Entscheidender Faktor: Die Politik

Das Festspielhaus Füssen trifft die Krise besonders hart

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Füssen – Das Ludwigs Festspielhaus in Füssen ist im Gegensatz zu den meisten Bühnen in Deutschland ausschließlich privat finanziert. In den vergangenen fünf Jahren kämpfte der Betrieb hart um seine Existenz. Nun muss das Haus einmal mehr um sein Fortbestehen bangen. Alle Verantsaltungen sind vorerst abgesagt, die Türen des Hauses bleiben geschlossen.

Die aktuelle Situation stellt das Festspielhauses „vor noch nie dagewesene Herausforderungen“, berichtete Theaterleiter Benjamin Sahler auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die aktuelle Theaterschließunge ist zum Schutz der Gesundheit unumgänglich und werde vom gesamten Team zu 100 Prozent unterstützt. „Das Wohlergehen unserer Mitmenschen steht an allererster Stelle und wenn jemand in der gegenwärtigen Situation sagt, es gibt wichtigere Sorgen als das Einzelschicksal unseres Theaters, so stimmt sicherlich auch dies“, so Sahler. 

Dennoch sei die Lage für das das Haus, wie für die meisten privaten Bühnen existenzbedrohend. Denn es lebe ausschließlich von Ticketeinnahmen. Die Veranstaltungen als einzige nennenswerte Einnahmequelle wurden behördlich aber vorerst untersagt. Aktuell werden auch keine Tickets für die Zukunft verkauft, da niemand weiß, wann es weitergehen wird. „So gesehen stehen wir vor einer nahezu apokalyptischen Situation, was unser Theater betrifft.“

Arbeitsplätze erhalten

Das Festspielhaus ist ein Betrieb, der sich in einer solchen Situation nicht einfach komplett herunterfahren lässt, berichtete Sahler. Allein der Unterhalt des Gebäudes und die Wartung der Bühne verursachen hohe laufende Kosten, die weiter aufgebracht werden müssen. Die knapp 30 festangestellte Mitarbeiter des Theaters mussten größtenteils bereits in Kurzarbeit gehen. Das Ziel sei es jedoch, alle Arbeitsplätze zu erhalten und nach der Krise wieder voll durchzustarten.

Die Politik ist gefordert

Die Bemühungen des Hauses, davon sei auszugehen, werden nicht ausreichen. Es wird jetzt „sehr starke Unterstützung aus der Politik“ benötigt, betonte Sahler. „Von der kommunalen Ebene über die Landesebene bis hin zu den Versprechen des Bundes wird es nun darauf ankommen, ob den gutgemeinten Worten auch Taten folgen und Hilfs- und Fördergelder wirklich fließen werden!“ 

Neben all der Dramatik erlebe das Haus derzeit jedoch auch eine starke Solidarität und Unterstützung von vielen Seiten, so der Leiter. Das lasse hoffen, dass die Krise gemeinsam bewältigt werden kann und es nicht zu einem Ende des Ludwigs Festspielhaus komme. Der alles entscheidende Faktor sei dabei aber die Politik.

Im Gegensatz zu den meisten Bühnen in Deutschland leistete das Festspielhaus dies ausschließlich durch private Finanzierung. „Dabei haben wir bezüglich der Wirtschaftlichkeit in den letzten vier Jahren erhebliche Fortschritte gemacht und den Betriebsverlust im vergangenen Jahr auf ein Minimum reduziert. Wir waren fest davon überzeugt, in diesem Jahr erstmals eine ,schwarze Null‘ zu erreichen“, berichtete der Theaterleiter. Umso mehr treffe nun der aktuelle Rückschlag. Und umso mehr hoffe das Haus, dass sich ein Weg aus der Krise finden wird.

Rabattierte Gutscheine

Für die bereits abgesagten Veranstaltungen müssen die Ticketverkäufe nun rückabgewickelt werden. Aktuell biete das Haus seinen Kunden und Fans dafür zum einen Ersatztermine oder Gutscheine mit einer fünfjährigen Gültigkeit zum Tausch an, die für alle Musical-Eigenproduktionen des Hauses gültig sind. Jeder Einzelne könne das Festspielhaus mit dem Kauf eines rabattierten Gutscheins für die hauseigenen Musicals „Ludwig“, „Päpstin“, „Ring“ und „Zeppelin“ das Theater in dieser Krisenzeit unterstützen. 

Der Gutschein gilt jeweils für zwei Tickets, gleich für welches der Musicals, und ist je nach Preisklasse um bis zu 38 Prozent günstiger als der reguläre Ticketpreis. Der Gutschein ist fünf Jahre gültig. Als besonderes Dankeschön sei jedem Gutschein auch ein goldener „Solidaritätstaler“ beigelegt, erklärte Sahler. 

Weiteren Informationen dazu gibt es auf der Homepage unter www.das-festspielhaus.de oder unter Telefon 08362/507 777 7.

Selma Höfer

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