Nachdenklich machende Gastrede: "Noch nie vorher beschrittener Weg"

Neujahrsempfang Nesselwang: Hindelang erhält Ehrenzeichen

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Bürgermeister Franz Erhart und Hubert „Hugo“ Hindelang, neuer Träger der „Goldenen Nessel“, dem Ehrenzeichen des Marktes für unentgeltliches, ehrenamtliches Engagement.

Nesselwang – Mit der „Goldenen Nessel“ hat Bürgermeister Franz Erhart am Sonntag beim Neujahrsempfang des Marktes und der beiden Kirchen Hubert Hindelang vom Skiklub ausgezeichnet.

„Er ist seit mehr als 40 Jahren im Skiklub Nesselwang und hat während seiner aktiven Zeit viele Erfolge gefeiert und den Namen Nesselwang positiv nach außen getragen“, sagte Erhart in seiner Laudatio über den neuen Träger der „Goldenen Nessel“. „Seit 1994 ist er als Trainer und Jugendbetreuer beim Skiklub. Aber auch schon während seiner aktiven Laufbahn hat er sich in der Jugendarbeit engagiert“, so Erhart weiter über den Empfänger des Ehrenzeichens. 

Hindelang habe zahlreichen Kindern den nordischen Skisport und Biathlon näher gebracht, darunter auch dem dreifachen Olympiasieger Michael Greis. Ob das Wachsen der Skier während des Wettkampfs, vergessene Anoraks und Brotzeiten hinterhertragen oder auch bei kleineren Misserfolgen zu trösten – „unermüdlich ist er für die Kinder unterwegs und versucht sie für Natur und Sport zu begeistern.“ Das Trendsportzentrum sei im Laufe der Jahre schon so was wie die zweite Heimat von Hindelang geworden. 

Thomas Roßmerkel, Referent für Kirche und Tourismus der Evangelischen Kirche in Bayern.

Neben der Trainingsarbeit ist er auch noch für die Betreuung der Gäste und der Firmen zuständig. „Bei all diesen Tätigkeiten ist er immer bescheiden und drängt sich nie in den Vordergrund“, so Erhart weiter. Erhart begrüßte beim Neujahrsempfang Vertreter aus Politik, Kirche, Gesellschaft und Wirtschaft sowie die Träger der Ehrenzeichen des Marktes. „Das Ganze im Guten zusammenhalten – das gilt für die politische Arbeit, Kirchen, Unternehmen, Banken und vor allem für die Vereine. Es heißt beharrlich sein, was nicht immer leicht ist“, so der Rathauschef.

"Das Leben ist mehr"

Gastreferent des Empfangs war Kirchenrat Thomas Roßmerkel, Referent für Kirche und Tourismus in der Evangelischen Kirche Bayern. Roßmerkel entführte die Gäste auf einen Berggipfel zu einem Berggottesdienst bei Sonnenaufgang. Während des Gottesdienstes kommt die Sonne über die Berggipfel und die Besucher sind von dem Ereignis tief berührt. „Das Leben ist mehr als das tägliche Eilen und Hasten“, so der Referent. „Vor 20 Jahren wäre ein solches Erlebnis sicher unvorstellbar gewesen“, so Roßmerkel. 

Aber die Zeiten und die Menschen und die Gesellschaft änderten sich. Die Menschen suchten mehr nach „Sabbaticals“, Stille und dem Wunsch nach nicht ständiger Erreichbarkeit in der immer stärker digitalisierten Welt. „Es ist nicht immer einfach die Frage zu beantworten, ob ich der Besitzer meines iPhones bin oder ob mein Handy mich besitzt“ sagte er. Das Burn-Out-Syndrom sei eine häufige Folge dieser ständigen Erreichbarkeit und weit verbreitet. 

Der Trend zur Digitalisierung schaffe einen Gegentrend in der Suche nach Stille an authentischen Orten. „Nach Orten, die echt sind.“ An solchen Orten begegnen sich Kirche und Tourismus neu. Fast ein Fünftel aller Urlauber gebe an, im Urlaub nach spirituellen Erfahrungen zu suchen. Seit 2015 arbeiten die Evangelische Kirche und Bayern-Tourismus zusammen, um den Touristen genau dieses Erlebnis zu geben. Damit verbunden sei eine große Chance für das Allgäu. Hier nannte Kirchenrat Roßmerkel beispielhaft den Nesselwanger „Ge(h)zeitenweg“. 

Für die Zusammenarbeit von Kirche und Tourismus gibt es bei den evangelischen Geistlichen in Bayern Stellenanteile, die abhängig seien von den Übernachtungszahlen vor Ort. Für die Kooperation stelle die Kirche finanzielle Mittel zur Verfügung, um die Gemeinden zu unterstützen. „Es ist ein noch nie vorher beschrittener Weg im europäischen Tourismus.“ Einen Wermutstropfen habe die Sache aber – die ökumenische Zusammenarbeit sei noch ausbaufähig. „Den Gästen ist es egal, ob sie von einem katholischen oder evangelischen Geistlichen betreut werden“, stellte Roßmerkel fest. 

Es geht um Menschen

Die sieben Diözesen in Bayern messen der Kooperation von Kirche und Tourismus unterschiedliches Gewicht bei. „ Es geht aus meiner Sicht in beiden Systemen, Kirche als auch Tourismus, immer um den Menschen“. Beiden Seiten tragen Sorge, das es den Menschen nach dem Urlaub besser gehe. Hier gibt es noch Raum für viel Zusammenarbeit und gegenseitige Inspiration. 

Der katholische Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Nesselwang-Pfronten, Werner Haas, und sein evangelischer Amtskollege Jörn Foth stellten anhand einer in den letzten Tagen über einen Messengerdienst verbreiteten Nachricht die Wünsche für das neue Jahr zusammen. Die Wünsche wurden in Verbindung mit tierischen Darstellern gestaltet und mit passenden biblischen Zitaten vom katholischen Geistlichen und Zitaten von bekannten Persönlichkeiten wie Franz Beckenbauer oder Oscar Wilde überbracht.

 Die Ortsbäuerinnen sorgten für kleine kulinarische Köstlichkeiten und das Jazz- und Swing-Trio mit Gottfried Allgaier am Klavier, Tobias Allgaier am Schlagzeug und Phillip Marek waren für die musikalische Gestaltung verantwortlich.

hoe

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