Die Macht der Bewertung

Stefan Velte (links) von holidaychek.de warb für die Dienste seines Arbeitsgeber für die Pfrontener Vermieter. Von denen hat Hotelier Günter Rehfeld (rechts) bereits Erfahrungen mit dem Bewertungsportal gemacht.

„Haben Sie keine Angst vor Bewertungen“, so lautete beim Pfrontener Tourismustag am vergangenen Donnerstag die Nachricht an die Gastgeber der 13-Dörfer-Gemeinde. Die gab ihnen Stefan Velte von „holidaycheck.de“ mit auf den Weg. Er warb nicht nur für sich und seine Firma als kostenlosen Partner der Vermieter, sondern gewährte auch interessante Einblicke in das Verhalten des Urlaubsgastes, der im Internet buchen möchte.

Über 20 Millionen Besucher registriert die Website www.holidaycheck.de jeden Monat. Dort können Urlaubswillige Hotels oder Pensionen suchen und sich auch Bewertungen durchlesen, die ehemalige Gäste dort hinterlassen haben. Die Angst vor schlechten Bewertungen und die Zweifel an der Echtheit der Einträge – mancher könnte ja als vermeintlicher „Gast“ das eigenen Hotel in den Himmel loben oder das der Konkurrenz schlechtreden – verunsichern viele Hoteliers. „86 Prozent aller Bewertungen sind gut“, versuchte Velte diese Befürchtungen zu zerstreuen. Zudem könne der Hotelier alle Bewertungen kommentieren und sollte das auch charmant und konstruktiv tun, empfahl er. Bei gefälschten Bewertungen greife holidaycheck hart durch. Bei Verdacht fordere der Betreiber vom „Gast“ einen Beleg, dass er in dem Hotel, das er lobt oder kritisiert, auch gewohnt hat. Vorher gehe die Bewertung nicht online. „99 Prozent aller Fälschungen kommen von Hoteliers, die sich selbst positive Bewertungen geben“, so Velte. Wer dabei erwischt wird, muss damit rechnen, mit einem Warnzeichen auf holidaycheck.de versehen zu werden. „Als „mächtiges Instrument“ bezeichnete Günter Rehfeld vom neu eröffneten Hotel Bavaria die Bewertung im Internet. Er lobte die die Vorteile der Bewertungsportale, „man hat sonst keine Chance, kostenlos an so viele Interessierte heranzukommen“, erklärte er. Rehfeld führte aber auch gefälschte Bewertungen und den Schaden durch schlechten Resümees als Hauptkritikpunkte an. „Der Trend geht dahin, dass man Bewertungen auch in großem Stil kaufen kann“, kritisierte er. Durch schlechte Bewertungen werde der Hotelier zudem erpressbar. Ihm selbst habe ein Gast bereits mit Negativ-Werbung bei holidaycheck gedroht, wenn ihm nicht ein Teil seiner Rechnung erlassen werde. Unter dem Strich gab er jedoch zu: Ohne Bewertungen hätten wir das Bavaria nicht in so kurzer Zeit am Markt platzieren können. Denn der Nutzen von Bewertungen sei laut Velte messbar. „Zehn Prozent mehr Weiterempfehlungen sind fünf Prozent mehr Buchungen“, rechnete Velte vor. Der Urlaubssuchende verbringe im Schnitt neun Stunden auf 13 verschiedenen Websites, um seine Reise zu finden. Die Bewertungen auf den einschlägigen Seiten seien ihm dabei fast genauso wichtig wie Empfehlungen von Bekannten. Schlecht sei es nicht unbedingt, wenn mal eine negative Bewertung mit dabei ist. Schlimm sei es, wenn es gar keine Bewertungen gibt, denn bei solchen Hotels buchen Interessenten nicht. „Und wovon lebt Ihr überhaupt?“, lautete anschließend eine Frage aus dem Publikum. Einerseits von Werbung, andererseits von Buchungen. Denn rund drei Prozent der Besucher von holidaycheck.de buchen dort auch. Bei über 20 Millionen Besuchen im Monat sei das in absoluten Zahlen nicht wenig, so Velte. Zuvor hatte Tourismusdirektor Jan Schubert noch einmal das vergangene Jahr Revue passieren lassen und ging auch kurz auf den Hauptkritikpunkt ein, der auch kürzlich im Gemeinderat laut geworden war: Es kommen zwar mehr Gäste als jemals zuvor – die 100.000er-Marke wurde erstmals geknackt – die Zahl der Übernachtungen stagniert jedoch. „Wir müssen unseren Ort so attraktiv machen, dass die Gäste länger bleiben“, lautete seine Antwort. In diesem Zuge stellte er unter anderem auch das Veranstaltungsprogramm für dieses Jahr vor. Auch zwei Ehrungen nahm Schubert zusammen mit dem 2. Bürgermeister Philipp Trenkle vor: Manfred Hartmann wurde für seine Verdienste als Wanderführer und Mundartdichter geehrt. Helmut Speker dafür, dass er im Auftrag des Deutschen Tourismusverbands seit 2001 rund 272 Gästehäuser geprüft hat. Zudem erhielt eine ganze Reihe von Pfrontener Vermietern ihre Zertifizierungsurkunden.

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