Bahnsprecher: "Das ist ein komplexer Vorgang"

Eine Lösung für die Pfrontener Bahnübergänge rückt in greifbare Nähe

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Der Bahnübergang in der Badstraße soll endlich eine Schranke bekommen. Derzeit laufen die Abstimmungen mit den Grundstückseigentümern.

Pfronten – In dieser Woche findet die jährliche Hausmesse bei Deckel Maho statt. Für die Firmenleitung und Angestellten, aber auch für die Gemeinde bedeutet das, dass die Ereignisse des vergangenen Jahres wieder gegenwärtig sind: Damals kam ein leitender Angestellter des Konzerns auf dem Weg zu seinem Hotel bei einem Unfall ums Leben.

Am unbeschrankten Bahnübergang Badstraße erfasste ein Regionalzug das Auto des Mannes. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde nun die Einrichtung einer Schranke auf den Weg gebracht. Bürgermeisterin Michaela Waldmann legte den unterschriebenen „Vertrag über die Beseitigung von Bahnübergängen“ vor, den der Gemeinderat absegnete. 14 unbeschrankte Bahnübergänge zählt Pfronten auf einer Länge von vier Kilometern. Im Durchschnitt ist alle 285 Meter ein Bahnübergang vorhanden.

Der DMG Mori-Mitarbeiter, so berichtete seinerzeit die Polizei, fuhr mit seinem Auto auf der Badstraße Richtung Achweg und achtete vermutlich nicht auf die aus Richtung Pfronten-Ried heranfahrenden Regionalbahn. Er überquerte mit seinem Wagen den mit einem Andreaskreuz gekennzeichneten Bahnübergang, wo ihn der Zug frontal erfasste und das Auto mitsamt Fahrer nach rechts neben den Bahndamm schleuderte. 

Für den 47-Jährigen kam jede Hilfe zu spät. Er war auf der Stelle tot und musste mit einer Rettungsschere aus dem komplett zerstörten Fahrzeug geborgen werden. 

Das Unglück löste in der Gemeinde große Empörung aus. Die Lokalpolitik und auch das Unternehmen hatten bereits seit Jahren dort eine Bahnschranke gefordert. „Das ist schon über 20 Jahre ein Ansinnen der Gemeinde“, sagte Pfrontens Bürgermeisterin Michaela Waldmann. Deckel Maho-Geschäftsführer Alfred Geißler hatte sogar 2018 angeboten, eine Schrankenanlage für eben diesen Übergang mitzufinanzieren.

Nach dem Unfall kam plötzlich Bewegung in die Angelegenheit: Waldmann nahm erneut Kontakt mit der Bahn auf. Es kam zu einem Treffen zwischen der Bürgermeisterin und andere Politiker aus der Region mit dem bayerischen Bahnchef Klaus-Dieter Josel, um Lösungen in Angriff zu nehmen.

Die Bahn habe empfohlen, so Waldmann gegenüber dem Kreisbote, einen Maßnahmenkatalog zu schnüren. Nun wurde die Einigung erzielt, wie ein Bahnsprecher jetzt gegenüber unserer Zeitung bestätigte. Demnach sollen die Bahnübergänge an der Badstraße und am Panoramaweg offen bleiben, drei weitere, kleinere Bahnübergänge werden dagegen geschlossen (im Bahndeutsch: „aufgelassen“). Außerdem: „Für den Bahnübergang Badstraße ist die Einrichtung einer Halbschranke mit Lichtzeichenanlage vorgesehen“, erklärte der Konzernsprecher. „Dazu muss die Straße im Bereich des Bahnübergangs verbreitert und die Einmündung den aktuellen technischen Richtlinien angepasst werden. Wir benötigen dazu Grundstücke – und die Bereitschaft der Eigentümer, diese für das Vorhaben zu veräußern.“ 

Konzept muss her

Aus eben diesem Grund, sagte Bahn-Sprecher Michael-Ernst Schmidt in einem Interview mit dem BR, habe bisher keine Einigung mit der Gemeinde gefunden werden können. „Was wir brauchen, und was wir immer von der Gemeinde eingefordert haben, ist ein Gesamtkonzept. Es bringt nichts, einen einzelnen Bahnübergang nachzurüsten, dann passieren nämlich die Unfälle am nächsten.“ Die Statistik der Polizei scheint ihn zu bestätigen. 

