Von Männern und Frauen

Gymnasiallehrer Jürgen Schulz geht nach 19 Jahren als Leiter der Theatergruppe nun in Ruhestand. Im jüngsten Stück der Gruppe, „Wie es uns gefällt“, erzählt er als Putzfrau verkleidet, den Epilog. Foto: gau

Neben Irrungen und Wirrungen geht es in William Shakespeares Stück „Wie es euch gefällt“ auch darum, dass die Frau zum Manne wird um ihrem Liebsten nahe zu sein. Dass man daraus noch viel mehr machen kann als nur ein historisches Theaterstück, das zeigte die Theatergruppe Hohenschwangau. Bei ihnen hieß das Stück jedoch „Wie es uns gefällt“. Dass die Premiere mit einer Träne im Auge endete, lag dann nicht an der schauspielerischen Leistung, sondern daran, das Theaterleiter Jürgen Schulz nach 19 Jahren seinen Hut nahm.

„As You Like It”, Wie es euch gefällt, das hat William Shakespeare vor mehr als 400 Jahren geschrieben. Ein Stück um Liebe und Ehre, Treue, Verbannung, Idylle, Mut und in gewisser Weise auch mit einem Happy End. Daraus hat die Theatergruppe des Hohenschwangauer Gymnasiums in bewährter Manier ein Stück erarbeitet, das unter dem Motto steht: „Wie es uns gefällt“. Warum nicht einfach einmal das Drumherum mit einbauen?, so kann man sich vielleicht vorstellen, was in den Köpfen vorgegangen sein mag. Vielleicht entstand es aber auch erst im Laufe der Proben für das Stück. Denn genau das zeigten die 22 Akteure: die Vorbereitungen, die Proben, die Gedanken, die einem angesichts eines 400 Jahre alten Theaterstückes in den Kopf kommen können. Und die Sache mit den verkleideten Frauen – oder Männern? Zu Shakespeares Zeiten durften keine Frauen auf die Bühne, weshalb deren Rollen ebenfalls von Männern gespielt wurden – durchaus komisch, wenn man sich vorstellt, dass Rosalind (eine Frau) von einem Mann gespielt, sich als Ganymede (ein Mann) verkleidet, um ihren Liebsten zu folgen. Und durchaus geschickt in die Handlung des Stückes integriert von den Hogauern, die seit 19 Jahren am Gymnasium Theater machen. Neben dem Schulunterricht werden die Stücke einstudiert, jedes Jahr verliert die Theatergruppe talentierte Schüler nach dem Abitur, jedes Jahr kommen jüngere nach. Weshalb das jüngste Stück in besonderer Weise eine Premiere war – war es doch das letzte, das Jürgen Schulz als Theaterleiter geführt hat. Der Studiendirektor, unter anderem für Latein und Ethik zuständig, geht mit Ende des Schuljahres in den Ruhestand. Doch zuvor hatte er noch einen besonderen Auftritt, als „Putzfrau“, passend zu Shakespeare, fegte Schulz die Bühne und hielt einen Epilog auf das Stück, das eigentlich gar keinen brauche, so Schulz. Vielleicht war dieser Auftritt, ja so etwas wie ein Epilog auf das Lehrerleben, vor allem das des Theaterleiters? Rollten im Stück die Freudentränen, so hatten die Schauspieler anschließend Probleme, an sich zu halten, geht doch nach 19 Jahren nun eine Ära zu Ende. Schulz hatte die Theatergruppe seit 1992 ununterbrochen angeführt und war, so die Akteure: der Beste. Was Jürgen Schulz allerdings bei den Proben erlebt haben dürfte, das zeigten die Schüler mit „Wie es uns gefällt“ recht anschaulich und eloquent.

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