Historisches Schmuckstück in der Innenstadt

Füssener Hanfwerke: "Großer Schritt in eine Riesenzukunft"

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Einen Schritt weitergekommen ist die Stadt Füssen bei den Plänen rund um die Neugestaltung der ehemaligen Hanfwerke, dem jetzigen Magnuspark.

Füssen – „Wir sind auf einem sehr sehr guten Weg. Ich hätte nicht gedacht, dass wir in Abstimmung mit der Denkmalpflege und auch in Abstimmung mit den Eigentümern in der Zeit soweit kommen“, freute sich Paul Iacob (SPD) in seiner letzten Sitzung als Bürgermeister, als es jetzt um die Vorbereitende Untersuchungen des Hanfwerkeareals ging.

Denn nach drei Jahren Arbeit segneten die Räte diese einstimmig ab. Damit legten sie nicht nur die Ziele für die weiteren Planungen auf dem Areal fest, sondern machten es anschließend auch zum Sanierungsgebiet, indem sie die entsprechende Satzung dafür erließen. 2017 begann das Architektenbüro f64 den Bestand auf dem Areal zu analysieren. 

Dabei stellte sich heraus: „Die Stadt hat eine mittelalterliche Struktur, aber die Industrie hat eine große Relevanz für die Stadtgeschichte“, erklärte Architekt Thomas Meusburger. 1861 wurde hier die „Mechanische Seilerwarenfabrik Füssen“ gegründet, die mit Hilfe der Wasserkraft aus dem Lech Garne, technische Schnüre, Bindfaden und Erntebindegarne herstellte. Sie war ein bedeutender Arbeitgeber für die gesamte Region. So hatte die Fabrik sogar einen eigenen Kindergarten und ein Krankenhaus. Heute gebe es hier eine „Qualität an Gebäuden, die selten zu finden sind“, erklärte Meusburger. 

Neben dem denkmalgeschützten Kopfbau seien noch mehr Gebäude ortsbildprägend. Deshalb sollen unter anderem die charakteristischen Zeilenbauten in ihrer Proportion und städtebaulichen Ausprägung erhalten bleiben. Zudem soll geprüft werden, ob sie in Teilen erhalten und saniert werden. 

Typische Gebäude

Auch typische Gebäude wie der Schornstein mit Kesselhaus oder der Uhrenturm des Südbaus sollen bleiben, wo sie sind. „Viel von der Substanz, was da ist, wird der Stadt Füssen erhalten bleiben“, sagte Meusburger. 

Ein weiteres Ziel der Vorbereitenden Untersuchungen sei, flexibles und differenziertes Wohnen auf dem Areal möglich zu machen. Neben kleinteiligen, günstigen Wohnungen soll es hier unter anderem auch Wohngruppen, altengerechtes Wohnen oder auch mit Blick auf die Geschichte eine Kombination aus Wohnen und Arbeiten geben. 

Daneben soll der Mix aus Jungunternehmen, Künstlern, Handwerksbetrieben und ergänzendem Gewerbe erhalten bleiben. Neben Gastronomie und Kultur könnte auch ein kleinflächiger Lebensmittelhandel einziehen – eben alles, „was am Standort verträglich ist, ohne großen Verkehr anzuziehen“, informierte der Architekt. 

Das große Bauvolumen der Industriegebäude ermögliche ein großes Entwicklungspotential. Bereits jetzt hätten sich hier unter anderem die Volkshochschule Füssen und ein Reptilienzoo angesiedelt. „Es gibt bereits sehr viel dort außer Wohnungen“, so Meusburger.

Bei der Anordnung der verschiedenen Nutzungen sollten die, die einen starken räumlichen oder inhaltlichen Bezug zur Altstadt haben, wie Gastronomie oder kulturelle Angebote, vor allem im östlichen Abschnitt mit Blick dorthin angesiedelt werden. „Die Blickbezüge haben hohe Bedeutung.“

Im nördlichen Bereich sollten vorrangig Wohnungen und im südlichen vor allem Gewerbe entstehen. Bei der Gestaltung des Freiraums sei unter anderem das Ziel, die Anbindung der Altstadt mit dem ehemaligen Hanfwerke-Areal und dem Lechfall für Fußgänger und Fahrradfahrer zu stärken. 

Zudem soll eine öffentliche Promenade entlang des Lechs entstehen. Daneben sollen die historischen Verläufe des Mühl- und Fabrikkanals im Gelände sichtbar werden. 

Noch keine Details

„Bei 60.000 Quadratmeter Nutzfläche ist das Parken ein großes Thema“, fügte der Architekt hinzu. Die Planer könnten sich deshalb ein Parkhaus an der Stützmauer gut vorstellen. 

Ein Problem sei jedoch der Knotenpunkt, die Zufahrt auf das Areal. Eine verkehrsgerechte, regelkonforme Anbindung der Bundesstraße an die Insel und umgekehrt, sei ohne größere Eingriffe nicht zu schaffen, so Meusburger. Deshalb gelte es die ÖPNV-Anbindung zu stärken und alternative Mobilitätskonzepte zu entwickeln. Diese Erkenntnisse haben die Planer mit den Eigentümern, dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Landratsamt Ostallgäu abgestimmt. 

Uneinigkeit herrsche allerdings noch beim Lechbau, ob dieser ganz oder nur in der Form erhalten bleibe, ergänzte Iacob. 

Nutzung bleibt

In dem Zusammenhang wollte Christine Fröhlich (FWF) wissen, ob es noch möglich sei, eine Altenpflegeschule, die Füssen dringend bräuchte, dort unterzubringen. „Das machen wir mit dem Eigentümer“, erklärte Iacob. Die aktuellen Planungen hätten nur die grundsätzliche Machbarkeit der Nutzungen überprüft, würden aber noch nicht ins Detail gehen. 

Die Räte segneten daraufhin einstimmig, die Ziele und Maßnahmen der Vorbereitenden Untersuchungen für das ehemalige Hanfwerke Areal ab, gaben grünes Licht für die Ausweisung als Sanierungsgebiet und erließen eine Sanierungssatzung. Dadurch qualifiziert sich die Stadt nun für Gelder aus dem Städtebauförderprogramm für städtebauliche Sanierungen. „Das ist ein großer Schritt in eine Riesenzukunft, die da unten entsteht“, freute sich Iacob. „Die Nutzungen, die vor der Sanierung drin waren, bleiben erhalten. Sie werden dadurch nicht verhindert“, fügte er hinzu.

kk

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