"Da ist echt was los"

Weiler Heidelsbuch bei Füssen soll Buswartehaus bekommen

+
Um zu schauen, wie viele Auto- und Lkwfahrer die Straße durch Heidelsbuch benutzen und wie schnell diese unterwegs sind, soll die Stadt Füssen hier ein Geschwindigkeitsmessgerät aufstellen. Dafür hat sich jetzt der Verkehrsausschuss ausgesprochen.

Füssen – Kinder laufen im Dunkeln auf der Straße zur Bushaltestelle, während Autos an ihnen vorbeirasen: Solche Szenarien sind öfter im Weiler Heidelsbuch zu sehen, sagen die Anwohner. Um die sieben Schulkinder zu schützen, hat eine Familie nun beantragt, das Tempo in Heidelsbuch auf 30 km/h zu reduzieren.

Außerdem fordert sie die Stadt auf, eine sichere Schulbushaltestelle inklusive Straßenbeleuchtung zu installieren, die Höchstgeschwindigkeit in der gesamten Riedener Straße auf 50 km/h zu begrenzen und nur noch Fahrzeuge bis maximal 7,5 Tonnen zuzulassen. Einige dieser Dinge hat die Stadt schon umgesetzt, erklärte Manfred Schweinberg vom städtischen Verkehrsamt jetzt in der Sitzung des Verkehrsausschuss. Beim Rest sprachen sich die Räte einstimmig für einen Kompromiss aus. 

So habe der Bauhof bereits das Ortsschild ca. 80 Meter weit versetzt, um die untere Ausfahrt Heidelsbuch sicherer zu machen. Auch die Bushaltestelle wurde ca. 25 Meter nach oben verlegt, so dass die Kinder jetzt nicht mehr auf der Straße warten müssen, sondern sich auf einer geteerten Fläche aufstellen können. Diese werde im Winter ein Landwirt in Absprache mit dem städtischen Bauhof räumen. Für ein Wartehäuschen fehle der Stadt aber das nötige Grundstück, erklärte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU). 

Doch gerade das sah Martin Dopfer (Füssen-Land) als dringend nötig an. „Da ist echt was los“, meinte auch Andreas Eggensberger (CSU) und verwies auf den Verkehr zur Fachklinik Enzensberg. „Zum Schutz der Kinder wäre das sinnvoll.“ Für wenig sinnvoll hielt Eichstetter nach Gesprächen mit der Polizei dagegen eine Gewichtsbeschränkung auf 7,5 Tonnen für die Straße. „Milchlaster werden da trotzdem fahren. Das werden wir nicht verhindern können“, so der Rathauschef. 

Etwas anders sah das Bernhard Eggensberger (Füssen-Land). „Viele benutzen das als Abkürzung.“ Deshalb hielt er eine 7,5 Tonnen-Beschränkung mit Ausnahme von Bussen und landwirtschaftliche Fahrzeuge durchaus für sinnvoll. Doch dem hielt CSU-Stadtrat und Polizist Thomas Meiler zwei Fälle aus der Praxis entgegen. Auf diesen beiden Straßen seien Sattelzugfahrer unterwegs, obwohl die Ausnahmen nur für landwirtschaftliche Fahrzeuge gelten. „Die 15 Euro (Bußgeld – Anmerk. Der Red.) sind ihnen egal“, so Meiler. 

Keine Akzeptanz

Daneben könne die Polizei das gar nicht groß kontrollieren, wandte Polizist Johannes Stoll ein. „Wir machen das, wenn wir auf der Straße durchkommen. Aber wir stellen uns nicht auf und kontrollieren, wenn kein Unfallschwerpunkt besteht.“ „Wenns nichts bringt, ist es schade, wenn wir ein Schild aufstellen“, lautete deshalb Eichstetters Fazit. 

Und auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung sowohl für die Riedener Straße als auch für die Durchfahrt Heidelsbuch sah die Polizei kritisch. Da die Riedener Straße, eine Ortsverbindungsstraße, kurvig, steil ansteigend und abfallend ist, könne dort gar nicht 100 km/h gefahren werden. Eine Geschwindigkeitsreduzierung wäre deshalb nur eine Verdeutlichung der möglichen Höchstgeschwindigkeit. 

Daneben ist die Polizei überzeugt, dass die Autofahrer eine Reduzierung auf 50 km/h nicht akzeptieren würden, da für sie der Grund nicht ersichtlich sei. Außerdem kenne die Polizei keinen einzigen Unfall, der in den vergangenen fünf Jahren aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit im Weiler Heidelsbuch bzw. auf der Ortsverbindung Heidelsbuch-Erkenbollingen passiert ist. 

Eine Beschränkung auf 30 km/h in Heidelsbuch sei zwar rechtlich möglich, allerdings könne die Polizei das nicht überprüfen. Denn die Abstände zwischen den Ortsschildern reichen dafür nicht aus. Allerdings dürfte der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland dort seine Blitzer aufstellen, wandte Eichstetter ein. Daneben sei es rechtlich aber auch nicht erlaubt, die Geschwindigkeit von Tempo 100 sofort auf Tempo 30 zu reduzieren, wandte Stoll ein. 

Als Alternative schlug die Polizei deshalb vor, das Gefahrenzeichen mit dem Symbol „Vorsicht Kinder“ aufzustellen.

Messgerät aufstellen

Um zu wissen, wie viele Fahrzeuge überhaupt die Straße entlangfahren und mit welcher Geschwindigkeit sie unterwegs sind, schlug Christoph Weisenbach (CSU) vor, dort erst einmal ein entsprechendes Messgerät aufzustellen. 

Gleicher Ansicht waren Jürgen Doser (FWF) und Meiler. Dann hätten die Stadträte auch eine Grundlage für weitere Entscheidungen, so Doser. Deshalb soll die Stadtverwaltung jetzt in die Verhandlungen für ein Buswartehäuschen gehen, ein Gefahrenzeichen „Vorsicht Kinder“ sowie ein Geschwindigkeitsmessgerät dort aufzustellen. Über eine Beschränkung von 7,5 Tonnen wollen die Räte in einer der kommenden Sitzung entscheiden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Oy-Mittelberg baut neuen Radweg
Oy-Mittelberg baut neuen Radweg
Bergwachten im Ostallgäu: Bereit für den Ernstfall
Bergwachten im Ostallgäu: Bereit für den Ernstfall
Gasthof "Adler" in Halblech wird derzeit abgerissen
Gasthof "Adler" in Halblech wird derzeit abgerissen
Füssener Stadtrat schlägt Kompromiss in den Wind
Füssener Stadtrat schlägt Kompromiss in den Wind

Kommentare