"Zu 100 Prozent meine Welt!"

Maximilian Eichstetter seit 100 Tagen Bürgermeister von Füssen – Eine erste Bilanz

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Maximilian Eichstetter, hier bei in der konstituierenden Sitzung des Stadtrats, ist seit 100 Tagen Bürgermeister.

Füssen – Dass seine Arbeitstage in der Regel um 6.30 Uhr beginnen und nicht vor 19 Uhr enden, merkt man Maximilian Eichstetter an diesem Nachmittag nicht an. Gut gelaunt und entspannt wirkend empfängt der Bürgermeister den Gast in seinem Büro.

Von dort aus leitet der 35-Jährige seit 100 Tagen die Geschicke der Lechstadt.

Traditionell Zeit also für eine erste Rückschau auf das bislang Erreichte und noch anstehende Aufgaben.

Rückblick: Am 29. März setzte sich der damals 34 Jahre alte Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes Füssen in einer denkwürdigen Stichwahl – die Abstimmung fand wegen des Corona-Lockdowns ausschließlich als Briefwahl statt – klar mit fast 60 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen Christine Fröhlich von den Freien Wählern durch. Heute vor 100 Tagen, am 1. Mai, übernahm er schließlich offiziell die Amtsgeschäfte von seinem Vorgänger Paul Iacob (SPD).

„Es macht Spaß!“

Bereut hat er das „immer noch nicht“, wie er lachend sagt. Und schiebt hinterher: „Keine Sekunde!“ Im Gegenteil: „Das ist zu 100 Prozent meine Welt – es macht Spaß!“ Das hat vor allem einen Grund: „Überall, wo ich hinkomme, wird extrem konstruktiv zusammen gearbeitet“, erzählt er. Die eingeführte gute Vorbereitung der Sitzungen und transparente Aufarbeitung der Themen und Beschlüsse zahle sich aus. „Deswegen haben wir so viele einstimmige Beschlüsse“, erklärt er. Dazu komme eine gut funktionierende Mannschaft im Rathaus. „Das Team ist extrem motiviert und hat einen guten Zusammenhalt!“

Tatsächlich, da sind sich Beobachter einig, schlägt der neue Stadtrat im Zusammenspiel mit der Verwaltung ein Arbeitstempo ein, das gerade im Vergleich zur vorherigen Amtsperiode getrost als beachtlich bezeichnet werden kann – bei einem besseren Arbeitsklima ohne größere atmosphärische Störungen.

Der neue Rathauschef steht dem in nichts nach, ist vielmehr die treibende Kraft dahinter. Kaum im Amt, nahm er gleich die ewigen Dauerbaustellen Mittersee- und Oberseebad in Angriff. „Das Oberseebad war meine erste richtige Amtshandlung nach der Besichtigung der Bauhöfe“, erinnert er sich. Während das Oberseebad aus den hinlänglich bekannten Gründen heuer geschlossen bleiben muss (derKreisbote berichtete mehrfach ausführlich), ist das Mitterseebad in diesem Sommer entgegen allen Erwartungen nun doch wieder geöffnet. „Wir haben mit fünf Leuten in drei Wochen das Bad so umgebaut, dass die Leute es nutzen können!“

Schwerpunkt Eishallen

Bleierner Stillstand lag jahrelang auch über der dringend notwendigen Sanierung des Bundesstützpunktes in der Kemptener Straße. Mittlerweile laufen die Arbeiten auf Hochtouren. „Das haben wir ganz extrem angeschoben“, so Eich­stetter, der um die Bedeutung des Eisstadions für die Füssener weiß. „Es ist eine Herzensangelegenheit der Bürger, also ist es eine Herzensangelegenheit für mich“, sagt er. „Ich möchte das die Bürger glücklich sind.“ Nicht zuletzt deswegen hat er noch einige Ideen hinsichtlich des Stützpunktes, wie etwa ein von der Sporteinrichtung und der benachbarter Feuerwehr gemeinsam genutztes Blockheizkraftwerk. „Wir haben zwar noch extrem viel zu tun, aber das kann etwas richtiges Tolles werden!“, ist er überzeugt.

Vorwärts geht es auch bei den städtischen Spielplätzen, einem Thema, das gleichfalls ganz oben auf Eichstetters Prioritätenliste steht. Hier hat der Finanzausschuss unlängst den Weg frei gemacht für ein umfangreiches Sanierungskonzept (der Kreisbote berichtete). Jährlich sollen dafür 75.000 Euro im Haushalt bereit gestellt werden. „Wir haben ex­trem viel Kinder und ich möchte, dass wir als Familienstadt weiter nach vorne kommen“, betont der Rathauschef.

