Kritik an umstrittenen Hotel-Plänen für das Füssener Festspielhaus

"Einzigartig in der Region"

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Rechts vom Festspielhaus in Richtung Ach und Forggensee soll der Hotelkomplex entstehen. Geplant ist ein unmittelbares Andocken an das rechts stehende Gebäude des Veranstaltungshauses.

Füssen/Schwangau – Heftige Kritik an den Hotelplänen von Festspielhaus-Eigentümer Manfred Rietzler äußerte vergangene Woche der Schwangauer Gemeinderat (der Kreisbote berichtete).

Weder von der wirtschaftlichen Notwendigkeit noch der Architektur des geplanten Fünf-Sterne-Ressorts unmittelbar neben dem Festspielhaus zeigten sich die Ratsmitglieder überzeugt. Und auch in Füssen ist das Projekt nicht gänzlich unumstritten. Der Kreisbote hat deshalb mit Investor Rietzler über die Kritik an seinen Plänen gesprochen. 

Herr Rietzler, der Schwangauer Gemeinderat hat am vergangenen Montag mit zum Teil drastischen Formulierungen den Bau Ihres Hotels abgelehnt. Hat Sie das in dieser Form überrascht? 


Rietzler: „Nein, wenn man die besondere Beziehung zwischen Schwangau und Füssen betrachtet, hat mich die Ablehnung des Gemeinderats nicht überrascht. Für mich ist wichtig, dass der Füssener Stadtrat hinter den Plänen steht.“

Einige Schwangauer Räte bezweifeln die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens und die positiven Wechselwirkungen zwischen Hotel und Veranstaltungshaus. Warum braucht das Festspielhaus ein Hotel in diesem Ausmaß? 

Rietzler: „Das Festspielhaus steht als einzelner Monolith auf diesem riesigen, einzigartigen Grundstück. Wir haben hier einen Fixkostenblock, der allein durch die Ticketeinnahmen langfristig nicht gedeckt werden kann. Um das Festspielhaus dauerhaft in seiner eigentlichen Bestimmung zu sichern, braucht es mehr Umsatz um die Gesamtkosten der Anlage besser zu verteilen. Wir haben Expertenberechungen durchführen lassen und der Zusammenschluss von Festspielhaus und Hotel bietet die Möglichkeit wirtschaftlich zu arbeiten. Es gibt sehr viele wechselseitige Synergien zwischen Festspielhaus und Hotel, welche die Wirtschaftlichkeit der Gesamtanlage ins Positive rücken. Ich habe als Ostallgäuer das Festspielhaus in seiner einmaligen Lage nicht gekauft, um es zu zerstören und den Platz kaputt zu machen. Mein Wunsch ist es dem Festspielhaus dauerhaft zu dem zu verhelfen, was es ist, ein kulturelles Leuchtturmprojekt, das weit über Bayerns Grenzen strahlt und die Region stärkt.“ 

In Schwangau eröffnet mit dem Ameron-Hotel der Wittelsbacher demnächst ebenfalls ein Fünf-Sterne-Hotel. Wieso sollte der Gast zu Ihnen kommen und nicht zu den Wittelsbachern gehen? 

Rietzler: „Genauso wie die Geschäftsleitung des Ameron-Hotels sehen wir hier die Chance einer gegenseitigen Stärkung und damit auch eine Bereicherung und Erhöhung der Wertschöpfung für die ganze Region.“ 

Festspielhaus-Eigentümer Manfred Rietzler ist trotz Kritik überzeugt von seinem Hotel-Projekt.

Was macht Sie so zuversichtlich, dass Ihr Hotel ein Erfolg wird?

Rietzler: „Wie schon gesagt, wir haben hierzu Experten befragt und wirtschaftliche Berechnungen durchgeführt. Das Hotel am Festspielhaus ist schon allein durch seine Lage einzigartig – nicht nur in ganz Bayern, es wird auch weltweit Beachtung finden. Auch ist die Kombination aus Hotel und Festspielhaus einzigartig in der Region.“

 Kraftwerk-Betreiber Uniper hat mitgeteilt, dass es keinen ganzjährigen Aufstau des Forggensees geben wird. Ihre Gäste werden also künftig mehrere Monate lang aus Ihren Fünf-Sterne-Suiten auf eine öde Sandwüste schauen. Glauben Sie, das wird von den Gästen akzeptiert? 

