Bergmesse der Spielhahnjäger erinnert an Gefallene

"Es darf nicht sein"

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Die über 90-jährigen Veteranen Josef Kössel aus Weizern (links) und Lorenz Gehring aus Unterjoch (rechts) legen mit Horst Schädtler einen Kranz zum Gedenken an die gefallenen Spielhahnjäger nieder.

Pfronten – Strahlender Sonnenschein ehrte bei der 57. Bergmesse der Spielhahnjäger die ehemaligen Angehörigen der 97. Jägerdivision am Denkmal auf dem Falkenstein-Plateau. Der Lengenwanger Pfarrer Stefan Ried mahnte in seiner letzten Messe an, dass Kriege keine unabänderlichen Naturereignisse seien.

Allein im kleinen Lengenwang stünden 80 Namen auf dem Kriegerdenkmal. Es gebe mehrere Familien in denen zwei, drei oder gar vier junge Menschen als Kriegsopfer zu beklagen seien. Er wisse, wovon er spreche. Schließlich seien seine drei älteren Brüder im Krieg gewesen: Der Älteste fiel im Kaukasus, der Jüngste wurde wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung standrechtlich erschossen und der Mittlere kam erst 1949 aus russischer Kriegsgefangenenschaft in einem Kohlebergwerk in Sibirien heim. 

„Es darf nicht sein“, forderte Ried, „dass für Kriege pauschal die Soldaten verantwortlich gemacht werden, sondern verantwortlich sind die jeweiligen Machthaber.“ In der Fürbitte wurden deshalb die Staatsmänner und Mächtigen aufgefordert, Verantwortung für das Wohl der Menschen wahrzunehmen. „Deshalb, meine Lieben, dürfen wir unsere Gefallenen nicht aus unserem Gedächtnis streichen. Wir sollten ihrer immer wieder gedenken!“ In diesem Sinne hat Pfarrer Ried seit 25 Jahren die Bergmesse der Spielhahnjäger zum Andenken an die fast 14.000 Opfer der Division gehalten, müsse jetzt aber alters- und gesundheitsmäßig diese schöne Aufgabe abgeben. Er werde aber Pfronten stets gewogen und auch erhalten bleiben.

 „Die noch lebenden Mitglieder der Spielhahnjäger sind Zeitzeugen“, betonte Pfrontens 2. Bürgermeister Manfred Seeboldt. „Sie geben den jüngeren Generationen Erfahrungen und Einsichten weiter, die eindringlich dazu ermahnen, Frieden und Freiheit zu bewahren und zu verteidigen“, sagte er. „Die Gefallenen des letzten Krieges hätten sich sicherlich das heutige Europa gewünscht.“ Horst Schädtler, Vorsitzender der Reservisten- und Veteranenkameradschaft, erinnerte an das Jahr 1967, als das Denkmal der Spielhahnjäger durch den damaligen Kommandeur der 1. Gebirgsdivision, General Karl W. Thilo, eingeweiht wurde.

 Am 8. März 1969 übernahm das Gebirgsversorgungsbataillon 226 aus Füssen die Patenschaft über die Gebietskameradschaft Allgäu der Spielhahnjäger und die Fahne der Kameradschaft für das Zimmer des Kommandeurs. Aktive Soldaten in Uniform nahmen heuer allerdings nicht an der Messe teil. „Heute sehen Sie erstmals keinen aktiven Soldaten oder Reservisten bei dieser Bergmesse in Uniform. 

Kurzfristig wurde auf den Traditionserlass der Bundeswehr aus dem Jahr 1982 Bezug genommen und eine Beteiligung versagt“, erklärte Schädtler. Der Vorsitzende dankte aber den in Zivil anwesenden aktiven Soldaten und versicherte, die begonnene Kameradschaft zu Pfrontens Patenkompanie weiter zu pflegen und zu entwickeln.

Bernd Kluth

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