Neues Baugebiet im Weidach: Räte diskutieren, wie eng die Vorgaben sein dürfen

Kommt der Klötzchenbau?

+
Rote und graue Dächer sind auf dem Areal im Weidach zu sehen, wo früher das Kurhaus der Stadt Füssen stand. Nun soll in diesem Stadtteil ein neues Baugebiet ausgewiesen werden. Doch wie streng dabei die Vorgaben für die künftigen Bauherren gefasst werden sollen, darüber sind sich die Stadträte uneinig.

Füssen – Was darf die Stadt in einem neuen Baugebiet vorschreiben?

Bei dieser Frage schieden sich in der vergangenen Woche in der Sitzung des Stadtrates die Geister. Konkret ging es um den Bebauungsplan O 65 – Weidach Nord II, wo neben dem neuen Kindergarten unter anderem auch Einfamilien- und Doppelhäuser entstehen sollen. Während Bürgermeister Paul Iacob (SPD) die Meinung vertrat, dass die Stadt hier schon „so viel Freiraum wie möglich“ gebe, ging das Uschi Lax (CSU), Georg Waldmann (SPD) und Brigitte Riedlbauer (SPD) nicht weit genug. 

Die groben Pläne für das Neubaugebiet im Weidach stellten Architektin Dorothea Babel-Rampp und Ingenieur Cornelius Wintergerst vor. Hier sind neben dem geplanten Kindergarten mit Familienzentrum auch Einfamilienhäuser, Doppelhäuser, Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser vorgesehen, die hauptsächlich durch eine „relativ beruhigte“ Stichstraße erschlossen werden sollen, erklärte die Architektin. Die Grundstücksgrenzen werden dagegen nicht festgelegt. So kann jeder sein Gebäude auf sein Grundstück stellen, wie er möchte.

 Allerdings sollen symmetrische Satteldächer für eine geordnete Dachlandschaft sorgen, erklärte Babel-Rampp. Die maximale Gebäudebreite liegt bei elf Metern. Die zulässige Wandhöhe liege beim Kindergarten bei acht Metern, beim Mehrfamilienhaus bei sieben Metern und bei der übrigen Bebauung bei sechs Metern. So könne jeder zweigeschossig bauen. Da sich das Gelände im Hochwasserbereich befindet, müsse es aufgeschüttet werden. Das Gelände werde dann ca. 1,70 bis 1,80 Meter über der derzeitigen Straße liegen, erklärte Wintergerst. 

Wegen der Hochwassergefahr seien Öltanks nur oberirdisch zulässig. Keller seien möglich, so Babel-Rampp. Nur mit Tiefgaragen werde es schwierig. „Das Wasserwirtschaftsamt weist darauf hin, dass das nicht zu empfehlen ist, da sie bei Hochwasser sofort geflutet werden.“ 

Wegen der Hochwassergefahr hatte Dr. Christoph Böhm (CSU) Bedenken. Er wies auf ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 2004 hin, durch das eine Kommune ihr Baugebiet wegen der Erhaltung der Retentionsräume nicht bebauen durfte. Zuvor hatte das Wasserwirtschaftsamt ebenfalls eine Aufschüttung empfohlen. Böhm befürchtet, dass das in Füssen auch passieren könnte und die Kommune dann schon tausende Euro in die Planung investiert habe. Denn das geplante Baugebiet im Weidach sei „faktisch ein Überschwemmungsgebiet“, so der CSU-Stadtrat. „Die Wiese war beim letzten Hochwasser überschwemmt.“ 

"Keinen Zweifel"

„Ich habe gar keinen Zweifel, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, meinte jedoch Bürgermeister Iacob. Wenn der Stadtrat heute den Vorentwurf absegne, werden die Träger öffentlicher Belange dann dazu Stellung nehmen und können ihre Bedenken vorbringen. Hochwasser sei auch auf dem Areal der ehemaligen Stadtgärtnerei Thema gewesen, ergänzte Bauamtsleiter Armin Angeringer. „Die Fachbehörden haben zugestimmt unter bestimmten Rahmenbedingungen.“ Da damals das von Böhm angeführte Gerichtsurteil schon bestand, hält die Stadtverwaltung auch die Bebauung für das jetzige Areal für möglich. Dort beurteilte das „Wasserwirtschaftsamt die Unterströmungsverhältnisse für günstig.“ 