Rietzler: „Wir haben auch die Brachzeiten kalkulatorisch berücksichtigt und wie wir momentan sehen, hat der See viele Facetten und fasziniert auch ganz in weiß! Die Diskussion, wie es grundsätzlich mit einem möglichen ganzjährigen Aufstau des Sees weitergeht, ist nach meiner Meinung noch nicht abgeschlossen.“ 

Architektur ist wie vieles im Leben Geschmacksache. Bei den Schwangauern ist der Entwurf Ihres Architekten Tom Krause allerdings durchgefallen. Ist die Gestaltung des Gebäudes für Sie noch verhandelbar? 

Rietzler: „Wir haben uns bewusst für die Fortführung der Architektur des Festspielhauses unter Einbezug landschaftlicher und ökologischer Aspekte entschieden. Unsere Dachflächen sind alle begrünt, das Gebäude wurde in seiner ganzen Ausrichtung nochmal verändert und passt sich nun dem Lauf der Ach an. Wir finden, es schmiegt sich sehr gut in diese außergewöhnliche Landschaft ein. Jedoch sind wir für alle guten Ideen und Verbesserungsvorschlage offen.“ 

Hat der Beschluss des Schwangauer Gemeinderats Auswirkungen auf Ihre Planungen? 

Rietzler: „Ich bin absolut überzeugt von unserem Hotelprojekt und dessen positive Auswirkung auf die Wertschöpfung und Entwicklung der ganzen Region. Bezüglich der generellen Beziehung zwischen Füssen und Schwangau geben wir uns neutral.“ 

Naturschützer werfen Ihnen vor, mit dem Hotelneubau ein wichtiges Schutzgebiet, vor allem den Acheinlauf, zu beeinträchtigen. Können Sie diese Vorwürfe nachvollziehen? 

Rietzler: „Wir haben bereits in der Planungsphase unter Einbezug der Meinungen von Biologen darauf geachtet, den Eingriff in die Natur so gering als möglich zu halten. Deswegen hatten wir vor einigen Monaten nochmals umgeplant und die Lage des Baukörpers ist so verrückt, dass das Meiste der bestehenden Bepflanzung erhalten bleibt und vom Achverlauf abrückt. Der größte Teil des Gebäudes liegt auf dem Brachland im Nord-Ost-Flügel des Grundstücks. Ich nehme die Einwände der Naturschützer grundsätzlich sehr ernst und möchte nochmals darauf hinweisen: ich habe aus Heimatverbundenheit das Festspielhaus gekauft und will es dauerhaft erhalten. Zusätzlich will ich anmerken, dass ein ‚Landschaftsschutzgebiet‘ eine andere Bestimmung verfolgt als ein ‚Naturschutzgebiet‘. Zusätzlich stellen wir für alle Beeinträchtigungen die entsprechenden Ausgleichsflächen und Ausgleichsmaßnahmen bereit.“ 

Naturschutzverbände haben verlauten lassen, gegen Ihr Projekt klagen zu wollen. Wie wollen Sie diesen Konflikt lösen bzw. eine Klage verhindern?

 Rietzler: „Wir suchen das Gespräch und hoffen, dass wir bald alle zusammen an einem Tisch sitzen und somit eine langwierige und auch teure Klage abwenden können. Wir sehen keinen Grund für eine Klage.“ 

Sie haben uns gegenüber einmal gesagt, dass Sie das Hotel gemeinsam mit Partnern bauen und betreiben wollen. Sind Sie auf

der Suche nach Partnern mittlerweile fündig geworden? 

Rietzler:

„Es sind nach wie vor Optionen offen. Wie bereits erwähnt, ist meine bevorzugte Variante die Einrichtung eines geschlossenen deutschen Immobilienfonds für das gesamte Projekt. Diesbezüglich werden derzeit die Verträge erstellt.“ 

Wie sieht der derzeitige Zeitplan für das Projekt aus? 

Rietzler: „Wir sind bereit anzufangen sobald die Genehmigungen vorliegen.“ 

Herr Rietzler, vielen Dank für das Gespräch.

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