv auf Corona getestet, aber aus völlig anderen Ursachen dort in Behandlung sind. So auch in den Kliniken Kaufbeuren-Ostallgäu. Dennoch fließen die von den Krankenhäusern an das Gesundheitsamt gemeldeten positiven Coronafälle in die Hospitalisierungsinzidenz (siehe Infokasten) mit ein. Und die ist aktuell Gradmesser für die Anpassung der bundesweit geltenden Corona­schutzmaßnahmen, die wiederum das Leben aller beeinflussen. Der Kreisbote hat im Klinikverbund Ostallgäu-Kaufbeuren und beim Bundesgesundheitsministerium nachgehakt, wie hier mit der Differenzierung umgegangen wird und welche Auswirkungen diese hat.

Denn mangelnde Differenzierung könnte die Interpretation der Lage in den Krankenhäusern in den nächsten Wochen erschweren, warnen Kritiker. Andere halten die Unterscheidung für nicht so wichtig, da sie für die Belastung der Kliniken keinen Unterschied machen. So sieht es auch der Klinikverbund Ostallgäu-Kaufbeuren: „Für die Krankenhausbelegung und für den Ressourcenverbrauch im Krankenhaus macht es für uns daher keinen Unterschied, ob ein Patient mit oder wegen Corona behandelt wird“, heißt es hierzu auf Anfrage unserer Zeitung vonseiten der Klinik.

Doch wie geht der Klinikverbund Ostallgäu-Kaufbeuren mit seinen Krankenhäusern in Kaufbeuren, Buchloe und Füssen bei der Erfassung von Patienten vor?

Wie eine Kliniksprecherin dem Kreisboten auf Anfrage bestätigte, wird im Vorfeld einer geplanten Aufnahme das individuelle Risiko eines Patienten mit einer umfassenden Checkliste abgeklärt. Dies geschieht einige Tage vor Beginn des Krankenhausaufenthaltes. Erfragt wird von den Mitarbeitern unter anderem, ob bestimmte Symptome vorliegen oder ob es Kontakt zu Corona-Infizierten gab. Darüber hinaus wird jeder Patient vor einer stationären Aufnahme auf das Covid-19 Virus getestet.

„Die Patienten werden also klar von ärztlich-medizinischer Seite her eingeordnet“, heißt es dazu vonseiten der Klinik. Wie viele Patienten, die eigentlich gar nicht wegen Corona ins Krankenhaus kamen, dort aber ohne Symptome positiv auf Covid-19 getestet wurden, offiziell beim Gesundheitsamt als Covid-19-Patienten geführt werden, beantworte der Klinikverbund nicht. Die Kliniken räumen aber ein, „dass die überwiegende Mehrheit der Covid-Patienten auch aufgrund einer symptomatischen Corona-Infektion, wie zum Beispiel einer Lungeninfektion, behandelt wird“. Eine Minderheit seien hingegen Covid-positive Patienten, die aufgrund anderer Ursachen, wie beispielsweise einem Herzinfarkt oder einem Unfall im Klinikum behandelt werden müssen.

Wenige Ausnahmen

Darüber hinaus gebe es aber auch wenige Ausnahmefälle, bei denen eine klare klinische Einordnung schwierig sei, beispielsweise bei einem Beinbruch und zugleich einem durch Covid geschwächten Körper. Fast alle Fälle lassen sich jedoch eindeutig zuordnen, ob sie mit oder wegen Corona behandelt werden müssen, so die Klinik.

Hoher Aufschlag

Doch finanziell macht es für ein Krankenhaus einen Unterschied, ob jemand mit oder ohne Corona behandelt wird. Wie eine Sprecherin des Bundesministeriums für Gesundheit dem Kreisbote mitteilte, erhalten Krankenhäuser für coronabedingte Mehraufwendungen einen zeitlich befristeten Versorgungsaufschlag, der für die Zeit vom 1. November 2021 bis zum 19. März 2022 gewährt wird. Die Höhe des Versorgungsaufschlags beträgt je Krankenhaus in Abhängigkeit insbesondere von dessen jeweiligen Aufwand in der vollstationären Versorgung von Patienten zwischen 4500 und 9500 Euro pro Patient. Der Anspruch des Krankenhauses auf den Versorgungsaufschlag besteht für alle stationär behandelten Patienten mit labordiagnostisch bestätigter SARS-CoV-2-Infektion.

Hintergrund

Was ist die Hospitalisierungsinzidenz?

Die Hospitalisierungsinzidenz weist die hospitalisierten COVID-19-Fälle unter den in den letzten 7 Tagen gemeldeten Fällen bezogen auf 100.000 Menschen aus. Die Angaben können nach Altersgruppe und Bundesland aufgeschlüsselt werden.

Wie wird die Hospitalisierungsinzidenz erhoben?

Die Krankenhäuser sind verpflichtet, Hospitalisierungen in Bezug auf COVID-19 an das jeweilige Gesundheitsamt zu melden. Der Grund für die Aufnahme im Krankenhaus muss in Zusammenhang mit der COVID-19-Erkrankung stehen. Die Meldung ans Gesundheitsamt muss innerhalb von 24 Stunden nach Aufnahme erfolgen.

Quelle: Bundes Gesundheitsministerium

Hintergrund ist, dass in dem genannten Zeitraum die Belastung der Krankenhäuser durch die Behandlung von mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten und Patienten besonders hoch war und ist beziehungsweise voraussichtlich besonders hoch sein wird. „Der Versorgungsaufschlag zielt darauf ab, Krankenhäuser zu unterstützen, deren interne Arbeitsabläufe durch ansteigende Behandlungszahlen von mit dem Coronavirus SARS-CoV-2-infizierten Patientinnen und Patienten belastet sind“, so die Sprecherin. Diese Belastung besteht unabhängig davon, ob Patientinnen und Patienten wegen einer SARS-CoV-2-Infektion stationär behandelt werden oder ob die Infektion anlässlich einer Behandlung wegen einer anderen Erkrankung festgestellt wird.

Auch interessant

Kommentare