Ziel: Grüne Welle

Erste Schritte sind auch beim digitalen Verkehrskonzept bereits eingeleitet worden, berichtet Eichstetter. So sollen bis Mitte September erste Probemessungen an den Ampeln auf der Strecke A7 bis Bannwaldsee vorgenommen werden. Ziel ist die Grüne Welle von der Autobahnabfahrt bis Schwangau.

Ein weiteres Thema, das ihm unter den Nägeln brennt – „die mir gefallen“, wie er es formuliert –, ist das Ordnen der städtischen Finanzen. Vor allem die Swap-Geschäfte und der Kredit in Schweizer Franken (CHF) sind dem 35-Jährigen dabei ein Dorn im Auge. Während der Stadtrat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause eine regelmäßige Umschuldung des CHF-Darlehens beschlossen hat, geht es bei den Swap-Geschäften zu seinem Verdruss derzeit nicht weiter. „Ich hätte gerne in den ersten 100 Tagen eine Lösung gehabt“, sagt er. Die Verschiebung eines Gerichtstermins machte ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung. „Ich hoffe, dass wir das rückabwickeln können.“

Neue Digital-Strategie

Daneben gelte es, die städtischen Ausgaben nach Einsparmöglichkeiten zu durchforsten, wobei er eine Lehre seines Vaters beherzigt. „Im Einkauf liegt der Gewinn“, habe der ihm beigebracht. Beispielsweise bei den Energiekosten oder der Ausstattung des Bauhofs sieht er „viel Potenzial, im Einkauf zu sparen.“

Abseits dieser politischen Themen wird unter der Leitung Eichstetters außerdem an einem neuen Online-Auftritt der Stadtverwaltung gearbeitet. So plant er Chatmöglichkeiten mit den einzelnen Ämtern einzurichten, um die Kommunikation zwischen Rathaus und Bürgern zu vereinfachen und die Wege kürzer zu machen. Dazu gehört auch ein Online-Mängelmelder, mit dem Bürger etwa Schlag­löcher oder nicht geschnittenes Gehölz melden können. So gab neulich ein Passant eine kaputte Bank im Bootshafen über die App durch. „Eine Stunde später war der Bauhof dort und die Bank repariert“, freut sich der Verwaltungschef. Das gebe den Bürgern das Gefühl, Ernst genommen zu werden und zeige ihnen: „Hey, die machen ja was für uns!“

Direkter Austausch

Überhaupt ist Eichstetter der direkte Austausch mit den Bürgern enorm wichtig: „Wenn du mit den Bürgern kommunizierst, bist du viel näher dran und kannst sie besser abholen“, ist er überzeugt. Nicht zuletzt deshalb hat er bereits zu neun Bürger-Workshops zu den unterschiedlichsten Themen wie Schulsanierung oder Ausbau der Ziegelwies eingeladen.

Umso unverständlicher und ärgerlicher ist für ihn, dass es nach wie vor einige Füssener gibt, die auch dem neuen Stadtrat Hinterzimmer-Politik und Absprachen im stillen Kämmerlein vorwerfen. Schließlich sei er an die Gemeindeordnung gebunden – und diese gebe nun einmal vor, was öffentlich und was nicht öffentlich von den Gremien zu beschließen ist (siehe Interview). „Dass man einer normalen Arbeitsweise vorwirft, sie sei nicht transparent – das nervt!“

Großer Zusammenhalt

Positiv berührt hat ihn hingegen das Verhalten und die Energie der Füssener in der Corona-Krise. „Der Zusammenhalt ist da, wenn man Hilfe braucht. Füssen, Weißensee und Hopfen sind ein gutes Team!“

Intern legt der neue Rathauschef gleichfalls viel Wert auf eine offenen Austausch. So hat er beispielsweise für jeden Donnerstagmorgen um 7.30 Uhr eine Besprechung mit seinen beiden Bürgermeister-Vertretern Christian Schneider (Füssen Land) und Wolfgang Bader (Grüne) anberaumt. „Damit wir wissen: Was ist gelaufen, was ist zu tun.“

Doch das hohe Arbeitspensum hat auch seinen Preis: „Mindestens 60 Stunden, nach oben offen“, beschreibt er seine Arbeitswoche. Für Sport bleibt da maximal noch eine Stunde pro Woche, ein Urlaub ist derzeit überhaupt nicht denkbar. „Die Stadt lässt aktuell keinen Urlaub zu“, sagt er. Deshalb habe er schon fast ein schlechtes Gewissen, dass er sich im September einen Tag frei nehmen will. Dafür soll es nach den Ferien mit Vollgas weiter gehen: Im September ist bereits eine zusätzliche Sondersitzung des Stadtrates eingeplant, kündigt er an.

Matthias Matz

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