Buchautor Frank Herrmann referiert zum Thema "Fair einkaufen"

Verbraucher in der Pflicht

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„Noch ist es nicht zu spät, der Ausbeutung in der Dritten Welt Einhalt zu gebieten – aber wir müssen schnell handeln“, so Frank Herrmann in seinem Vortrag zum fairen Handel.

Füssen – „In erster Linie sind die Verbraucher gefordert, etwas gegen den Raubbau an Mensch, Tier und Natur zu unternehmen.“ Das war der Kernsatz bei den Ausführungen von Frank Herrmann zum Thema „Fair einkaufen – aber wie?“ in der Orangerie der Stadtbibliothek.

Organisiert hatte das Treffen mit dem Diplom- und Betriebswirt, der viele Jahre in Lateinamerika gelebt hat und dort Kleinbauern-Kooperativen und Nichtregierungsorganisationen beraten hat, die Steuerungsgruppe „Faire Stadt Füssen“. Herrmann wies in einer breiten Palette auf die Missstände in der Kaffee-, Kakao-, Bananen- und Ananasproduktion sowie bei der Fabrikation von Kleidung hin. 

Anhand von Zahlen und unterstützt durch Bilder zeigte er Wege, wie man sich im Produkt- und Siegeldschungel zurechtfindet, um den Teufelskreis aus Tiefstpreisen und Dumpinglöhnen in den Erzeugerländern zu durchbrechen und der hierzulande grassierende „Schnäppchen-Mentalität“ Einhalt zu gebieten. „Es gibt viele Baustellen, aber wenn wir jetzt nichts ändern und uns entmutigen lassen – wann dann? – auch in Verantwortung für unsere Kinder und Enkel“, appellierte Hermann. 

Erschreckende Bilder 

Außerdem sollten die westlichen Verbraucher ein waches Auge darauf haben, wohin unsere angelegten Gelder fließen, denn vielfach würden sie missbräuchlich zur Finanzierung von Waffen und Minen genutzt. In seinem Vortrag zeichnete er zum Teil erschreckende Bilder aus den Ländern der Dritten Welt, wo für unseren Konsum unter menschenunwürdigen Umständen produziert werde. 

Das gelte für die Näherinnen in Kambodscha genauso wie für die Kleinbauern in Mittel- und Südamerika oder Westafrika. Überall seien es die Multis, die diese Menschen ausnutzen und deren Überleben „eine reine Glücksache ist“. „Wenn man überlegt, dass eine Näherin in Bangladesch bei 12 Stunden täglicher Arbeit, sechs Tage die Woche, im Monat maximal 40 Euro verdient und bei der Ernte von Kakaoschoten in Sierra Leone Kinder im Alter von zwölf Jahren missbraucht werden, sollte das schon nachdenklich machen“, so Herrmann. 

Der faire Handel sei ein Weg, die Machenschaften der Großindustrie einzudämmen und deren Einfluss zumindest offen zu legen, sodass – zumindest in kleinen Schritten – eine Änderung herbeigeführt werden kann. „Aber dazu braucht es einen langen Atem“, stellte Herrmann fest und appellierte an die Sensibilität und Hartnäckigkeit der Verbraucher beim Einkauf. 

Auch in punkto „Fair Reisen“ gebe es einen großen Nachholbedarf an umweltverträglichen Angeboten. Nicht selten würden in den ärmeren Ländern die grundlegenden Rechte der Bevölkerung umgangen und der Tourismuswirtschaft geopfert.

ed

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