Ein anderes Problem hatte Uschi Lax (CSU). Sie fragte sich, ob so viele Festsetzungen überhaupt notwendig seien. Wenn sich der Bauausschuss anschließend immer wieder mit beantragten Ausnahmen vom Bebauungsplan befassen müsse, führe das nur zu Streitereien. Gleicher Meinung war Georg Waldmann (SPD) und Brigitte Riedlbauer (SPD). Letztere verwies ebenfalls auf die immer wieder stattfindenden Dachgauben-Diskussionen, bei denen es nur um den persönlichen Geschmack gehe. „Ich finde schon, dass man das nicht so stark reglementieren kann.“ Waldmann sah dabei außerdem die Gefahr der „Klötzchenbauweise“, dass alle Häuser so gleichförmig wie Legohäuschen ausschauen werden. „Warum müssen die Dächer symmetrisch sein?“ Warum sollte man andere Ideen verbieten und die Bauherren so einschränken? 

Nicht wie in Hopfen

„Wir sind im Ganzen schon recht großzügig“, meinte dagegen der Rathauschef. „Aber eine Kontinuität sollte schon drin sein.“ Die Frage sei dabei immer, wie weit man gehen wolle. Denn ohne Vorgaben, „da blüht die Fantasie manches Bauherren“, so Iacob. Dafür müsse man nur nach Hopfen schauen. „Da sind Sachen entstanden, die sind erschreckend“, sagte der Bürgermeister. Davor warnte auch Babel-Rampp. Wenn man beispielsweise von Pfronten nach Vils fahre, „da steht etwas, das sprengt jeden Maßstab“, sagte die Architektin. Sie sprach sich dafür aus, eher mehr festzusetzen als zu wenig. Schließlich seien diese Viertel „für Generationen gebaut. Es geht nicht um den Einzelnen, man hat eine Wechselwirkung.“ 

Wildwuchs unerwünscht

Ähnlich sah das Bernhard Eggensberger (Füssen-Land). „Wir sind auf dem richtigen Weg“, erklärte er. Lieber schreibe die Stadt mehr fest, „als dass wir dann vor einem Entwurf stehen, wo man gar nichts dagegen machen kann.“ Auch Böhm warnte vor einem Wildwuchs, wie er beispielsweise in Tirol herrsche. Dort stehe „ein mittelalterliches Bauernhaus neben der Talstation von alpha-Centauri“, so Böhm. „Da vergeht mir der Appetit.“ Allein durch die unterschiedliche Positionierung der Häuser komme schon Kontrast ins Baugebiet hinein. 

Schließlich segneten die Räte einstimmig den Vorentwurf ab. Sie sprachen sich aber mit Verweis auf das Energiekonzept der Stadt und die Hochwassergefahr gegen Ölheizungen aus. Daneben soll sich die Architektin Gedanken machen, ob man die Dachlandschaft verändern könne. Wie ein Baugebiet ohne viele Vorgaben und ein Gebiet mit vielen Festsetzungen wirken, sollen die Räte im Frühjahr bei eine Ortsbesichtigung herausfinden, meinte Iacob. „Das ist der erste Entwurf“ des Bebauungsplans, der jetzt erst einmal ausgelegt werde. „Dann sehen wir weiter.“

Katharina Knoll

Auch interessant

Meistgelesen

Füssener Grenztunnel wird gesperrt
Füssener Grenztunnel wird gesperrt
Zügig hinunter ins Nesselwanger Tal
Zügig hinunter ins Nesselwanger Tal
Der einzige Viehmarkt im Allgäu
Der einzige Viehmarkt im Allgäu
Innovatives Trailer Spray System sorgt für Sicherheit
Innovatives Trailer Spray System sorgt für Sicherheit

Kommentare