Der Füssener Florian Hipp baut aus alten Drahteseln individuelle Fahrräder

Ein Mächler und Künstler

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Ein Fahrrad, wie ein Kunstwerk aufgehängt, wird laut Florian Hipp nicht nur in seiner eigenen Wohnung zum optischen Erlebnis. „Kunden sehen in meiner Arbeit nicht nur einen Gebrauchwert“, betont der Füssener. Von den alten Fahrrädern bleibe nur noch der Rahmen übrig.

Füssen – Die Touristenstadt Füssen und das beliebte karibische Urlaubsziel Kuba haben eines gemeinsam: Hier wie dort ist es mit dem öffentlichen Nahverkehr eigentlich nicht zum Besten bestellt. Eine Lösung für das Problem hat sich der Füssener Florian Hipp ausgedacht: Aus alt mach neu.

Beim schon seit vielen Jahren anhaltenden Siegeszug des Fahrrads können sogar wirtschaftliche Probleme eines Staates eine gewisse Rolle spielen. So importierte Kuba chinesische Drahtesel, damit in der beginnenden speziellen Periode um 1990 die Mobilität der Bevölkerung gewährleistet war. 

Die Ausgangsbasis für Florian Hipp...

Im ökologisch bewussten Europa steigt man dagegen nicht nur zum Freizeitvergnügen aufs Radl – auch Wege zum Arbeit werden gern mittels „Drahtesel“ zurückgelegt. An diesem Punkt kommen wir auf den Füssener Florian Hipp zu sprechen. Er hatte eine Idee, setzte sie um und inzwischen gewinnt sein ambitioniertes Projekt „Starrgang“ so richtig an Fahrt. 

...und was er daraus gemacht hat.

Mit einfachen Worten ausgedrückt: Da baut einer aus einem richtig alten Fahrrad, das man zum Schrottplatz bringen könnte, ein ganz Neues. Florian Hipp fährt ein Fahrrad, das sofort in den Straßen die Blicke auf sich zieht. 

Aber warum hat er für sich keines dieser Super-Radl aus dem Katalog bestellt? Um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen, hat der Kreisbote Hipp in der Füssener Augustenstraße besucht, wo er wohnt. 

Ein Improvisationstalent

Eine 80 bis 100 Quadratmeter große Werkstatt zum Arbeiten hätte er zwar schon gerne angemietet. 

Aber Florian Hipp ist Improvisieren gewöhnt und begnügt sich deshalb mit der „väterlichen Garage“, um seine Arbeit an alten Fahrrädern – gemäß dem individuellem Auftrag – auszuführen. Die Touristenstadt Füssen, wo der „Mächler und Künstler“ – wie er sich selbst versteht – im Jahr 1985 geboren wurde, und Kuba haben zumindest eine Gemeinsamkeit: Hier wie dort ist es um den öffentlichen Nahverkehr eigentlich nicht besonders gut bestellt. 

Weil er kein Auto besitzt, trat für Florian Hipp, Quereinsteiger in der Tourismusbranche, deshalb die folgende Frage auf: Wie konnte er zu seinem Arbeitsplatz nach Schwangau kommen und zwar zu Uhrzeiten, wenn sich andere Leute über den Feierabend freuen? 

Die Problemlösung: Ein guter Freund machte ihm ein altes Fahrrad zum Geschenk. Florian Hipp sah sich den fahrbaren Untersatz an und beschloss Umbauten. Als gelernter Feinmechaniker musste er bei seinem Vorhaben nicht bei Null anfangen – „aber ich habe viel Lehrgeld bezahlt“, erinnert er sich. „Der Arbeitseinsatz in meiner Freizeit dauerte zwei Monate. Als ich fertig war, war ich stolz wie Oskar!“ 

Inzwischen komme er aufgrund von Erfahrungen etwas zügiger voran, denn nach dem ersten Auftrag, den ihm ein Kollege gab, soll er weitere Kundenwünsche erfüllen. 35 alte Räder werden ihm derzeit anvertraut. Zur Werkstattarbeit kommt die Vorbereitung von Messebesuchen – unter anderem demnächst in München – und „in enger Kooperation mit Fotografen“ die Weiterentwicklung der Homepage 

"Kein Recycling!" 

Die Fahrräder aus Florian Hipps Kollektion stellt ein druckfrischer Kalender vor. Jedes Blatt zeigt – mit Frauen und Männern als Models – den Ideenreichtum des bärtigen, tätowierten Füsseners, der mit seinen Partnern, wie der Firma „Häute“ im Magnuspark am Lech, das Fahrrad-Projekt am Laufen hält. So wurde mittlerweile die spezielle Tasche für Zweiräder der Marke Florian Hipp entworfen und gefertigt. „Das Design passt gut dazu“, so Florian Hipp. 

Eigentlich möge er keine Anglizismen, „aber nicht alles lässt sich auf Deutsch sagen“. Bei frischem Kaffee für den Gast beugt er einem möglichen Vorurteil sofort vor: „Ich mache kein Recycling!“ Mit seinem „Upcycling“ der alten Räder will er vielmehr unterstreichen, wie sehr ihm Nachhaltigkeit wichtig ist. 

Haferlschuhe für Biker sind, wie er erwähnt, noch im Werden. Das erledige ein Betrieb in Schwangau, der ebenfalls sehr viel Wert auf solide Handarbeit lege. Seine eigene Manufaktur in Füssen wird übrigens kein Rad mit mehreren Gängen verlassen. „Ein Gang genügt!“, so das nicht verhandelbare Credo des jungen Füsseners.

Chris Friedrich

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