Bayerische Schlösserverwaltung zunehmend unter Druck

"So viel Geld wie möglich"

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Im Prozess um Schloss Neuschwanstein wächst die Kritik an der Bayerischen Schlösserverwaltung.

Kaufbeuren/Füssen – Am zweiten Verhandlungstag im Prozess um „schwarze Kassen“ auf Schloss Neuschwanstein vor dem Amtsgericht in Kaufbeuren sind die Vorwürfe gegen den ehemaligen Schlossverwalter Rudolf R. fast völlig in den Hintergrund gerückt.

Vielmehr ging es am Dienstag fast ausschließlich um die Frage, ob und was die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung von den Ereignissen auf dem Märchenschloss wusste und diese stillschweigend duldete. Vor allem R.s Anwältin Ricarda Lang erhob schwere Vorwürfe gegen die Hauptverwaltung in München. 

Gleich zu Beginn des zweiten Verhandlungstages fuhr die prominente Münchner Anwältin schwere Geschütze gegen die Schlösserverwaltung und Abteilungsleiter Jochen Holdmann auf. Wegen des Verdachts der Falschaussage forderte sie (ohne Erfolg) Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I gegen den auch für Schloss Neuschwanstein zuständigen Spitzenbeamten. „Es gibt nur einen Zeugen, der behauptet, dass niemand von den Barzahlungen wusste“, sagte sie. Und das sei Holdmann. 

Außerdem forderte sie – allerdings ebenso erfolglos – die Durchsuchung der Schlösserverwaltung und Beschlagnahmung von Unterlagen, da ihren Informationen zufolge belastende Dokumente aus der Registratur verschwunden seien. Die Schlösserverwaltung wolle „verschleiern und vertuschen“, so die Juristin. Außerdem sollen einem Belastungszeuge vom ersten Prozesstag nach seiner Aussage mit Konsequenzen gedroht worden sein. 

Tatsächlich scheint die Hauptverhandlung in München ein großes Interesse an dem Prozess und dessen Ausgang zu haben. So macht sich der Justiziar der Verhandlung seit Prozessbeginn eifrig Notizen, was Lang am Dienstag erfolglos beanstandete. 

Bereits am ersten Verhandlungstag hatte die Anwältin Schlösserverwaltung und Staatsanwaltschaft Kempten heftig kritisiert und ihr fehlenden Aufklärungswillen vorgeworfen. Auch das Gericht ließ durchblicken, dass die Ermittlungen wohl nicht optimal gelaufen seien und wichtige Unterlagen der Schlösserverwaltung fehlen würden. 

Am Dienstag sollten in der Folgezeit vor allem ein weiteres Mitglied des Personalrates, eine Schlossführerin und die Verwalterin der Zahlstelle auf Schloss Neuschwanstein helfen, die Vorkommnisse aufzuklären. Ein Verwaltungsbeamter, der 2012 die von der Hauptverwaltung eingezogenen Akten vom Schloss auswerten sollte, wurde ebenfalls vernommen. 

Gewollte Sonderführungen 

Vor allem die Personalrätin Luise B. belastete die Hauptverwaltung. Dass die Führer bei Sonderführungen bar bezahlt worden seien, „war bekannt und war auch Thema in den Personalrats- und Vorstandssitzungensitzungen“, sagte sie. „Die Sonderführungen waren vom Finanzministerium und der Hauptverwaltung erwünscht.“ Schließlich hätten diese davon finanziell profitiert. „Die waren darauf erpicht, dass so viel Geld wie möglich reinkommt“, sagte B. aus. 

Bei einem Gespräch mit Bernd Schreiber, Präsident der Schlösserverwaltung, im Dezember 2011 sei ihr von diesem bedeutet worden, die Dinge nicht zu hoch zu hängen. Dies spreche für eine „bestimmte Geisteshaltung und System“. „Ich habe das so verstanden, dass ich dann (sollten die Vorwürfe öffentlich werden, Anm. d. Red.) der Buhmann bin,“, sagte sie. 

Eine seit 2004 als Schlossführerin tätige Frau sagte aus, dass sie davon ausgegangen sei, dass „die 20 Euro (für Barzahlung für Sonderführungen, Anm. d. Red.) von Herrn Holdmann genehmigt“ waren. 

Die Barzahlungen habe es bereits gegeben, als sie auf dem Schloss angefangen habe. Ähnliches berichtete Tabea H., Verwalterin der Zahlstelle auf dem Schloss. Die Barzahlungen an Führer „waren der Arbeitsablauf schon als ich angefangen habe“, sagte die 42-Jährige. Sie selbst habe das nie in Frage gestellt, da ihr von en Schlossverwaltern immer gesagt worden sei, dass sei von München so abgesegnet. 

Außerdem sei sie sich sicher, im Sommer 2007 ein langes Gespräch mit Abteilungsleiter Holdmann über die Barzahlungen geführt zu haben. Das hatte auch der Angeklagte Rudolf R. am ersten Prozesstag so angegeben. Holdmann bestätigte in seiner Vernehmung zwar das Gespräch, stritt aber ab, dass über die Barzahlungen gesprochen worden sei. 

Darüber hinaus, so die Zeugin weiter, hätte in München bemerkt werden müssen, dass auf dem Schloss etwas nicht stimmt. Schließlich seien die Sonderführungen für 120 Euro angeboten worden, sie habe aber immer nur 100 überwiesen. „Da hätte doch jemand mal fragen müssen“, wunderte sie sich am Dienstag. 

Der Prozess wird am Donnerstag, 31. Juli, fortgesetzt. Gut möglich, dass er noch weitaus länger dauert. Das Amtsgericht setzte am Dienstag weitere Termine für den 13. August und 2. September an.

Matthias Matz

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