Bebauungsplan-Änderung für neues Hotel am Festspielhaus wird vertagt

Festspielhaus: Hotelbau in der Warteschleife

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Eigentümer Manfred Rietzler will am Festspielhaus ein 5-Sterne-Hotel bauen. Auf die dafür notwendige Bebauungsplan-Änderung wird er jedoch noch etwas warten müssen.

Füssen – „Leute, wir machen uns lächerlich!“ Zweiter Bürgermeister Niko Schulte (CSU) war am Dienstagabend sichtlich angefressen. Gerade hatten seine Stadtratskollegen mehrheitlich dem Aufstellungsbeschluss für eine Änderung des Bebauungsplans „Bei der Achmühle“ ihre Zustimmung verweigert.

Diese aber benötigt Festspielhaus-Besitzer Manfred Rietzler für den geplanten Bau eines 5-Sterne-Hotels am Forggensee. Das Kuriose: Die Stadträte betonten unisono, grundsätzlich für den Bau eines Hotels zu sein. 

Bereits seit Jahren ist klar, dass das Festspielhaus am Ufer des Forggensees sich allein durch Veranstaltungen wirtschaftlich langfristig nicht tragen wird. 

Deshalb hatte bereits der ehemalige Eigentümer Günter Döbler gemeinsam mit Planern und Architekten Pläne für ein 4 bis 5-Sterne-Hotel in unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungshaus entworfen und mit verschiedenen Fachbehörden vorabgestimmt. Auch der Füssener Stadtrat hatte am 27. Januar 2015 hinter verschlossenen Türen seine grundsätzliche Zustimmung signalisiert (der Kreisbote berichtete mehrfach).

Dreieinhalb Jahre später konnte sich das Gremium am Dienstagabend zu der für den Bau erforderlichen Änderung des Bebauungsplans (B-Plan) zunächst aber noch nicht durchringen: Auf Antrag der CSU-Stadträte Andreas Eggensberger und Peter Hartung sollen Eigentümer Rietzler und sein Team das Hotel-Projekt nun zunächst dem Wirtschafts- und Marketingausschuss vorstellen, damit dieser eine Stellungnahme abgeben kann. 

Nordöstlich des Festspielhauses soll auf der Halbinsel ein 5-Sterne-Hotel gebaut werden. Zu der dafür erforderlichen Änderung des Bebauungsplans konnte sich der Stadtrat jedoch noch nicht durchringen.

Ein bereits dafür anberaumter Termin sei kurzfristig nicht zustande gekommen, informierte Eggensberger. Im Juni soll dann im Stadtrat ein erneuter Anlauf unternommen werden, um Rietzler den Weg planungsrechtlich frei zu machen. Denn Baubeginn soll bereits heuer im Herbst sein.

Der Entscheidung voraus ging eine hitzige und emotionale Debatte. Während die Touristiker unter den Stadträten wie Andreas Eggensberger oder Dr. Anni Derday (FW) ihre vorerst ablehnende Haltung mit einer fehlenden Information des Wirtschafts- und Marketingausschusses begründeten, kritisierten andere Stadträte, von Bürgermeister Paul Iacob (SPD) zu wenig über das Vorhaben informiert worden zu sein und äußerten den Verdacht, dass Rietzlers Pläne bereits weiter ausgearbeitet seien als bislang bekannt.

„Es ist wie am Anfang beim Bahnhof. Wir wehren uns dagegen, dass bei solchen Projekten immer Druck gemacht wird“, kritisierte Dr. Martin Metzger (BfF). „Dabei würden wir alle zustimmen, denn wir sind ja eigentlich dafür!“ Auch Christine Fröhlich (FW) behauptete, sich unter Druck gesetzt zu fühlen. „Anscheinend ist doch schon sehr wohl bekannt, wie groß das Hotel werden soll, sonst müssten wir den Umgriff ja nicht erweitern“, mutmaßte sie darüber hinaus. 

Da half es auch nichts, dass Bürgermeister Iacob immer wieder darauf hinwies, dass an diesem Abend noch über keinerlei Details hinsichtlich des Hotels oder konkreter Planungen entschieden werden solle. Solche seien ihm konkret auch noch gar nicht bekannt. „Es geht nicht um Details, sondern um die Erweiterung des Geltungsbereichs des Bebauungsplans“, betonte er mehrfach. „Wir sagen: Wir können uns die Erweiterung des Bebauungsplans in diesem Umfang vorstellen“, so Iacob weiter. Die Größe des Hotels oder die Anzahl der Betten hätten damit überhaupt nichts zu tun. 

Bauamtsleiter Armin Angeringer ergänzte: „Das ist der erste Schritt eines Verfahrens!“ Erst durch den jetzt durch den Stadtrat zu fassenden Aufstellungsbeschluss könne das aufwändige Verfahren überhaupt erst eingeleitet werden. Im Zuge dessen sollen dann erst die Details des Projekts vorgestellt, diskutiert und beschlossen werden. „Heute geht es nur um ein Signal an den Investor.“ 

SPD unterstützt Investor

Für das von der Verwaltung vorgeschlagene Vorgehen sprachen sich unter anderem CSU-Fraktionsvorsitzender Heinz Hipp und die SPD-Fraktion aus. „Damit es endlich vorwärts geht“, warb Hipp für einen sofortigen Aufstellungsbeschluss. „Wir betreiben schon fast Wirtschaftslenkung – das ist in Füssen schon mal schief gegangen“, mahnte er. SPD-Fraktionsvorsitzender Lothar Schaffrath verwies auf einen Brief Rietzlers vom 24. Mai, in dem dieser auf ein zügiges Verfahren bitte. 

Seine Fraktionskollegin Ilona Deckwerth widersprach dagegen Dr. Metzger. „Es stimmt nicht, dass die Information kurzfristig ist. Das ist seit Jahren bekannt“, sagte sie. Außerdem habe jeder Stadtrat die Pflicht, sich zu informieren. Dritter Bürgermeister Herbert Dopfer (Füssen-Land) und Urula Lax (CSU) warben dagegen für eine Verschiebung des Aufstellungsbeschlusses in den Juni, um bis dahin eine breite Mehrheit zu bekommen. „Wir müssen dem Bauwerber zeigen, dass wir dahinter stehen“, appellierte Dopfer. „Und mir ist in vier Wochen ein guter Beschluss lieber als heute ein schlechter.“ 

Trotz des Versuchs von Iacob, doch noch einen Kompromiss zu erzielen, stimmte das Gremium schließlich mit 13:6 für den Antrag von Eggensberger und Hartung.

mm

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