Außerferner bricht eine Frauen-Domäne

Als ruhender Pol betreut Marco Huber seine Schützlinge im Kindergarten Ehenbichl. Nikolussi

Ehenbichl – „Onkel Marco, der Thomas hat mich gepufft“, beschwert sich die kleine Sabine mit Tränen in den Augen. Beinahe zwei Dutzend Drei- bis Sechsjährige wieseln durcheinander. Mittendrin Marco Huber. Es ist der – noch – seltene berufliche Alltag eines Mannes im Kindergarten Ehenbichl.

Seit gut einem Jahr füllt der 30-Jährige die Stelle eines Kindergartenassistenten aus. Mit Erfolg. Die Mädchen und Buben in der Reuttener Nachbargemeinde lieben den männlichen Part in ihrem Vorschulleben. Onkel wie Tante, Egal, Hauptsache man geht auf die Kleinen ein. Wie kam es zur ganz seltenen Konstellation? Die Gemeinde suchte eine Zusatzkraft für ihren Kindergarten. Dabei ging man ganz bewusst neue Wege. Sechzehn Bewerberinnen waren im Rennen. Fünf davon kamen nach Aussagen in die engere Wahl. Es folgten Vorstellungsgespräche. Da dürfte Marco wohl keinen ganz schlechten Eindruck hinterlassen haben. Auf jeden Fall sprachen sich der Gemeinderat, der Bürgermeister und die Kindergartenleiterin nach Rücksprache mit der Behörde für ihn aus.

 „Ich mag Kinder. Zum zweiten liebe ich Herausforderungen, das Besondere. Neues , Unbekanntes reizt mich. Als sich die Gelegenheit bot, habe ich mich ganz einfach beworben. Mit einer Anstellung rechnete ich als Mann aber eigentlich nicht“, berichtet inmitten seiner Schützlinge Marco Huber über seinen Start in ein neues Berufsleben. 

Nun werkt er schon im zweiten Jahr an der Seite von Kindergartenleiterin Bianca Hackl. Er hat eine weibliche Domäne unterbrochen und sieht einen männlichen Teil im außerfamiliären Geschehen positiv: „Eigentlich ist es doch so, dass die Kinder bis zum zehnten Jahr beinahe ausschließlich von weiblichen Pädagogen betreut werden. Volksschullehrer sind ja auch deutlich in der Minderheit. Das scheint es schon einmal im Sinne der Gleichberechtigung Zeit zu sein hier Akzente zu setzen”, so Huber. „Warum soll ein Mann, der gerne und gut mit Kindern umgehen kann, nicht einen solchen Beruf ausüben können. Im Übrigen ist ein Mann doch körperlich etwas robuster als eine Frau. Das ist ein weiterer Vorteil. Was es heißt von den Kindern am Boden ,begraben´ zu werden habe ich mit Anstrengung aber auch mit Freude erleben dürfen”, fügt der 30-Jährige hinzu. 

Im Sinne der Eltern, der Gemeinde und vor allem natürlich der Kinder ist zu hoffen, dass es in der Praxis nach dem positiven Start weiter so gut läuft, dass Marco Huber mit seinen Schutzbefohlenen noch viel schöne Zeit verbringen kann und Freude am außergewöhnlichen Beruf hat. niko

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