Neben dem Unfall im vergangenen Jahr ereigneten sich in der Badstraße zwar noch drei weitere Unfälle mit Verletzten, jedoch gab es auch am beschrankten Übergang in der Meilingerstraße einen Unfall mit einem Lkw. 

Die lange Dauer des ganzen Verfahrens begründe sich mit dem komplizierten und vielschichtigen Planfeststellungsverfahren. Solche Planfeststellungsverfahren sind sozusagen die Genehmigungsverfahren für größere Infrastrukturvorhaben (z.B. Straßen, Eisenbahn- oder Stadtbahnen, Energieleitungen, Flugplätze, Gewässerausbauten), die eine Vielzahl von öffentlichen und privaten Interessen berühren. „Wir sind nicht in China, wo man was beschließt und morgen ist es gebaut“, sagte Schmidt, „wir brauchen öffentliche Grundstücke, wir brauchen auch Privatgrundstücke, dass ist eben ein komplexer Vorgang.“ 

Die Bahn habe immer mitgeteilt, dass eine solche Beschrankung eine Vorlaufzeit von fünf bis sechs Jahren benötige, bestätigte Waldmann. Mit dem Vertrag habe die Pfrontener Rathauschefin nun die Sicherheit, die DB für die Beseitigung der Gefahrenstellen als Partner für den angegebenen Zeitraum an der Seite zu haben. „Die Bahn hat sich damit für die Zusammenarbeit verpflichtet.“ 

Die größte Herausforderung sei nun, die Grundbesitzer davon zu überzeugen, das nötige Land an die Gemeinde zu verkaufen oder einen Kompromiss mit Tauschland einzugehen. Was heute sehr schwierig sei, erklärte Waldmann. Das sah auch der Bahnsprecher so: „Der Spielball liegt nun bei den Menschen in Pfronten. Wir brauchen deren Mitwirkung!“ 

Gespräche laufen

Laut dem Bahnsprecher laufen derzeit die Abstimmungen mit der Gemeinde und Grundstückseigentürmern für das Anlegen von Parallelwegen. „Wir hoffen bald formal die Planungsvereinbarung mit der Gemeinde unterzeichnen zu können und die Pläne anschließend zur Genehmigung beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) einreichen zu können. Dieses Rechtsverfahren wird nicht von der Deutschen Bahn geführt, auch haben wir keinerlei Einfluss auf diesen Zeitplan. Dieses Verfahren ist nach deutschem Recht zwingend vorgeschrieben – und gilt somit auch für Pfronten.“ 

Die Entscheidung, wie ein Bahnübergang zu sichern sei, trifft die DB grundsätzlich nicht alleine, so der Bahnsprecher weiter. Die Straßenbaulastträger, die Bundesbehörde Eisenbahn-Bundesamt und die Bahn sind gemeinschaftlich daran beteiligt. Da grundsätzliche an allen Bahnübergängen laut Straßenverkehrsordnung gilt, dass Schienenverkehr Vorfahrt hat, ist eine Sicherung mit Andreaskreuzen oder Umlaufsperren durchaus rechtens. 

Die Bahn appelliert darum an die Straßenverkehrsteilnehmer: „Seien Sie aufmerksam und beachten Sie die Verkehrsregeln! Über 90 Prozent der Bahnübergangsunfälle passieren wegen Unaufmerksamkeit, Leichtsinn oder Unkenntnis.“ Die Bahn sei froh, nun mit Pfronten in „sehr konstruktiven“ Gesprächen zu sein.

„Wir hoffen auf die Achtsamkeit der Verkehrsteilnehmer“, sagte Waldmann. Und nun gelte es, die Dinge in Angriff zu nehmen.

Selma Höfer

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