Ein Autogramm vom "Kini"

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König-Ludwig-Darsteller Sabin Tambrea (rechts) gibt im Kinosaal Autogramme.

Füssen – Sabin Tambrea, Hauptdarsteller des Films Ludwig II.,  war  am Sonntag zu Gast im Alpenfilmtheater, beantwortete die Fragen des Publikums der Nachmittags- und Abendvorstellungen und gab Autogramme. Mit dem KREISBOTE traf sich der Berliner Schauspieler ebenfalls um Gespräch.

Dass der 28-jährige Berliner sich mit der Figur des Märchenkönigs identifizieren konnte, merkte man ihm durchaus an. Mit der selben sanften Stimme, die er auch König Ludwig auf der Leinwand verleiht, bezeichnete er vor den Zuschauern im Alpenfilmtheater den König als „Mann auf der Flucht auf der Suche nach Liebe“ und „Ludwig II.“ als „einen Film wie ein Sternenhimmel“. Eine Lieblingsszene habe er nicht, auf das Gesamtwerk komme es ihm an. Auch die Filmmusik hatte es ihm offenbar angetan, mit Richard Wagner hat sich der Spross einer Musikerfamilie schon mit 15 befasst. „Wagner ist eine mächtige Waffe, die in jede Richtung gewendet werden kann, zum Guten wie zum Schlechten“, sagte Tambrea und man glaubte fast, den Märchenkönig aus dem Film sprechen zu hören. „Und welche Szene musste am häufigsten wiederholt werden?“, wollte ein Zuschauer wissen. „Die Kussszene!“ platzte es da aus Sabin Tambrea heraus. Gemeint war der Kuss mit seinem Filmpartner Friedrich Mücke alias Oberstallmeister Richard Hornig. „Aber nicht weil wir es so wollten“, fügte er lachend an. Der KREISBOTE traf ihn vorab zum Interview.

Herr Tambrea, Sie stammen aus Nordrhein-Westfalen und leben in Berlin. Was wussten Sie über den Bayern-König Ludwig II., bevor Sie von dem Filmprojekt hörten? 

Sabin Tambrea: „Nicht allzu viel. Ich hatte das übliche Klischee-Bild, das man von ihm hat – der Schlösserbauer, der Kunstliebende. Erst mit der Vorbereitung zum Casting habe ich mich tiefgründig mit seiner Person auseinandergesetzt.“ 

Sie haben sich gegen 370 Bewerber durchgesetzt und dazu ein Video und einen Brief eingesendet. Was war darauf zu sehen beziehungsweise darin zu lesen? 

Tambrea: „Ich habe einfach die Szenen aufgenommen, die auch die Vorgabe waren und dabei versucht, mein Bestes zu geben. Ich wusste, für meinen Eintritt in die Filmwelt ist dieser Film vielleicht meine einzige Chance. Ich habe schon sehr viele Absagen bekommen, weil ich zu groß war. Jetzt wurde explizit nach einem Schauspieler gesucht, der über 1,90 Meter groß ist. Ich wusste, jetzt muss ich Gas geben. Deshalb habe ich noch einen Brief beigelegt, in dem ich beschrieben habe, warum es mir persönlich wichtig ist, gerade diese Figur zu verkörpern.“ 

Wie betrachten Sie die Figur König Ludwig II.? 

Tambrea: „Ich sehe ihn als einen Visionär. Er hatte eine so weise Zukunftsvision, die er leider nicht umsetzen konnte, weil die Zeit noch nicht reif war. Auch heute sind wir noch nicht reif für solch eine edle Vision. Leider. Als König, mögen viele denken, war er nicht in der richtigen Position, aber er ist eine der schönsten Königsfiguren, die ich überhaupt kenne.“ 

Der Film entstand in nur 73 Drehtagen. Wie sah die Vorbereitung darauf aus? 

Tambrea: „In Deutschland werden Filme normalerweise in 30 Tagen gedreht. Wir hatten 73, das war schon Luxus. Wenn man aber betrachtet, dass wir 104 verschiedene Sets hatten, dann war es wiederum zu kurz. Dennoch hatte ich eineinhalb Jahre vom ersten Kontakt mit dem Projekt bis zur Zusage, da habe ich mich schon sehr gut vorbereitet. Dann hatte ich noch ein weiteres halbes Jahr, um wirklich alles zu tun, um Ludwig näher zu kommen.“ 

Welche Szenen wurden Ihnen bei den Castings abverlangt? 

Tambrea: „Da gab es die Probe zur Thronrede in einer früheren Version, den Dialog mit Wagner, wo Tichatschek umbesetzt wird und – in den Endrunden im Casting – die Kussszene mit Richard Horning.“ 

Wieviel Freiheit haben Ihnen Peter Sehr und Marie Noelle gelassen, solche Szenen zu gestalten? Etwa bei der Probe zur Thronrede, die doch sehr an einen Monolog im Theater erinnert. 

Tambrea: „Die Szene war schon genau durchgeplant und ich wusste, was ich zu tun hatte. Dennoch habe ich mich beim Dreh dieser Szene auch gelöst und gewisse Sachen improvisiert. Beispielsweise, dass ich Szepter und Reichsapfel gegen einen Globus und eine Lupe eintausche. Aber genauso war es im ganzen Film, wir hatten einen sehr respektvollen Umgang zwischen Regie und Schauspielern. Wir haben uns gegenseitig vertraut und uns auch überrascht.“ 

Sie haben im Film viele namhafte Partner. Können sie jemanden hervorheben, mit dem die Arbeit besonders toll war? 

Tambrea: „Tom Schilling. (als Prinz Otto – Anm. d. Red.) Mit Tom zu arbeiten war jedes Mal ein Erlebnis. Er ist ein so stiller faszinierender Mensch, aber wenn es heißt ,und bitte!', dann fängt er an zu zaubern. Da stand ich jedes Mal staunend daneben und konnte nicht fassen, was gerade passiert.“ 

Was würden Sie als Ihre größte Herausforderung an diesem Dreh bezeichnen? 

Tambrea: „Das Wagnis, bei einem Menschen, über den es so viele Bücher und so viele Filme gibt, nach neuen Seiten zu suchen. Jeder hier in Bayern, auch in ganz Deutschland und international, hat ein eigenes Bild von Ludwig. Da stellte ich mir die Frage, wie kann man all diese bestehenden Bilder bedienen und trotzdem etwas Neues zeigen?“ 

Was zeigt der Film Neues an der Figur König Ludwig? 

Tambrea: „Ich wollte Ludwig den Zuschauern als Privatperson näher bringen, ohne dass man vom Begriff des Königs davon abgehalten wird, ihn als solche zu akzeptieren. Für mich geht es hier nicht um einen König, es geht um einen Menschen, der in eine Situation gerät, die ihn völlig überfordert. Es geht um einen Menschen, der in der Außenwelt eine Funktion erfüllen muss, die nicht im Gleichgewicht steht zu seinen inneren Wünschen und Sehnsüchten. Und das ist etwas höchst Aktuelles, das jeder von uns kennt.“  ps

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