Gleichberechtigung: ASF-Frauen zeichnen prominente Theologin im Haus Hopfensee aus

Rosen für Käßmann und Deckwerth

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„Der Mann“ bleibt in Hopfen im Hintergrund: Hauptpreisträgerin Margot Käßmann (Mitte) mit (v.r.) Karin Wehle-Hausmann, SPD-Vize Ostallgäu, und der Preisträgerin Ilona Deckwerth aus Füssen. Ebenfalls mit auf der Bühne: Die Preisträgerin von 2007, Brigitte Protschka (links), und Vorsitzende Petra Vogel (2.v.l.).

Füssen – Besondere Verdienste um die Gleichstellung sind nach Ansicht der Ostallgäuer Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) preiswürdig.

Deshalb zeichnet sie mittlerweile alljährlich zwei Vorbilder aus – auf der regionalen und auf der Bundesebene. Die beiden Preisträgerinnen 2015 der „Roten ASF-Rose“ heißen Ilona Deckwerth, Stadträtin in Füssen, und Professor Dr. Dr. Margot Käßmann. Am Freitagabend wurden sie im Haus Hopfensee geehrt. 

Mit der früheren Bischöfin der evangelischen Landeskirche Hannover und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland von 2009 bis 2010, Prof. Dr. Dr. Margot Käßmann, erhielt vor rund 200 Gästen im Haus Hopfensee zum ersten Mal eine Frau aus dem Bereich der Kirche die Rote ASF-Rose. „Als eine der ersten Bischöfinnen und als erste Ratsvorsitzende der EKD leistete sie auf diesen Gebieten Pionierarbeit“, erklärte Ilona Deckwerth in ihrer Laudatio. 

Nach ihrer Autofahrt unter Alkoholeinfluss im Februar 2010 legte Käßmann konsequent ihre Ämter als Bischöfin und Ratsvorsitzende mit der Begründung nieder, dass sie dadurch ihre Führungsämter beschädigt habe. Diese könne sie darum nicht mehr mit der nötigen Autorität ausüben. „Sie gewann mit diesem Schritt noch mehr Glaubwürdigkeit und Autorität“, betonte Deckwerth. 

Margot Käßmann, lobte Heike Krautloher, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Ostallgäu, sei ein „wichtiges Vorbild, das Orientierung gibt“. In der offiziellen Begründung für die Verleihung des Preises an die aus Marburg (Hessen) stammene Käßmann heißt es außerdem: Mit ihr „haben wir eine Preisträgerin gefunden, die als eine der ersten Frauen hohe und höchste Ämter bei der Evangelischen Kirche übernommen haben“. 

Damit habe Käßmann gezeigt, „wie Frauen selbst in überwiegend von Männern geprägten Bereichen erfolgreich ihren Weg gehen und dadurch auch andere ermuntern können, es ihr gleichzutun“. Die Theologin Käßmann zeige, wie wichtig es heute sei klare Positionen für Humanität, Gerechtigkeit und Frieden zu beziehen „und diese nicht nur in Sonntagsgottesdiensten zu predigen, sondern im Alltag und im Konfliktfall auch zu leben”, sagte Karin Wehle-Hausmann, stellvertretende Vorsitzende der SPD Ostallgäu. 

Eigens für die Hauptpreisträgerin hatte die Künstlerin Uschi Oberleitner eine Skulptur geschaffen, die an einen kleinen Engel denken lässt und Fantasie anregend zwei Symbole zeigt – eine Rose und einen Spiegel. 

Die Hauptpreisträgerin selbst sprach am Rednerpult auf der Bühne im „Haus Hopfensee“ über das Thema „Mann und Frau sind gleichberechtigt – noch Fragen?“. Dabei zeigte sie ein breites Spektrum auf und richtete die Blicke auf Bereiche, die noch ganz besonders im Argen liegen. Es sei „die Pflicht der privilegierten Frauen im Westen“, mutig für Geschlechtsgenossinnen einzutreten, die in vielen anderen Ländern in der Welt gewaltsame Unterdrückung erfahren, lautete eine zentrale Aussage ihrer Rede, die verdeutlichte, warum gerade Käßmann nach der Juristin Professor Dr. Jutta Limbach die Rote ASF-Rose erhalten hatte. 

Heimische Preisträgerin ist die Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Ostallgäu, Ilona Deckwerth. Das Engagement der „im roten Dorf“ Möhren geborenen, an der Erich-Kästner-Schule in Füssen arbeitenden, ehrenamtlichen Politikerin erstreckt sich auf viele Gebiete. Als Beispiel nannte die ehemalige Füssener SPD-Stadträtin Hanni Semmlin-Leix in ihrer Laudatio auch Deckwerths Einsatz im Seniorenbeirat. Außerdem habe sie sich als Gewerkschafterin einen Namen gemacht. Der regionale Preis ist mit 300 Euro dotiert. 

Dass rund 200 Besucher zu der Verleihung gekommen waren, lasse die „längst überregional geltende große Wertschätzung“ der 1998 im Ostallgäu ins Leben gerufenen Auszeichnung erkennen, sagte Brigitte Protschka im Gespräch mit dem Kreisboten. Sie war 2007 als regionale Preisträgerin für ihre „Mentoring-Projekte“ geehrt worden, mit denen Frauen auf ihrem harten Weg in Führungspositionen begleitet werden können. 

Füssens Bürgermeister Paul Iacob (SPD) ließ zuvor die Besucher im Saal aufhorchen, als er in seinem Grußwort ankündigte, dass es „bald zwei Amtsleiterinnen im Rathaus gibt“. Es gibt derzeit vier solcher Führungspositionen, alle in Männerhand. 

Der Füssener SPD-Landtagsabgeordnete Paul Wengert hatte zuvor eine „mangelnde Frauenförderung“ im Freistaat Bayern kritisiert. Bereits jetzt wird unter den ASF-Frauen diskutiert, wer die nächsten Preisträgerinnen sein könnten. Hier kommen nicht nur Personen, sondern auch Initiativen wie 2006 die Amnesty-Gruppen Kaufbeuren und Lechtal und die „Eine-Welt-Läden“ im Ostallgäu (2004) infrage. Juso-Vorsitzende Regina Renner hatte zuvor die Geschichte der ASF-Rose skizziert, die sich „prächtig entwickelt“ habe.

Chris Friedrich

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