Wegen der Nähe des Flugplatzes zum gebauten Neubaugebiet hat der Luftsportverein Sorge wegen möglicher Klagen gegen Fluglärm

Allgäuer Dorf: Füssener Flieger fürchten um ihre Existenz

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Der Füssener Flugplatz ist der einzig verbliebene im Landkreis Ostallgäu. Nun fürchten die Füssener Flieger wegen des geplanten Neubaugebiets auch um ihn.

Füssen – Thomas Bäurle ist Vorsitzender des Luftsportvereins Füssen und in Sorge: „Durch so ein Szenario sieht sich die Pilotengemeinschaft am Fluglatz in ihrer Existenz bedroht“, so der Vereinschef. Das „Szenario“, das ist das geplante Neubaugebiet im Füssener Norden auf den Flächen des ehemaligen „Allgäuer Dorfs“.

In drei bis fünf Jahren sollen dort bekanntlich die ersten Bagger anrollen. Weil die Flugroute des benachbarten Füssener Flugplatzes genau über das geplante Wohngebiet führt, befürchten die Flieger Klagen künftiger Anwohner und damit über kurz oder lang das Aus für ihren Verein. „Die Politik ist in der Pflicht, die künftigen Eigentümer darauf hinzuweisen“, appelliert deshalb der LSV-Vorsitzende.

Wie bereits mehrfach ausführlich im Kreisbote berichtet, ist auf den Flächen im Füssener Norden bekanntlich ein neues modernes Stadtquartier geplant, das den Herausforderungen der Zukunft gerecht werden soll. Die Überlegungen sehen ein „Generationenübergreifendes Wohnen, Arbeiten und Leben“ vor. So sollen rund 60 Prozent der Fläche für Wohnen und 40 Prozent für Gewerbe genutzt werden. Von den Mietwohnungen – Ein- bis Vier-Zimmerwohnungen – sollen 40 Prozent im bezahlbaren Segment angeboten werden (der Kreisbote berichtete). Auf den geplanten Gewerbeflächen – die an der B310 entstehen könnten – soll ein Mix aus klassischem verarbeitenden Gewerbe, Medien- und Kreativwirtschaft sowie Dienstleistungsbetrieben entstehen. Angedacht ist, das neue Quartier Abschnitt für Abschnitt umzusetzen, wobei jeder Abschnitt für sich voll funktionsfähig sein müsse.

Luftsportverein ist alarmiert

Dass im Füssener Norden in wenigen Jahren Menschen leben sollen, hat jetzt den Luftsportverein alarmiert, der quasi gleich nebenan zusammen mit dem Flugsportverein Marktoberdorf und den Starrflügelpiloten der „Pfrontener Falken“ einen Flugplatz betreibt. Bei diesem handelt es sich um den einzigen noch verbliebenen Flugplatz im Ostallgäu. Die wichtigste Abflugroute von dort führt allerdings genau über das künftige Baugebiet, wie Vorsitzender Thomas Bäurle gegenüber unserer Zeitung erläuterte. 

Weil die Füssener Flieger üblicherweise bei Ostwind fliegen und mit Gegenwind starten müssen, gebe es auch keine andere Route. Und bei Westwind erfolge der Anflug auf den Flugplatz gleichfalls über das künftige Wohngebiet. „Diese Tatsache sollte allen politischen Entscheidungsträgern und Bauinteressenten bekannt gemacht werden“, so der LSV-Vorsitzende.

Die Vereinsmitglieder befürchten laut ihrem Vorsitzenden nämlich, dass künftige Anwohner in dem Neubaugebiet sich zu einer Initiative zusammen tun und gegen den Lärm des Flugbetrieb klagen könnten, obwohl dessen Existent schon vorher bekannt gewesen sei. Beispiele dafür gebe es genug. „Die Aufbauarbeit von Jahrzehnten könnte in ein paar Jahren bedroht sein.“ Zumal in der Vergangenheit die Abflugroute für Motormaschinen, Ultraleicht-Flugzeuge und Motorsegler wegen Lärmbeschwerden aus dem Bereich des „Allgäuer Dreiecks“ bereits auf die heutige Route geändert worden sei.

Leiser als Laubbläser

Dabei halte sich Lärm und Anzahl der Starts und Landungen auf dem Füssener Flugplatz in einem engem Rahmen. Bäurle spricht von durchschnittlich zwei bis drei Ultraleichtfliegern, Motorseglern und Schleppmaschinen, deren Geräuschpegel sich im Bereich von 60 bis 64 Dezibel bewege. „Ein Rasenmäher, ein Laubbläser oder der Straßenverkehr sind bereits um 20 Dezibel lauter, können also um den Faktor 100 lauter wahrgenommen werden“, erläutert Bäurle. Selbst in einem modernen Kompaktwagen wie dem neuen BMW 118d geht es bei Tempo 80 mit 65 Dezibel laut Messungen der Fachzeitschrift auto motor und sport bereits lauter zu.

Die Anzahl der Flugbewegungen und stationierten Flugzeuge sei außerdem durch die Platzgenehmigung festgeschrieben. „Insofern kann garantiert werden, dass sich der Geräuscheintrag nicht plötzlich und drastisch ändern kann“, erklärte der Vereinsvorsitzende. Auswärtige Flieger dürften den Landeplatz nur in seltenen Ausnahmefällen und mit Genehmigung anfliegen. „Mehr dürfen, können und wollen wir nicht!“

Allerdings wird das Füssener Flugfeld hin und wieder auch von den Hubschraubern der Bundespolizei, der Luftrettung und für die Erprobung der modernste Elektroflugzeuge genutzt, die in der heimischen Region entwickelt werden.

Nicht gegen Bauen

Der LSV-Vorsitzende betont, dass die Füssener Flieger in keinster Weise gegen den Bau von bezahlbaren Wohnungen an dieser Stelle seien – im Gegenteil. „Wir sind ja selber Einheimische und der ein oder andere hat bereits selber Erfahrungen mit dem Wohnungsmarkt in Füssen gemacht.“ Ihm sei aber wichtig, dass das Vorhandensein der Fliegerei und der damit verbundene Lärm allen Beteiligten und bewusst sein müsse. „Dies muss jedem Bauwerber klar sein und dies muss nach unserer Ansicht auch vertraglich festgehalten werden, um Auseinandersetzungen vorzubeugen“, fordert der LSV-Vorsitzende.

Bei der Füssener Stadtverwaltung rennt der Luftsportverein damit offene Türen ein, wie deren Sprecher Felix Blersch auf Anfrage desKreisbote erklärte. „Die Bedenken sind unbegründet“, sagte er. So sei zum einen angedacht, die Höhe der geplanten Gebäude im Bebauungsplan (B-Plan) so festzulegen, dass es keine Probleme mit den startenden oder landenden Fliegern geben werde. Zum anderen solle das Gebiet als „Urbanes Gebiet“ ausgewiesen werden, in dem – wie berichtet – auch Gewerbe angesiedelt werden soll. Das bedeute weniger strenge Lärmgrenzwerte als in einem reinen Wohngebiet. Die Gefahr, dass irgendwann einmal von den künftigen Anwohnern gegen den Flugplatz oder den Fluglärm geklagt werden könnte, bestehe kaum. „Eine Klage hätte keine hohe Aussicht auf Erfolg, da alles im Bebauungsplan und im Grundbuch festgelegt wird“, erklärte Blersch. Heißt: die künftigen Grundstücksbesitzer oder Häuslebauer werden von vorneherein wissen, auf was sie sich einlassen.

Matthias Matz

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