Todesfalle Seilkrananlage?

LBV macht Pegelmessstation am Lech für verletzte Schwäne verantwortlich

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Die Stahlseile der Seilkrananlage führen ca. 40 Meter von der Theresienbrücke entfernt über den Lech. Für viele Vögel dürften sie kaum zu sehen sein, wenn sie unter der Brücke durchfliegen.

Füssen – Seit fünf Jahren beschäftigt Vogelliebhaber ein Thema: Wer ist für die toten Schwäne in Füssen verantwortlich? Das Rätsels Lösung scheint Peter Griegel vom Landesbunds für Vogelschutz (LBV) nun gefunden zu haben. 

Die Seilkrananlage an der Theresienbrücke wird seiner Meinung nach für viele Vögel zur tödlichen Falle. Deshalb ist nun auch das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Kempten aktiv geworden.

Bisher gab es nur wilde Spekulationen, was der Grund für die verschwundenen, verletzten oder toten Schwäne in Füssen ist. Der LBV war deshalb auch schon bei der Polizei, wie Peter Griegel, Stellvertretender Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Ostallgäu/Kaufbeuren, gegenüber dem Kreisbote erklärte. Aber: „Da ist nichts herausgekommen.“ Manche behaupteten gar, Menschen hätten die Tiere tot geschlagen. Doch „da hatte ich von Anfang an meine Zweifel“, so der Stellvertretende Vorsitzende der Kreisgruppe. 

Vor etwa zwei Jahren wurde ihm ein Schwan am alten Schlachthof gemeldet, der schwer an der Brust verletzt war. Im selben Bereich entdeckten Passanten im Januar erneut einen Schwan mit denselben Verletzungen. „Wenn man mit einem Knüppel auf ein Tier einschlägt, wird es nicht an der Brust verletzt“, ist Griegel überzeugt. 

Deshalb machte er sich dort auf die Suche – und wurde fündig. Die drei Stahlseile der Pegelmessstation nahe der Theresienbrücke, die quer über den Lech gespannt sind, passten perfekt zu den Verletzungen der Tiere. An der Brücke überwintern hunderte Vögel, so Griegel. „Die Leute füttern sie. Die fühlen sich da wohl.“ Doch die ca. 40 Meter entfernten Seile seien für die Vögel fast unsichtbar, wenn sie aus Richtung Westen unter der Theresienbrücke in Richtung Krankenhaus fliegen. „Das ist lebensgefährlich für die Tiere“, so Griegel. Wenn es blöd läuft, kollidieren sie mit den Stahlseilen und ziehen sich schwere Verletzungen zu. Manche stürzen danach auch in den Fluss, wie Griegel von einem Füssener weiß, der so einen Fall beobachtet habe. Die Anlage sei zu 100 Prozent die Ursache für die verletzten Schwäne, ist sich Griegel mittlerweile sicher. 

Seilkrananlage markieren

Deshalb will er die Seile mit schwarz-weißen Fahnen markieren lassen und wandte sich dafür an die Flussmeisterstelle Füssen, die wiederum das Wasserwirtschaftsamt Kempten verständigte, das darauf hin das Landesamt für Umwelt informierte. Dieses kam ebenfalls zu dem Schluss, dass die Seilkrananlage eine Gefahr für Wasservögel darstellt. Deshalb soll sie jetzt entsprechend Griegels Vorschlag mit schwarz-weißen Blechtafeln markiert werden. 

Bewährte Praxis 

Da sich diese Markierungen – egal wie groß – aber auf jeden Fall aufs Stadtpanorama auswirken werden, kontaktierte das Wasserwirtschaftsamt die Stadt Füssen. Und die sprach das Thema am Dienstag im Bauausschuss an. „Um dem Stadtbild nicht zu schaden, hat sich das Wasserwirtschaftsamt bewusst für eine Minimallösung entschieden“, las Bauamtsleiter Armin Angeringer die Stellungnahme des WWA vor. Die Lösung habe sich bereits in der Praxis an Stromleitungen als wirksam erwiesen, da sie sowohl bei Dämmerung als auch Nebel am besten zu erkennen sei. 

Sie wird allerdings keine Dauereinrichtung sein. Denn im Zuge der Sanierung der Theresienbrücke möchte das Wasserwirtschaftsamt die Pegelsensorik umgestalten und ein neues Abflussmessverfahren installieren. Da die Arbeiten aber vorerst verschoben wurden (der Kreisbote berichtete), werde das WWA wohl noch drei bis vier Jahre auf die alte Anlage angewiesen sein. „Die Behörde benötigt die Seilkrananlage noch aktuell für Messungen und später dann für die Kalibrierung der neuen Sensorik“, heißt es dazu in der Stellungnahme.

"Vernünftige Lösung" 

„Das ist eine ausreichende und vernünftige Lösung“, meinte Angeringer. Das WWA müsste allerdings noch darauf hingewiesen werden, dass die Anlage Kinder und auch Touristen dazu ermutige, auf den Seilen über den Lech zu klettern. Anscheinend seien dabei auch schon so manche in den Fluss gestürzt. „Jede Art der Missanwendung technischer Anlagen muss von vornherein ausgeschlossen werden“, so der Bauamtsleiter. 

Doch früher sei das anscheinend gang und gäbe gewesen, wie Michael Jakob (CSU) anmerkte. Als damals noch ein Turm vor der Seilkrananlage stand, von dem ein zusätzliches Seil auf die andere Seite des Flusses reichte, war das „die Mutprobe für alle in der Spitalgasse“, so der Stadtrat. „Vor 50 Jahren war das schon so. Ich weiß nicht, dass da schon einmal ein Vogel reingefallen ist.“ „Ich weiß auch nichts davon und ich wohne da“, fügte auch Niko Schulte (CSU) hinzu, der als Zweiter Bürgermeister die Sitzung leitete. 

Stadtrat Magnus Peresson wunderte sich dagegen eher darüber, dass im Zeitalter der Digitalisierung das WWA den Pegel des Flusses wie im Mittelalter messe. „Das ist nur vorübergehend. Wenn die Brücke saniert ist, kommt das weg. Definitiv“, sagte Schulte.

Katharina Knoll

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